19 Juli 2009, 10:40
Pius XII., Stauffenberg und der Ochsensepp
 
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Die Verschwörer des 20. Juli 1944 hatten einen geheimen Verbündeten: den Papst. Von Michael Hesemann.

Linz (www.kath.net)
Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem misslungenen Stauffenberg-Attentat und dem Scheitern der „Operation Walküre“ erfuhr Adolf Hitler die ganze Wahrheit über die Verschwörer des 20. Juli 1944. Er entnahm sie einem Bericht, den SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner, Chef des Sicherheitsdienstes (SD), am 29. November 1944 verfasst hatte. Der Report umfasste 27 Schreibmaschinenseiten und enthielt alles, was die rund 400 SD- und Gestapo-Leute, die mit den Ermittlungen gegen die Verschwörer befasst waren, über die Auslandskontakte der Hitlergegner herausgefunden hatten.

Der Widerstand, so konnte Hitler darin lesen, war schon aktiv geworden, als er, allem Völkerrecht zuwider, 1938 im Sudetenland einmarschiert war. Generaloberst Ludwig Beck trat daraufhin als Generalstabschef des Heeres zurück, als der „Führer“ weiter zum Krieg und zur „Zerschlagung der Resttschechei“ drängte. Er hätte sich einen geschlossenen Rücktritt der Generalität gewünscht. Stattdessen planten Generalmajor Hans Oster und Admiral Wilhelm Canaris, Leiter des Abwehramtes, einen Umsturz. Doch als England und Frankreich den deutschen Ansprüchen nachgaben und das Münchener Abkommen unterzeichneten, legten sie den Plan vorerst auf Eis.

Statt der erwarteten Zuspitzung der Lage war es zu einer innenpolitischen Stärkung Hitlers gekommen. Erst die Kriegserklärung der Westmächte nach Hitlers Überfall auf Polen erschien ihnen als nächste Gelegenheit, einen Regimewechsel vorzubereiten. Doch dazu galt es, auf möglichst dezente Weise mit den Kriegsgegnern in Kontakt zu treten. So kam es zu einer Konstellation, die einmalig in der Geschichte war. Wie es im Kaltenbrunner-Bericht heißt:

„Canaris und Oster unterhielten Verbindungen zum Papst durch den in der Abwehr eingebauten früheren Münchener Rechtsanwalt Dr. Joseph Müller. Müller war durch Vermittlung eines Domkapitulars Neuhäusler aus München bei dem damaligen Kardinalstaatssekretär Pacelli eingeführt und von diesem in der Krypta von St. Peter getraut worden. Er hatte, wie er sagt, hierdurch in vatikanischen Kreisen ein gewisses Ansehen erlangt, da dieser Vorgang eine ziemliche Ausnahme darstellte. Müller war dann mit Pacelli durch mehrfaches Zusammentreffen in ein gewisses persönliches Verhältnis gekommen, das auch zu politischen Gesprächen geführt hatte. Pacelli hat sich ihm gegenüber immer besonders zugänglich gezeigt.

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Müller nahm dann, insbesondere während des Krieges, und zwar bereits im Herbst 1939, eine enge Verbindung zum Jesuitenpater Leiber, dem Privatsekretär des Papstes auf. Von Leiber erhielt er eine Reihe von Informationen über die Einstellung des Papstes und der Feindmächte. Er führte mit ihm auch Gespräche über eventuelle Friedensmöglichkeiten, wobei ihm Leiber zu verstehen gab, dass die Voraussetzung für einen Friedensschluss ein Regimewechsel in Deutschland sei. (Hervorhebung im Original). Über Leiber hatte Müller Verbindungen zu englischen und amerikanischen Kreisen, insbesondere über den Amerikaner Taylor, der 1939 dem Vatikan einen Besuch abstattete, über den amerikanischen Bischof im Vatikan, zu England über den englischen Gesandten im Vatikan Osborne, zu dem durch Mittelsleute eine Verbindung hergestellt wurde.“

Schließlich beteiligte sich Papst Pius XII. an einer Verschwörung, die das Ziel hatte, Hitler zu stürzen!

Diese erstaunliche historische Tatsache ist bestens dokumentiert. Sie wurde durch niemand geringeren als Dr. Josef Müller selbst bestätigt, der nach dem 2. Weltkrieg zum Mitbegründer der CSU (Christlich-Sozialen Union) wurde. In Bayern war er zeitlebens als „der Ochsensepp“ bekannt. Der Sohn eines fränkischen Bauern hütete als Junge die Ochsen seines Vaters, bevor er nach München ging und sich in der Weimarer Republik zum Rechtsanwalt hocharbeitete. 1979 verstorben, hat er nicht nur seine Autobiografie („Bis zur letzten Konsequenz“, 1967) verfasst. Er sagte auch unter Eid im Seligsprechungsprozess für Papst Pius XII. aus, dessen Akten ich bei den Recherchen für mein Buch „Der Papst, der Hitler trotzte“ einsehen konnte. Dokumente aus dem Londoner Foreign Office belegen jedes Detail seiner „römischen Gespräche“.

Doch begonnen hatte alles mit einem anderen Münchener, Dr. Wilhelm Schmidhuber, dem Honorarkonsul Portugals. Er war gerade zu einer Reserveübung eingezogen, als die allgemeine Mobilmachung befohlen wurde. Der Konsul sollte als Lageoffizier bei General Sperrle in Nürnberg dienen. Doch dem jovialen Lebemann, der ebenso Kosmopolit wie gläubiger Katholik war, gefiel die Aussicht auf das Soldatenleben gar nicht. So ließ er seine Beziehungen spielen und meldete sich bei einem alten Freund, Oberstleutnant Teschemacher, dem Chef der Abwehrstelle München. Auch Teschemacher war Katholik und kein Freund des Nationalsozialismus. Schmidhuber bot ihm an, sein Konsulat als Verbindungsstelle für Nachrichtenübermittlung zu nutzen, womit er als Konsul unabkömmlich wäre. Teschemacher wollte nur wissen, ob Schmidhuber über Kontakte zum Vatikan verfüge. Der Konsul bejahte. Jetzt wurde er für die Abwehr interessant.

Teschemacher schickte Schmidhuber nach Berlin in die Abwehrzentrale, zu Generalmajor Hans Oster, dem Personalchef und Freund von Canaris, der zugleich der Kopf der Verschwörergruppe war. Wieder nannte er Namen und Position seiner Kontaktleute im Vatikan. Ob der Konsul bereit wäre, im Auftrag der Abwehr nach Rom zu reisen, ließ er anfragen. Schmidhuber bejahte, bat aber um einen Begleiter, der seine eigenen Beziehungen vorzüglich ergänzen könnte. Dieser Mann war Dr. Joseph Müller. In NSDAP-Kreisen galt er als suspekt, hatte er doch als Rechtsanwalt katholische Klöster und Orden gegen die immer häufigeren Übergriffe der Nazis verteidigt. Für Canaris war er deshalb vertrauenswürdig. Er befahl, Müllers Papiere in Ordnung zu bringen, dann flogen die beiden Münchener nach Rom, offiziell um über defätistische Stimmungen in Italien zu berichten. Fortan trat Schmidhuber in den Hintergrund, übernahm der „Ochsensepp“ die Operation.

Müller, selbst streng gläubiger Katholik, verfügte tatsächlich über gute Kontakte zur Kurie. Er hatte in den Grotten von St. Peter geheiratet, sein Trauzeuge war der deutsche Monsignore Schönhöffer, der fortan als Mittelsmann fungierte. Über ihn ließ er anfragen, wie der Vatikan zu einem Frieden mit Deutschland stünde, ehe der Krieg über Polen hinausgreift. Die Antwort lautete, jede Möglichkeit, den Krieg auf Verhandlungsbasis zu beenden, würde begrüßt. Bald kam Müller mit Msgr. Ludwig Kaas in Kontakt, dem früheren Vorsitzenden der „Zentrums“-Partei, der nach der Machtergreifung der Nazis nach Rom geflüchtet war. Er war ein persönlicher Freund des Papstes noch aus der Zeit, als dieser in Deutschland als Apostolischer Nuntius tätig gewesen war. Kaas wiederum stellte ihn Pater Leiber vor, dem ebenfalls deutschstämmigen Privatsekretär Pius XII.

Pater Leiber offenbarte Müller zum ersten Mal, dass Männer aus dem Generalstab und der Abwehr einen Militärputsch gegen Hitler planten. Ihre Ziele waren die Rückkehr Deutschlands zur Rechtstaatlichkeit, eine Föderation, der auch Österreich angehören sollte, ein Rückzug aus Polen und der Tschechoslowakei. Chef der Übergangsregierung sollte Generaloberst Ludwig Beck werden. Die Verschwörer wussten, dass der Staatsstreich nicht gewaltlos ablaufen würde, ja das Risiko eines Bürgerkriegs bestand. Bevor sie losschlagen konnten, benötigten sie zumindest die Zusicherung Englands, dass die Westmächte die neue Regierung anerkennen, zum Frieden bereit seien und keinen Vorteil aus der Verwundbarkeit Deutschlands ziehen würden. Der Mann, der ihnen als der ideale Vermittler erschien, war der Papst. Generaloberst Beck vertraute ihm blind, seit er Pacelli als Nuntius in Berlin kennen gelernt hatte. Er sollte die Verbindung zu den Briten herstellen, die Garantien der Regierung Chamberlain besorgen.

Als Pius XII. durch Pater Leiber über die Pläne unterrichtet wurde, erbat er sich eine Nacht Bedenkzeit, dann sagte er zu. Es war die riskanteste Entscheidung seines Pontifikats. Nicht nur der Vatikan-Historiker Robert Graham fragte ratlos: „Wie konnte der Papst bei einer solch gefährlichen Aktion mitmachen?“ Selbst für Pater Leiber war es unbegreiflich; seiner Meinung nach sei Pius XII. dabei „viel zu weit gegangen“.

Tatsächlich wären die Folgen fürchterlich gewesen, hätte Hitler zu diesem Zeitpunkt von dem Plan der Verschwörer und der Beteiligung des Papstes erfahren. Das Konkordat wäre aufgekündigt, die katholische Hierarchie an die Wand gestellt worden. Gleichzeitig hätte Mussolini das Verhalten des Papstes als Bruch der in den Lateranverträgen vereinbarten Neutralität gewertet. Sogar mit einer Besetzung des Vatikans durch die Faschisten war zu rechnen. Doch Pius XII. setzte jetzt alles auf eine Karte, da er keinen anderen Weg zum Frieden mehr sah.

Am 6. November 1939 wurde Müller mitgeteilt, der Papst sei bereit, „zu tun, was er konnte“. Es war seine eigene, eine einsame Entscheidung; nicht einmal das Staatssekretariat wurde in die Pläne eingeweiht.

Drei Wochen später traf sich Kaas mit dem britischen Vatikanbotschafter Francis d´Arcy Osborne und weihte ihn in die Pläne ein. Am 12. Januar 1940 empfing ihn Pius XII. in Privataudienz. Vier Wochen später traf man sich heimlich, unter Umgehung des Protokolls. Die nächsten Wochen ging es zwischen Berlin, dem Vatikan und London hin und her. Der deutsche Widerstand wollte die Bedingungen erfahren, unter denen Großbritannien zu einem Frieden bereit wäre. Die Antwort war sehr präzise: wenn es gelänge, die Regierung Hitlers noch vor Beginn einer Westoffensive zu stürzen. Dazu sei man in der Lage, vorausgesetzt, dass die britischen Friedensbedingungen annehmbar sind, hieß es aus Berlin.

Müller übermittelte die Bedingungen, der Widerstand fand sie akzeptabel. Doch nichts geschah. Weder kam es zum Staatsstreich noch zur Westoffensive. War die deutsche Resistance etwa nur eine Erfindung der Nazis, um die Verteidigungsbereitschaft der Briten zu lähmen? London wollte die Namen der Verschwörer, Pius XII. hatte versprochen, sie nicht zu nennen, und so ließ er nur durchblicken, dass „ein deutscher General“ beteiligt sei. Tatsächlich hatten die Männer des Widerstandes ihre eigenen Möglichkeiten überschätzt. Pius XII. war verärgert, fühlte sich bloßgestellt. Die Briten verloren jedes Vertrauen in ihre Verhandlungspartner. Müller reiste nach München, Schmidhuber wurde aktiv.

Er unternahm einen letzten Versuch, das Vertrauen der Alliierten zurückzugewinnen. Die Abwehr hatte den Zeitpunkt für den geplanten Einmarsch in Holland und Belgien in Erfahrung gebracht: 10. Mai 1940, 4.00 Uhr. Umgehend warnte der Vatikan die neutralen Staaten. Doch nach Rücksprache mit London entschied Brüssel, dass von den Mitteilungen aus den Reihen der deutschen Opposition nichts zu halten sei; schon öfter hätten sich deren Informationen als unzuverlässig erwiesen. So wurden die Benelux-Staaten von den Deutschen überrascht, obwohl sie aus dem Vatikan vorgewarnt worden waren.

Noch am selben Tag, an dem sich die Geheiminformation als wahr erwies, musste sich der deutsche Widerstand seine Chancenlosigkeit eingestehen. Zu euphorisch war die Stimmung im Reich, zu laut der Jubel für Hitler, der von der Nazi-Propaganda als „Korrektor des Diktats von Versailles“ gefeiert wurde, um jetzt etwas zu riskieren. In London dagegen regierte fortan unter Winston Churchill ein Kriegskabinett, das auf alle deutschen Friedenssondierungen mit Stillschweigen reagierte. Erst vier Jahre später, nach der Landung der Alliierten in der Normandie, sah die Widerstandsgruppe wieder eine Chance für einen Umsturz. Jetzt hatten sich dem selben Kreis, der 1939 mit dem Papst kollaboriert hatte, die Männer des 20. Juli 1944 hinzugesellt, an erster Stelle Henning von Tresckow und Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Noch einmal wurde der „Ochsensepp“ aktiv. Im Februar 1943 reiste er erneut, diesmal im Auftrag von Generaloberst Beck, nach Rom, um Pius XII. von dem „unmittelbar bevorstehenden Umsturz in Deutschland zu unterrichten“ und ihn zu bitten, erneut einen für das deutsche Volk tragbaren Frieden anzustreben. Als die beiden Attentatsversuche von Treschows misslangen, wurde Müller im April 1943 inhaftiert, General Oster und Admiral Canaris unter Hausarrest gestellt. Kurz vor dem 20. Juli 1944 erhielt er in der Haft die Nachricht, er solle sich darauf vorbereiten, bald freigelassen zu werden; er müsse dann als Vertreter der Putschisten nach Rom reisen, um mit Hilfe des Papstes einen Friedensschluss auszuhandeln. Doch auch die „Operation Walküre“ scheiterte, das Schicksal ihrer Protagonisten ist leider bekannt.

Nur Josef Müller, der „Ochsensepp“, überlebte wie durch ein Wunder, obwohl er nach dem Attentat zunächst in das KZ Buchenwald, dann nach Dachau gebracht wurde. Da er sich am 20. Juli bereits in Haft befunden hatte, konnte ihm keine Beteiligung an der Verschwörung nachgewiesen werden.

Auch wenn der Plan der Widerständler gescheitert war, verrät dieser geradezu tollkühne Akt des Papstes, den Harold Deutsch als „eines der erstaunlichsten Ereignisse in der modernen Geschichte des Papsttums“ bezeichnet, viel über seinen Charakter. Er war alles andere als der Feigling, als den ihn Rolf Hochhuth in seinem Drama „Der Stellvertreter“ darzustellen versuchte. Er war auch nicht der unsichere Zögerer, zu dem ihn Klaus Kühlwein in „Warum der Papst schwieg“ erklärte. Vielmehr triff zu, was der Historiker Erich Kosthorst so deutlich formulierte: „Wenn der Papst naheliegende starke Bedenken beiseite schob und durch das Gewicht seiner Autorität der deutschen Opposition damals eine Legitimation gab, wie sie besser nicht möglich war, dann war das eine staatsmännische Tat hohen Ranges. Sie verliert auch dadurch keine Bedeutung, dass sie den Frieden, dem sie dienen wollte, nicht erreichte.“

Auch die Männer des 20. Juli verlieren nichts an ihrer Größe und ihrem Heldenmut dadurch, dass sie letztendlich so kläglich scheiterten.

Doch darüber hinaus liefert die geheime Verbindung des Papstes zum deutschen Widerstand auch eine plausible Erklärung für sein so häufig kritisiertes „Schweigen“, den Deckmantel scheinbarer Neutralität, den Pius XII. bis zum Kriegsende aufrecht erhielt.

2004 erschien in den USA ein bemerkenswertes Buch, das bei deutschen Historikern leider viel zu wenig Beachtung fand. „Inside the Vatican of Pius XII.“ ist der Titel der Memoiren des amerikanischen Diplomaten Harold H. Tittmann jr., der als US-Diplomat im 2. Weltkrieg im Vatikan Zuflucht fand und den Kontakt zwischen der US-Regierung und dem Heiligen Stuhl aufrecht erhielt. Am 2. Juni 1945, nach einer Ansprache des Papstes, begegnete Tittmann eher zufällig dem zwischenzeitlich aus der KZ-Haft befreiten „Ochsensepp“, der gleich nach Kriegsende nach Rom gereist war. Es folgte ein ausführliches Gespräch, dessen Inhalt Tittmann zwei Tage später in einem Memorandum wie folgt zusammenfasste:

„Dr. Müller meinte, dass seine Widerstandsgruppe während des Krieges immer sehr darauf bedacht war, dass sich der Papst jeder öffentlichen Stellungnahme enthält, in der die Nazis beim Namen genannt und verurteilt würden und stattdessen empfohlen hatte, dass sich die Bemerkungen des Papstes auf allgemeine Äußerungen beschränken. Dr. Müller sagte weiter, er sei verpflichtet gewesen, diesen Rat weiterzugeben, denn wenn der Papst konkret geworden wäre, hätten die Deutschen ihn beschuldigt, das Sprachrohr der Fremdmächte zu sein. Dadurch wären die Katholiken in Deutschland noch stärker verdächtigt und in ihren Möglichkeiten beschränkt worden, den Nazis Widerstand zu leisten, als sie es ohnehin schon waren ... Dr. Müller erklärte, der Papst habe diesen Rat den ganzen Krieg über befolgt.“

Dass er Pius XII. gegenüber diesen Standpunkt vertreten hatte, bestätigte Müller auch in seinen Memoiren: „Immer wieder hatte ich in Rom zum Ausdruck gebracht, es müsse oberstes Gebot sein, die Nazis nicht durch einen unbedachten Schritt zu reizen ... nachdrücklich wies ich immer wieder darauf hin, dass man den Nazis keine billigen Gründe zum Zuschlagen liefern dürfe.“

Der Papst war also bereit, nach den Spielregeln der Verschwörer zu spielen, mit denen ihn die dringende Hoffnung verband, die braune Bestie und mit ihr den millionenfachen Mord an Unschuldigen zu stoppen. Damit erklärte er selbst seine scheinbare Neutralität zur Farce. „Die römischen Gespräche können als sicherer Beweis dafür gelten, dass der Papst nichts sehnlicher wünschte als ein von Hitler und Nazismus befreites Deutschland. Anders ist sein mutiges Eintreten für die deutsche Militäropposition nicht zu deuten“, resümierte Müller. Pius XII. riskierte eben so viel und noch mehr, er zeigte damit die selbe Zivilcourage wie die Hauptakteure der Verschwörung, von denen die meisten ihren Heldenmut mit dem Leben bezahlten.

Michael Hesemann ist Historiker und Autor diverser Bücher zur Kirchengeschichte. Im letzten Jahr erschien seine Pius XII.-Biografie „Der Papst, der Hitler trotzte“ im Augsburger St. Ulrich Verlag. Er recherchierte u.a. in den Akten der Seligsprechungskommission und im Geheimarchiv des Vatikans.







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