Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die Skandalchristmette im SWR verstört und verärgert
  2. "'Potestas sacra' für Laien: worum es letztlich geht"
  3. SWR-Skandalchristmette - Zuständig ist die Diözese Rottenburg-Stuttgart!
  4. Kard. Woelki: „Bin überzeugt, dass ‚Evangelisierung‘ das zentrale Thema von Leos Pontifikats wird“
  5. THESE: "Die Theologie der letzten Jahrzehnte hat versagt!"
  6. Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.
  7. „Nicht nur Israels Kampf… es ist der Kampf unserer gemeinsamen jüdisch-christlichen Zivilisation“
  8. 2025 wurden 46 römisch-katholische Kirchen und Kapellen in Deutschland profaniert
  9. Direkt nach dem Jahreswechsel brannte die Amsterdamer Vondelkirche lichterloh
  10. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  11. Eine Nonne, die Vampirbücher schreibt
  12. Schweiz: Bischöfe beten für Opfer der Brandkatastrophe in Skiort
  13. Streit um Papstkreuz im Wiener Donaupark
  14. Zeitliche und ewige Zukunft
  15. Papst trauert um Opfer der Brandkatastrophe in der Schweiz

Der private Reformstau

6. März 2013 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Brauchen wir eine zeitgemäßere Kirche mit der Fähigkeit, die kleinen, schnellen Gerichtsverfahren unserer mündigen Zeitgenossen besser zu überstehen? Ein Gastkommentar von Giuseppe Gracia


Chur (kath.net) Da der Stuhl Petri jetzt leer ist und der neue Papst noch fehlt, werden viele Erwartungen wach. Diese kreisen meist um die Frage, wie man die katholische Kirche zeitgemässer machen kann. Damit sie sich besser ins Konzert der restlichen Gesellschaft einfügt. Damit sie die Fähigkeit erlangt, die kleinen, schnellen Gerichtsverfahren unserer mündigen Zeitgenossen besser zu überstehen.

Ich habe keine solchen Erwartungen an den Papst und gehe davon aus, dass ich für ein gelungenes Christsein von der Kirche nichts fordern muss. Ich denke zum Beispiel an die Selige Mutter Teresa, die vor über 20 Jahren einem Journalisten auf die Frage, was sich in der Kirche ändern müsse, geantwortet hat: „Sie und ich.“

Das beeindruckt mich. Genau wie eine andere Sache. Während der Messe pflegen wir zu beten: „Herr, schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche.“ Heute scheint man dabei eher zu denken: „Herr, schau nicht auf die Sünden deiner Kirche, sondern auf meinen Glauben.“

So wäre es konsequent, wirklich einmal in sich reinzuleuchten und etwa zu fragen, wo sich denn der eigene, seelisch-spirituelle Reformstau befindet? Wie kann ich mich als Christ verbessern? Was rät mir dazu der katholische Glaube? Soll ich überhaupt darauf hören? Wenn ich den zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. als Bespiel nehme: was hat er gesagt, um mir zu helfen? Als Theologe war er davon überzeugt, dass Vernunft (denkerisch, wissenschaftlich) und Glaube (Anbindung an den liebenden Gott) zusammengehören. Dass eine Vernunft ohne Glaube herzlos, seelenlos wird und ein Glaube ohne Vernunft blind, fanatisch. Darüber lässt sich gewiss nachdenken, diskutieren, streiten.


Aber was ist mit anderen Themen, etwa mit dem Wunsch nach mehr Autonomie und Selbstverwircklichung? Lohnt es sich, hier auf die Kirche zu hören? Eine Autonomie als Selbstzweck lehnt die Kirche allem Anschein nach ab: weil das nicht gottgemäss sein soll und damit auch nicht glücklich machen kann. Ebenso ist eine direkte Selbstverwirklichung nach katholischer Leseart kein gutes Ziel, frei nach Jesus Christus: es wird sich jener Mensch verlieren, der sich gewinnen will, und sich umgekehrt jener gewinnen, der sich in liebender Hingabe verliert. Wäre das nicht ein Ansatzpunkt für persönliche Reformgedanken?

Und was ist mit dem unverzichtbaren Thema Sex? Gerade hier erwartet man von der Kirche, dass sie sich zuerst um ihre veraltete Moral und ihre Missbrauchs-Priester kümmert, bevor sie der Moderne etwas beibringen will. Kann es aber trotzdem sein, dass unsere zeitgemäße Vorstellung von Sex fragwürdig ist? Sex als freier Genuss, als befreiender Selbstkonsum?

Jedenfalls wundere ich mich, wie es möglich war, dass man den Frauen Pille und Abtreibung jemals als Befreiung verkaufen konnte und weiterhin verkauft (nicht zuletzt im Interesse einer entsprechenden Milliardenindustrie). Es ist nämlich gerade die Frau, die ihren Körper seit Jahrzehnten mit Chemie bombardiert, um den angeblich für beide Geschlechter gleich grossen Spass nicht bremsen zu müssen, oder am Ende dazustehen mit einer ungewollten Schwangerschaft. Es ist die Frau, die das Leben eines Ungeborenen vernichten muss, wenn man doch einmal übers Ziel hinausschiesst. Es ist weiterhin meist die Frau, deren Körper kommerzialisiert und als Lustobjekt ausgestellt wird, seit der Trieb als eigenständige Grösse salonfähig gemacht wurde, unabhängig von Liebe und Sehnsucht nach Familie. Und es sind Männer, die am meisten von dieser Entwicklung profitieren. Zugegeben, Film und Fernsehen (mit zu 90% von Männern geschriebenen Drehbüchern) präsentieren gern ebenso befreite, sexhungrige Frauen. In der Realität wollen die Frauen aber meist mehr. Sie suchen die Treue echter Liebe und die Offenheit für Kinder. Und was sagt die katholische Sexualmoral dazu? Jedenfalls ist sie gegen Chemie, wie man weiss. Keine künstlichen, den Naturzusammenhang verfälschenden oder vergiftenden Zusätze. Könnte diese Haltung nicht auch ein Schutz für Frauen und ihre Würde sein?

Zumindest die Erinnerung an eine vergessene, ganzheitliche Vision von Liebe und Sex? Das Plädoyer für einen grünen Weg der Lust, mit natürlicher Empfängnisverhütung? Kann es sein, dass die Kirche eine Art Greenpeace der Sexualität bietet, die sich zu entdecken lohnt?

Jedenfalls werde ich weiterhin über solche Fragen nachdenken, über persönliche, innere Reformen. Dabei freue ich mich über jeden Austausch mit interessierten Menschen. Gerade jetzt, während der Fastenzeit. Gerade dieses Jahr: die Fastenzeit 2013 fällt in die Wochen zwischen dem Konklave in Rom und der Wahl eines neuen Papstes. Ich bin gespannt, wer es sein wird.

Inzwischen denke ich weiter an Mutter Teresa, die mir zeigt, was sich ändern muss. Eine wahre Selige.

Giuseppe Gracia ist Schriftsteller und in einem Teilzeitpensum Medienbeauftragter von Bischof Vitus Huonder in Chur



Foto: © vatican.va/kath.net


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kirche

  1. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  2. "'Potestas sacra' für Laien: worum es letztlich geht"
  3. Meinungsfreiheit auf katholisch
  4. Die Jugend von heute, die neue Generation Alpha, „sucht Sinn, Rituale und Spiritualität“
  5. US-Erzbischof gibt Anweisung, politische Botschaft an Weihnachtskrippe sofort zu entfernen
  6. Wer MEHR will, soll MEHR bekommen
  7. "Die Christen und Lebensschützer trauern um Martin Lohmann"
  8. "Die Katholische Kirche schwimmt mit dem Zeitgeist, sie ist parteipolitisch nach links gekippt!"
  9. Glaube ohne Feuer: Wie die Kirche Angst vor der eigenen Botschaft bekommt
  10. Bischof Strickland warnt vor ‚Crescendo der Apostasie’ in der Kirche






Top-15

meist-gelesen

  1. Weihnachtsspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre HILFE!
  2. ISLAND-REISE - SOMMER 2026 - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  3. Die Skandalchristmette im SWR verstört und verärgert
  4. "'Potestas sacra' für Laien: worum es letztlich geht"
  5. SWR-Skandalchristmette - Zuständig ist die Diözese Rottenburg-Stuttgart!
  6. Kard. Woelki: „Bin überzeugt, dass ‚Evangelisierung‘ das zentrale Thema von Leos Pontifikats wird“
  7. Wie Johannes vom Kreuz mit nervigen Menschen umging
  8. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  9. Ermittlungen im Fall Orlandi offenbar an einem Wendepunkt
  10. Die Lügen der österreichischen SPÖ-Frauen-Ministerin
  11. Eine Nonne, die Vampirbücher schreibt
  12. „Wenn wir mit Papst Benedikt XVI. diesen tiefen Ernst unserer Taufe realisieren…“
  13. United Airlines einigt sich mit entlassenem Mitarbeiter, der LGBT-Ideologie kritisiert hat
  14. THESE: "Die Theologie der letzten Jahrzehnte hat versagt!"
  15. Ein Frühstück für den Verleugner

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz