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Bergoglio hatte im Vorkonklave eine programmatische Rede gehalten

27. März 2013 in Chronik, keine Lesermeinung
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Beeindruckendes Redemanuskript veröffentlicht - Wenn Kirche ihre geschützten Räume nicht verlässt, droht "theologischer Narzissmus" -UPDATE: Foto des Redemanuskripts


Rom-Madrid (kath.net/KAP) Wenige Tage vor seiner Wahl zum Papst hat Kardinal Jorge Mario Bergoglio vor dem Kardinalskollegium in Rom zu einer radikalen Neuorientierung der Kirche aufgerufen. Dies geht aus einem Redemanuskript Bergoglios hervor, das der Kardinal von Havanna, Jaime Lucas Ortega y Alamino, am Dienstag (Ortszeit) mit Genehmigung des Papstes veröffentlichte. Die Rede hatte dem Vernehmen nach für höchstes Aufsehen unter den etwa 150 Kardinälen des Vorkonklaves gesorgt. Beobachter meinen, dass die Rede den Ausschlag dafür gab, dass schon im ersten Wahlgang viele Stimmen auf Bergoglio entfielen.

Die Madrider Zeitung "ABC" brachte in ihrer Mittwochausgabe ein Faksimile des handschriftlichen Manuskripts. Es stellt eine Zusammenfassung dar, um die Kardinal Ortega seinen lateinamerikanischen Hirtenkollegen gebeten hatte. Er lieferte ihm handschriftlich zwei Seiten.


Der Text beginnt mit der These, dass die Verkündigung des Evangeliums dereigentliche Daseinszweck der Kirche sei. Daher sei sie aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und sich an die Grenzen der menschlichen Existenz vorzuwagen.

Hart urteilt Bergoglio in seiner Rede über Formen der klerikalen Eitelkeit und über die Beschäftigung der Kirche mit sich selbst. Er erklärte, wenn die Kirche nicht zu den Menschen hinausgehe, um ihnen das Evangelium zu verkünden, verfalle sie in eine Nabelbeschau ("Autoreferencialidad"), einem "theologischen Narzissmus". Sie täusche dann nur noch vor, dass Jesus Christus in ihr sei. In Wahrheit aber entferne sie sich von ihm.

Vielmehr müsse die Kirche aus ihren geschützten Räumen hinausgehen. Sie müsse "an die Peripherie" gehen, um dort durch Taten und Worte zu evangelisieren, so der Papst.

Letztlich gebe es nur zwei Kirchenbilder, betonte Bergoglio am Ende seiner Rede: die Kirche, die Gottes Wort hört und es treu verkündet, und eine "verweltlichte Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt". In diesem Licht müsse man "mögliche Veränderungen und Reformen sehen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen".

Link: Die Notizen der Rede im Wortlaut

Foto des Redemanuskripts von Kardinal Bergoglio


Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


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