18 Mai 2013, 15:00
Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen!
 
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Franziskus-Perle des Tages: Vom Teufel gewolltes destruktives Geschwätz in der Kirche, Falschinformation, Diffamation und Verleumdung sind Sünde. Der Tweet des Tages. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Der Christ muss die Versuchung überwinden, sich in das Leben der anderen einzumischen. Mit dieser Mahnung wandte sich Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Samstag der siebten Osterwoche an die versammelte Gemeinde. Der Papst betonte, dass Geschwätz und Neidereien der christlichen Gemeinde großen Schaden zufügen.

Am Gottesdienst nahm eine Gruppe von Studenten der Päpstlichen Lateranunversität in Begleitung des Rektors, Erzbischof Enrico Dal Covolo, teil. Anwesend waren auch die Verantwortlichen der Bewegung des Neokatechumenalen Wegs, Kiko Argüello, Carmen Hernández und Mario Pezzi, sowie Roberto Fontolan und Emilia Guarnieri der Bewegung „Comunione e Liberazione“ („Gemeinschaft und Befreiung“).

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„Was geht das dich an?“ Franziskus ging in seinen Betrachtungen von der Frage aus, die Jesus an Petrus richtete, als sich dieser in das Leben eines anderen eingemischt hatte: in das Leben des Jüngers Johannes, „den Jesus liebte“(vgl. Joh 21,20-25). Petrus habe zuerst einen Dialog der Liebe mit dem Herrn geführt, doch dann „ist der Dialog auf eine andere Ebene abgeglitten“, und auch er erleide eine Versuchung: die Versuchung, sich in das Leben der anderen einzumischen. Wie man umgangssprachlich sage, stecke Petrus seine Nase in die Angelegenheiten des Anderen.

Der Papst stellte fest, dass es zwei Arten gebe, wie man sich in das Leben der anderen einmische. Vor allem könne das „Vergleichen“ festgestellt werden, das sich mit anderen Vergleichen: „Wenn es zu diesem Vergleichen kommt, enden wir in der Bitterkeit und auch im Neid, doch der Neid zerfrisst die christliche Gemeinde, er schadet ihr sehr, und der Teufel will dies“.

Die zweite Art der Versuchung bestehe im Geschwätz. Es fange gern „auf so wohlerzogene Weise“ an, doch man ende dann dabei, „dem Nächsten die Haut abzuziehen“. „Wie viel Geschwätz gibt es doch in der Kirche!“, so Franziskus: „Wie viel schwätzen wir Christen doch! Die Schwätzerei – das ist doch, als ziehe man sich gegenseitig die Haut ab, nicht? Ein gegenseitiges sich Wehtun. Es ist, als wolle man den Anderen herabmindern: statt dass ich wachse, lasse ich den Anderen kleiner werden und fühle mich groß. Das geht nicht! Zu schwätzen – das scheint schön zu sein... Ich weiß nicht warum, aber es scheint schön zu sein. Wie Honigbonbons, nicht wahr? Zuerst nimmst du eines, dann ein anderes, und dann noch eines, und am Schluss bekommst du Bauchweh. Und warum? Das Geschwätz ist genauso, nicht? Es ist süß am Anfang und ruiniert dich dann, es ruiniert dir die Seele! Das Geschwätz ist destruktiv in der Kirche, es ist destruktiv... Es entspricht ein wenig dem Geist des Kain: den Bruder umbringen, mit der Zunge; den Bruder umbringen!“ Auf diesem Weg „werden wir Christen mit guten Manieren und schlechten Gewohnheiten“.

Der Papst fragte sich dann, wie sich das Geschwätz präsentiere: „Normalerweise tun wir drei Dinge: wir betreiben Fehlinformation und sagen nur die Hälfte, die uns passt, und verschweigen die andere. Die andere Hälfte sagen wir nicht, weil es für uns unbequem ist“.

In einer zweiten Weise präsentiere sich das Geschwätz in der Form der Diffamierung: „Wenn ein Mensch wirklich einen Mangel hat, etwas Schlimmes angestellt hat, dann wird das erzählt, und man ‚macht den Journalisten’.... Und der gute Ruf dieser Person ist ruiniert. Und die dritte Art des Geschwätzes besteht in der Verleumdung: Dinge sagen, die nicht wahr sind. Das bedeutet im wahrsten Sinn des Wortes, den Bruder umzubringen! Alle drei – Fehlinformation, Diffamierung und Verleumdung – sind Sünde! Das ist Sünde! Das bedeutet, Jesus in der Person seiner Kinder, seiner Brüder zu ohrfeigen!“.

Aus diesem Grund handle Jesus mit uns wie mit Petrus, wenn er ihn tadelt: „Was geht das dich an? Du folge mir nach!“. So weise der Herr den Weg: „Das Geschwätz wird dir nicht gut tun, weil es dich zur zu diesem Geist der Zerstörung in der Kirche führen wird. ‚Folge mir nach!’: dieses Wort Jesu ist schön, es ist so klar, so liebevoll mit uns. Es ist, als sage er: ‚Bildet euch ja nicht ein, dass das Heil darin liegt, sich mit den anderen zu vergleichen, oder im Geschwätz. Das Heil liegt darin, mir nachzufolgen’. Jesus nachfolgen! Wir wollen heute Jesus, den Herrn, bitten, dass er uns diese Gnade gebe, uns nie in das Leben der anderen einzumischen, nie Christen mit guten Manieren und schlechten Gewohnheiten zu werden, Jesus nachzufolgen, hinter Jesus zu gehen, auf seiner Straße. Und das genügt!“.

Der Papst rief auch eine Episode aus dem Leben der heiligen Therese von Lisieux in Erinnerung, die sich gefragt habe, warum Jesus dem einen Menschen viel gebe und wenig einem anderen. So habe die ältere Schwester einen Fingerhut und ein Glas genommen, beide mit Wasser gefüllt und dann Therese gefragt, welches von den beiden Gefäßen voller sei. „Aber beide sind doch voll“, habe die künftige Heilige geantwortet. Jesus „handelt so mit uns“, betonte Franziskus: „Es interessiert ihn nicht, ob du groß oder klein bist. Ihn interessiert, ob du von Liebe zu Jesus erfüllt bist“.


Der Tweet des Tages:

Es lohnt sich, von Maria zu lernen: sie war vollkommen bereit, Christus in ihr Leben aufzunehmen.

Perdiscere a Maria est opus – animum repetere ipsius usquequaque promptum propriam Christum ad excipiendum in vitam.

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