25 Oktober 2013, 13:00
Das Sakrament der Versöhnung und der Kampf des Christen
 
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Franziskus-Perle des Tages: Die Wirklichkeit der versklavenden Sünde und die Gnade der Scham. Beichten heißt nicht, zu einer Sitzung beim Psychiater oder in die Folterkammer gehen. Beichten geht nicht per Email. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Mut haben vor dem Beichtvater und die Sünden bei ihrem Namen benennen, ohne sie zu verstecken: Papst Franziskus konzentrierte seine heutige Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ ganz auf das Sakrament der Versöhnung. Beichten heißt für den Papst, aufrechten Herzens und transparent wie Kinder der Liebe Jesu entgegenzugehen und dabei die „Gnade der Scham“ nicht abzuweisen, sondern sie anzunehmen. Die Scham lasse die Vergebung Gottes wahrnehmen.

Für viele erwachsene Gläubige stelle die Beichte vor einem Priester eine unerträgliche Anstrengung dar, was häufig dazu führe, das Sakrament zu meiden. Oder es werde zu einer derartigen Last, dass dann die Beichte von einem Moment der Wahrheit zu einer Übung der Verstellung werde. Im Römerbrief (Röm 7,18-25a) tue der heilige Paulus genau das Gegenteil: er gebe öffentlich vor der Gemeinde zu, dass „in seinem Fleisch nichts Gutes wohnt“. Er erkläre, dass er ein Sklave sei, der nicht das Gute tue, das er wolle, sondern das Böse, das er nicht wolle. Dies geschehe im Glaubensleben, so der Papst, so dass es dazu käme, dass, wenn ich das Gute wolle, das Böse neben mir stehe:

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„Und das ist der Kampf der Christen. Das ist unser Kampf aller Tage. Und wir haben nicht immer den Mut, wie Paulus über diesen Kampf zu sprechen. Immer suchen wir einen Weg der Rechtfertigung: ‚Aber ja doch, wir alle sind Sünder’. So reden wir, nicht wahr? Das bringt es auf dramatische Weise zum Ausdruck: das ist unser Kampf. Und wenn wir das nicht anerkennen, werden wir nie die Vergebung Gottes haben können. Denn wenn das Sündersein nur ein Wort ist, eine Redensart, eine Weise des Sprechens, dann brauchen wir die Vergebung Gottes nicht. Wenn es aber eine Wirklichkeit ist, die uns zu Sklaven macht, bedürfen wir dieser inneren Befreiung durch den Herrn, dieser Kraft. Doch wichtiger ist hier: um einen Ausweg zu finden, bekennt Paulus seine Sünde, seine Tendenz zur Sünde, vor der Gemeinde. Er verbirgt sie nicht“.

Das demütige Bekenntnis der Sünden sei das, was die Kirche von allen fordere, so Franziskus, der den heiligen Jakobus zitierte: „Bekennt einander eure Sünden!“ (vgl. Jak 5,16). Doch dabei gehe es nicht darum, für sich öffentlichkeitswirksam zu sein, sondern Gott die Ehre zu erweisen und anzuerkennen, „dass er es ist, der mich rettet“. Deshalb gehe man beim Bruder beichten, beim „Bruder Priester“, um sich wie Paulus zu verhalten, vor allem mit derselben Konkretheit:

„Einige sagen: ‚Ach, ich beichte bei Gott’. Doch das ist leicht, es ist, als beichte man per Email, nicht? Gott ist da draußen, fern, ich sage die Dinge und es gibt kein von Angesicht zu Angesicht, keinen Kontakt unter vier Augen. Paulus bekennt seine Schwäche den Brüdern und Schwestern von Angesicht zu Angesicht. Andere sagen: ‚Nein, ich gehe zur Beichte’, aber sie beichten dann so Ätherisches, so Luftig-Flüchtiges, dass ihnen das Konkrete fehlt. Und es ist, als beichteten sie nicht. Unsere Sünden bekennen heißt nicht, zu einer Sitzung beim Psychiater zu gehen, und auch nicht, in die Folterkammer hineinzusteigen. Es heißt, dem Herrn zu sagen: ‚Ich bin ein Sünder’, doch durch den Bruder, damit dieses Sagen auch konkret ist. ‚Und ich bin deswegen und deswegen und deswegen ein Sünder’“.

Konkretheit, Ehrlichkeit und auch die aufrichtige Fähigkeit, sich seiner Fehler zu schämen: „Es gibt keine im Schatten liegenden Gassen als Alternative zur offenen Straße, die zur Vergebung Gottes führt, dazu, im Tiefsten des Herzens seine Vergebung und seine Liebe wahrzunehmen“. Der Papst lud dazu ein, dabei die Kinder nachzuahmen:

„Die Kleinen besitzen jene Weisheit: wenn ein Kind zur Beichte kommt, sagt es nie etwas Allgemeines. ‚Pater, ich habe das und das meiner Tante angetan, dem anderen habe ich das und das gesagt’. Sie sind konkret, nicht? Sie besitzen die Einfachheit der Wahrheit. Und wir haben immer die Neigung, die Wirklichkeit unseres Elends zu verstecken. Aber da ist etwas Schönes: wenn wir in Gegenwart Gottes unsere Sünden bekennen, wie sie sind, spüren wir immer jene Gnade der Scham. Sich vor Gott schämen ist eine Gnade. Es ist eine Gnade: ‚Ich schäme mich’. Denken wir an Petrus, als er nach dem Wunder Jesu am See sagte: ‚Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder’. Er schämte sich seiner Sünde vor der Heiligkeit Jesu Christi“.

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