29 Oktober 2013, 13:00
Christliche Hoffnung ist kein einfacher Optimismus
 
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Franziskus-Perle des Tages: Verankert im Ozean des Jenseits oder in der künstlichen Lagune mit unseren Regeln, mit unserem Verhalten, mit unseren Klerikalismen, mit unserem Kirchengebaren, das nicht kirchlich ist? Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Hoffnung – ist kein bloßer Optimismus, sondern sehnsüchtiges Erwarten des Offenbarwerdens des Sohnes Gottes. Wichtig für den Christen ist es, sich vor jeder Form von Klerikalismus und bequemen Haltungen zu hüten, da die christliche Hoffnung dynamisch ist und Leben schenkt. Dies betonte Papst Franziskus am heutigen Dienstag der 30. Woche im Jahreskreis bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“.

Was ist die Hoffnung für einen Christen? Der Papst ging bei seinen Betrachtungen von der ersten Lesung aus dem Römerbrief aus (Röm 8,18-25): „Wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld“ (V. 24-25). Franziskus unterstrich die einzigartige Dimension der christlichen Hoffnung. Diese sei kein Optimismus. Die Schöpfung „ist der Vergänglichkeit unterworfen“. So lebe der Christ die Spannung zwischen Hoffnung und Knechtschaft. „Die Hoffnung“, so der Papst, „enttäuscht nicht, sie ist sicher“. Dennoch sei es nicht leicht, die Hoffnung zu verstehen. Bisweilen dächten wir, dass Menschen der Hoffnung zu sein bedeute, optimistische Menschen zu sein. Doch dem sei nicht so:

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„Die Hoffnung ist kein Optimismus, sie ist nicht die Fähigkeit, auf die Dinge mit jenem wohlgesinnten Mut zu blicken und voranzugehen. Nein, das ist Optimismus, nicht Hoffnung. Ebenso wenig ist die Hoffnung eine positive Einstellung gegenüber den Dingen. Diese leuchtenden, positiven Menschen... Das ist schon gut, ja? Aber das ist keine Hoffnung. Es ist nicht leicht zu verstehen, was die Hoffnung ist. Man sagt, dass sie die niedrigste der drei Tugenden ist, da sie sich im Leben versteckt. Den Glauben sieht man, spürt man, man weiß, was er ist. Die Liebe tut man, man weiß was sie ist. Aber was ist die Hoffnung? Worin besteht diese Haltung der Hoffnung? Um dem ein wenig näher zu kommen, können wir in einem ersten Moment sagen, dass die Hoffnung ein Risiko ist, eine risikoreiche Tugend, eine Tugend, wie der heilige Paulus sagt, des sehnsüchtigen Wartens auf das Offenbarwerden des Sohnes Gottes. Sie ist keine Illusion“.

Hoffnung haben bedeute gerade das: „sich in der Spannung hin zu diesem Offenbarwerden befinden, hin zu dieser Freude, die unseren Mund mit Lachen erfüllen wird“. Dem heiligen Paulus liege es daran zu betonen, dass die Hoffnung eben kein Optimismus sei, sondern mehr: „sie ist etwas anderes“. Die ersten Christen hätten sie als Anker gemalt: die Hoffnung sei ein Anker gewesen, ein Anker, der fest im Ufer des Jenseits gepflanzt sei. So sei unser Leben ein Gehen hin zu diesem „Anker“:

„Mir kommt die Frage: worin sind wir verankert, ein jeder von uns? Sind wir dort am Ufer jenes so fernen Ozeans verankert oder in einer künstlichen Lagune, die wir uns selbst gemacht haben, mit unseren Regeln, mit unserem Verhalten, mit unseren Stundenplänen, mit unseren Klerikalismen, mit unserem Kirchengebaren, das nicht kirchlich ist, ja? Sind wir dort verankert? Alles bequem, alles sicher, nicht? Das ist keine Hoffnung. Wo mein Herz verankert ist, dort, in dieser künstlichen Lagune, mit einem Verhalten, an dem wirklich nichts auszusetzen ist...“.

Der heilige Paulus verweise dann auf eine weiteres Bild für die Hoffnung: auf das Bild der Geburt. „Wir sind in Erwartung dieser Geburt“, so der Papst, „und die Hoffnung ist in diese Dynamik des Schenkens von Leben“. Doch die Erstlingsgabe des Geistes sehe man nicht. Dennoch wisse man, dass der Heilige Geist in uns arbeite, als sei er ein winziges Senfkorn, „das jedoch in sich voller Leben, voller Kraft ist, das weitergeht, bis es zu einem Baum wird“. Der Geist arbeite wie der Sauerteig (vgl. Lk 13,18-21). So sehe man die Arbeit des Geistes nicht, obwohl sie gegeben sei. Daher müsse um die Gnade der Hoffnung gebeten werden:

„Eines ist es, in der Hoffnung zu leben, da wir in der Hoffnung gerettet sind; etwas anderes ist es, als gute Christen zu leben und nicht mehr. Leben in der Erwartung des Offenbarwerdens oder gut mit den Geboten leben, am Ufer des Jenseits verankert sein oder einen Parkplatz in der künstlichen Lagune haben. Ich denke an Maria, ein junges Mädchen. Nachdem sie gehört hat, dass sie eine Mama war, hat sich ihre Haltung verändert und sie geht, sie hilft und singt jenes Loblied. Wenn eine Frau schwanger wird, ist sie Frau, aber sie ist nie nur Frau: sie ist Mama. Und die Hoffnung hat etwas davon. Sie verändert uns in unserer Haltung: wir sind wir, aber nicht WIR sind wir. Wir sind wir, weil wir dort drüben suchen, weil wir dort drüben verankert sind“.

Abschließend wandte sich der Papst an eine Gruppe von mexikanischen Priestern, die anlässlich ihres 25. Weihetages am Gottesdienst teilnahmen: „Bittet die Gottesmutter, Mutter der Hoffnung, dass eure Jahre Jahre der Hoffnung seien, dass ihr als Priester der Hoffnung lebt, indem ihre Hoffnung schenkt“.

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