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Sünder ja, Verdorbene nein!

11. November 2013 in Aktuelles, 8 Lesermeinungen
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Franziskus-Perle des Tages: Der Christ, der ein Doppelleben führt, ist wie ein außen schön gestrichenes Grab voller Knochen, Schmutz und Verwesung. Er verdient es, mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen zu werden. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Jesus wird es nicht müde, zu vergeben, und rät uns, ebenso zu tun. Papst Franziskus ging bei seine Betrachtungen in der Predigt bei der heutigen heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ von der Ermahnung Jesu im Tagesevangelium aus, dem reuigen Bruder zu vergeben (vgl. Lk 17,1-6). Wenn Jesus fordere, siebenmal am Tag zu vergeben, zeichne er ein Bild von sich selbst. Jesus „vergibt“, aber sage gleichzeitig: „Es ist unvermeidlich, dass Verführungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet“ (V. 1). Er spreche nicht von der Sünde, sondern vom Ärgernis und Skandal, was etwas anderes sei. Dabei füge Jesus hinzu: „Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt“ (V. 2)

Der Papst fragte sich, worin der Unterschied zwischen sündigen und verführen besteht: „Der Unterschied ist der, dass – wer sündigt, es bereut und um Vergebung bittet – sich schwach fühlt, sich als Kind Gottes fühlt, sich erniedrigt und von Jesus sein Heil erbittet. Der andere aber, der Verführer, der Ärgernis erregt – was erregt Ärgernis? Dass er es nicht bereut. Er sündigt weiter, aber tut so, als sei er ein Christ: ein Doppelleben. Und das Doppelleben eines Christen ist übel, so übel. ‚Aber ich bin doch ein Wohltäter der Kirche! Ich lege Hand an den Geldbeutel und gebe der Kirche’. Doch die andere Hand bestiehlt: den Staat, die Armen... sie stiehlt. Er ist ein Ungerechter. Das ist das Doppelleben. Und dieser verdient es – das sagt Jesus, nicht ich –, dass man ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer wirft. Hier spricht er nicht mehr von Vergebung“.


Dies sei so, weil jene Person täusche, „und wo Täuschung ist, ist der Geist Gottes abwesend. Das ist der Unterscheid zwischen dem Sünder und dem Verdorbenen“. Wer ein Doppelleben führe, sein ein Verdorbener, ein Korrupter. Anders sei der, der sündigt und nicht mehr sündigen möchte, aber schwach sei und zum Herrn gehe und ihn um Vergebung bitte. Diesen Menschen habe der Herr gern, er begleite ihn und bleibe bei ihm:

„Und wir müssen uns Sünder nennen, ja, alle hier sind es, nicht wahr? Verdorben – nein. Der Verdorbene bleibt fest in einem Zustand der Selbstgenügsamkeit, er weiß nicht, was Demut ist. Jesus sagte von diesen verdorbenen Menschen: ‚Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung’ (vgl. Mt 23,27). Und ein Christ, der sich rühmt, Christ zu sein, aber kein christliches Leben führt, ist einer dieser Verdorbenen... Alle kennen wir jemanden, der sich in dieser Situation befindet, und wie sehr schadet das der Kirche! Verdorbene Christen, verdorbene Priester... Wie sehr schaden sie der Kirche! Denn sie leben nicht nach dem Geist des Evangeliums, sondern nach dem Geist der Weltlichkeit“.

Der heilige Paulus sage dies klar in seinem Brief an die Römer: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken“ (Röm 12,2). Mehr noch: der griechische Originaltext sei noch stärker, so Franziskus, da er sage: „Tretet nicht in die Schemata dieser Welt, in die Parameter dieser Welt ein!“ – Schemata, die diese Weltlichkeit seien, die zum Doppelleben führe:

„Eine schön lackierte Verwesung: das ist das Leben des Verdorbenen. Und Jesus sagte nicht einfach ‚Sünder’ zu solchen, er nannte sie ‚Heuchler’. Und wie schön ist es doch bei dem anderen, nicht? ‚Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben’ (Lk 17,4). Das ist es, was er mit den Sündern macht. Er wird es nicht müde, zu vergeben, allerdings zu dieser einen Bedingung: kein Doppelleben führen zu wollen, reuig zu ihm zu gehen: ‚Vergib mir, Herr, ich bin ein Sünder!’. ‚Geh weiter, geh weiter, ich weiß es’. Und so ist der Herr. Bitten wir heute den Heiligen Geist um die Gnade, die jeder Täuschung entflieht, bitten wir um die Gnade, uns als Sünder zu erkennen: wir sind Sünder. Sünder ja, Verdorbene nein“.

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