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Die drei Kriterien der brüderlichen Liebe

12. Juni 2014 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Franziskus-Perle des Tages: Realismus, Kohärenz und Kindschaft zur Überwindung der falschen Gerechtigkeit und der Konflikte unter den Menschen. Geschwätz und Verleumdung töten aus der Wurzel des Hasses heraus. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Die Liebe unter den Menschen nach Jesus: Papst Franziskus ging in seinen Betrachtungen bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Donnerstag der zehnten Woche im Jahreskreis vom Tagesevangelium (Mt 5,20-26) aus.

Der Evangelist berichtet vom Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über die brüderliche Liebe. Jesus sage uns, dass wir den Nächsten lieben müssen, nicht aber so, wie dies die Pharisäer in ihrer mangelnden Kohärenz täten. Diese nuancierten ihre Vorstellungen, da sie Ideologen gewesen seien. Ihre Haltung „war keine Liebe, sondern Gleichgültigkeit gegenüber dem Anderen“. Jesus dagegen gebe uns drei Kriterien vor:

„Als erstes: ein Kriterium des Realismus: eines gesunden Realismus. Wenn du etwas gegen einen anderen hast und das nicht in Ordnung bringen kannst, dann suche eine Lösung, doch kommt wenigstens zu einer Vereinbarung. Aber: schließe Frieden mit deinem Gegner, während du unterwegs bist. Das wird nicht das Ideale sein, diese Übereinkunft aber ist eine gute Sache. Das ist Realismus“.


Die Anstrengung, miteinander auszukommen, müsse unternommen werden, auch wenn es Leute gebe, die das für eine zu gewöhnliche Sache hielten. Um so einiges zu retten, „muss man zu einer Übereinkunft gelangen. Und einer macht einen Schritt, der andere macht einen Schritt, und wenigstens herrscht Friede: ein sehr provisorischer Friede, aber der Friede der Übereinkunft“. Jesus nenne auch dies: „die Fähigkeit, unter uns zu einer Übereinkunft zu gelangen und die Gerechtigkeit der Pharisäer, der Gesetzeslehrer, dieser Leute zu überwinden“. Es gebe viele menschliche Situationen, „und während wir unterwegs sind, suchen wir eine Übereinkunft, so bringen wir den Hass, den Streit unter uns zum Stillstand“.

Ein zweites Kriterium, das uns Jesus gebe, sei das „Kriterium der Wahrheit und der Kohärenz“. Erneut erklärte der Papst: „Schlecht über einen anderen zu reden, heißt: ihn töten, da an der Wurzel von beidem dasselbe steht: der Hass“. So töte man den Anderen auf eine andere Weise: „mit dem Geschwätz, mit der Verleumdung, mit der Diffamierung“. Dabei warne Jesus: „Jeder, der zu seinem Bruder sagt: ‚Du Dummkopf!’, tötet ihn, da eine Wurzel des Hasses in ihm ist“.

„Und heute denken wir“, so der Papst, „dass den Bruder nicht zu töten bedeutet, ihn nicht umzubringen. Aber nein: ihn nicht zu töten heißt, ihn nicht zu beleidigen. Die Beleidigung entsteht aus derselben Wurzel des Verbrechens: sie ist dieselbe. Der Hass. Wenn du nicht hasst und deinen Feind, deinen Bruder nicht töten wirst, dann beleidige ihn nicht einmal. Doch nach Beleidigungen zu suchen – das ist eine unter uns sehr verbreitete Gewohnheit. Es gibt Leute, die – um ihren Hass gegen einen Menschen zum Ausdruck zu bringen – eine besondere Fähigkeit haben, diese Blumen der Beleidigung zum Blühen zu bringen, das ist wirklich beeindruckend. Und das tut weh. Schimpfen. Die Beleidigung... Nein, wir wollen Realisten sein. Das Kriterium des Realismus. Das Kriterium der Kohärenz. Nicht töten, nicht beleidigen“.

Das dritte Kriterium sei ein „Kriterium der Kindschaft“. „Wenn du, wenn wir den Bruder nicht töten dürfen“, so Franziskus, „dann deswegen, weil er Bruder ist, das heißt: weil wir denselben Vater haben. Ich kann nicht zum Vater gehen, wenn ich nicht mit meinem Bruder in Frieden bin“. Man könne nicht mit dem Vater sprechen, wenn man nicht mit dem Bruder in Frieden sei, in einem Frieden, der wenigstens Folge einer Übereinkunft sei:

„Nicht mit dem Vater sprechen, ohne mit dem Bruder in Frieden zu sein. Drei Kriterien: ein Kriterium des Realismus, ein Kriterium der Kohärenz, das heißt: nicht umbringen, aber auch nicht einmal beleidigen, denn wer beleidigt, bringt um, tötet. Und ein Kriterium der Kindschaft: man kann nicht mit dem Vater sprechen, wenn man nicht mit seinem Bruder sprechen kann. Und das heißt es, die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer zu überwinden. Dieses Programm ist nicht leicht, nicht wahr? Das ist der Weg, den Jesus weist, um vorwärts zu gehen. Bitten wir ihn um die Gnade, in Frieden unter uns voranzugehen, auch mit den Vereinbarungen, aber immer mit Kohärenz und im Geist der Kindschaft“.

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