Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. ADIOS!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  5. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  6. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  7. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  8. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  9. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  10. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  11. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  12. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen
  13. „Catholic Herald“: „Irlands schwindende Familien“
  14. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“
  15. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!

Kapellari: Kritik an Flüchtlingshilfe der Kirche 'pharisäisch'

2. Jänner 2015 in Aktuelles, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Grazer Bischof äußert sich in "Kleine Zeitung"-Interview auch zu Islam, Synode und Lebensschutz - "Im Islam gibt es bis heute die vorherrschende Tendenz, Kritik als Beleidigung aufzufassen, das muss überwunden werden"


Graz (kath.net/KAP) Der steirische Bischof Egon Kapellari (Foto) hat in einem Interview für die Grazer "Kleine Zeitung" den Vorwurf an die Kirche, zu wenig für Flüchtlinge zu tun, zurückgewiesen. "Die Schuldzuweisungen sind pharisäisch. Gerade die Kirche tut im Vergleich zu anderen Großgruppen der Gesellschaft besonders viel für die Flüchtlinge. Das zeigt sich an der Zahl der Plätze in kirchlichen Häusern, die wir zur Verfügung stellen. Und es zeigt sich an den finanziellen Mitteln, die wir aufwenden. Sicher, wir haben Fehler, aber wir haben auch unsere Vorzüge, und es ist günstig, diese Vorzüge nicht zu verschweigen. Denn unsere Gesellschaft ist nicht so stark, dass sie auf besonders stabilisierende Faktoren wie die Kirche verzichten könnte", sagte der Bischof.

Befragt zum Islam, bedauerte Kapellari u.a. die beleidigte Haltung vieler Muslime, wenn das Phänomen der Radikalisierung unter muslimischen Jugendlichen hinterfragt wird: "Im Islam gibt es bis heute die vorherrschende Tendenz, Kritik als Beleidigung aufzufassen. Das muss überwunden werden."

Das Christentum sei in Europa durch das Feuer der Aufklärung gegangen, das habe weh getan und viel zerstört. "Aber das Feuer zerstört nicht nur. Es läutert auch. Es schmilzt aus dem Erz das Gold heraus. Keine Religion, die einen Platz in der westlichen Gesellschaft beansprucht, wird sich diesem Prozess entziehen können. Auch der Islam nicht. Er muss sich fragen lassen, und fragt sich ohnehin schon selber, was sein Gewaltpotenzial für ihn als Gefahr bedeutet", stellte der Grazer Bischof klar.


Zwar hätten alle drei großen monotheistischen Religionen ein Gewaltpotenzial. Die entscheidende Frage laute jedoch, unter welchen Umständen es aktiviert werden könne. "Auch wir haben mühsam lernen müssen, an diese Tabus ohne Denk- und Sprachverbot daranzugehen", so Kapellari.

Er hob jedoch hervor, dass der Islam mit der westlichen Gesellschaft kompatibel sei, wenn er bereit sei, sich weiterzuentwickeln: "Juden, Christen, Muslime, wir alle müssen uns weiterentwickeln, ohne unsere Kernidentität aufzugeben. Sonst drohen Spaltung und Krieg."

Erstellung der neuen Terna verzögerte sich

Zu seiner Nachfolge sagte Kapellari, er habe "die begründete Hoffnung, dass ich in naher Zukunft die Leitung der Diözese an den Papst zurückgeben darf". Weil allerdings durch Franz Lackners Ernennung zum Erzbischof von Salzburg "die plausibelste Nachfolgeperspektive abhanden gekommen" sei und Rom einen neuen Dreiervorschlag mit Bischofskandidaten brauche, sei es zu einer langen Zeit des Wartens gekommen. Auch die Erstellung dieser sogenannten Terna habe "sich immer wieder verzögert", räumte der Bischof ein.

Schwer falle ihm der Abschied nicht, bekannte der Grazer Bischof: "Im 80. Lebensjahr ist es längst Zeit dazu. Ich werde dann helfen, wo ich noch kann und gebraucht werde, und ich hoffe, dass sich auch der Mönch in mir stärker entfalten kann."

Bilanzierend sagte Kapellari, ihm sei der Dauerauftrag an einen Bischof, immer Hirte inmitten seiner Herde zu sein, "immer wieder und immer wieder nicht" geglückt. Wörtlich sagte der frühere Studentenseelsorger: "Ich habe mich in den 33 Jahren, die ich Bischof bin, darum bemüht, die Mitte und die Tiefe zu stärken, verbunden ebenso mit nun schon drei Päpsten wie mit meiner bunten Diözese. Die Mitte war immer mein Ort, ein sehr spannungsreicher Ort. Ich würde mich missverstanden fühlen, wenn man mich dem konservativen oder dem progressiven Lager zwangseinverleiben würde. Dieser Lagerhaft habe ich mich immer entzogen und werde mich weiter entziehen."

Synode als Nagelprobe

Im Blick auf die Weltbischofssynode sagte Kapellari, in der Kirche brauche es eine Stärkung der Tiefe ebenso wie ein Offenhalten der Türen und Fenster. "Der Papst tut das auf großartige Weise. Weil wir an der Jahresschwelle stehen, sage ich aber auch: Die Kirche braucht auch Schwellen. Die Frage, wie hoch oder flach diese an der offenen Tür sein sollen, ist kontrovers und macht Bischofssynoden wie die jüngste in Rom zum Thema Familie in Rom zu Nagelproben."

Nicht einverstanden ist Bischof Kapellari mit dem Verlauf der Debatte über wiederverheiratete Geschiedene. Sie habe sich "auf den Kommunionempfang zugespitzt, als ob es allein um diese Frage ginge und nicht darum, was Kommunion eigentlich ist". Das Wort von Augustinus - Liebe, und mach, was du willst! - werde da oft missverstanden. Es meine nicht, dass man alles machen könne, sondern es setze voraus, "dass die Liebe auch den Willen korrigiert im Sinn von Nichtbeliebigkeit". Die daraus resultierende Spannung sei "auch eine Chance zur Vertiefung", zur Erkenntnis, "dass nicht jede Grenze eine Diskriminierung ist".

Dies gelte auch z.B. bei der Frage des Lebensschutzes, "da trifft der begreifbare Wunsch nach möglichst viel Freiheit auf Grenzen". Nicht jede Freiheit sei "wirklich Freiheit im Sinn von lebensförderndem Menschsein, mit dieser Spannung müssen wir mit idealistischem Realismus umgehen".

Copyright 2014 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gesellschaft

  1. Warum Kirchen jetzt Frieden, Recht und Wahrheit verteidigen müssen
  2. Botox? – Die unsichtbaren tragischen Folgen des Jugendwahns
  3. Slowakei: Kirchen bitten gemeinsam um Vergebung für Verfehlungen
  4. Zwischen Wölfen und Brüdern
  5. „Alte Fragen, überraschende Antworten“
  6. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  7. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  8. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  9. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt
  10. Österreichs Integrationsministerin richtet „Dokumentationsstelle politischer Islam“ ein






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. ADIOS!
  4. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  5. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  6. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  7. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  8. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  9. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  10. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“
  11. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  12. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  13. Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft
  14. Maria 1.0: Immer wieder Deutschland - „Deutsch-Synodale“ Reformatoren schaffen Realität
  15. Entfremdung und Annäherung – Für einen Katholiken in Deutschland gibt es doch immer noch Rom

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz