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Gesellschaft im Abgrund – Kirche im freien Fall

8. Juni 2015 in Kommentar, 37 Lesermeinungen
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Bis auf wenige Ausnahmen schweigen die Hirten zu den ernsten Vorgängen unserer Gesellschaft. kath.net-Kommentar von Prof. Hubert Windisch


Regensburg (kath.net) Der rasante kulturelle Zusammenbruch unserer Gesellschaft muss erschrecken. Für die Gestaltung des konkreten Lebens auf vielen Ebenen scheint uns der lange Atem abhanden gekommen zu sein, durch den erst Kultur entstehen kann. Oberflächliches Kalkül bestimmt weithin das, was man früher durchaus auch geschichtliche Verantwortung nannte: in der Politik, in der Wirtschaft und auch in der Kirche. Man kann als Beleg dafür u. a. zwei dümmliche Aussagen anführen, die da lauten: Der Islam gehört zu Deutschland. Und: Stirbt der Euro, stirbt Europa. Der erste Ausspruch verkennt die christliche Wertegrundlage Europas auf sträfliche Weise und wird einem grundsätzlich gewaltbereiten Islam willkommen sein, das abzuschaffen, wofür diejenigen zu stehen glauben, die solche Aussprüche von sich geben. Der zweite Ausspruch ist eigentlich nur die flache, monetär gefärbte Variante der Herkunfts- und Richtungslosigkeit des ersten Ausspruchs.

Dieser kurzatmige, herkunfts- und richtungslose desolate Zustand, in dem sich unsere Gesellschaft befindet, wird noch drastischer und grundlegender deutlich, wenn man die politisch dreisten Bemühungen um die Installierung frühkindlicher Sexualisierung in Kindergärten und an Schulen durch die vom Genderwahn geprägten Bildungspläne zur Hand nimmt. Was hier geschieht, ist nichts anderes als staatlich gewollter und geförderter Missbrauch von Kinderseelen, der letztlich dazu führt, dass man später bekämpfen muss, was man erzeugt. Wenn aber ein Staat erzeugt (orientierungslose Frühesexualisierung), was er später gesetzlich regeln muss (sexuelle Verhaltensstörungen), dann ist ein Staat schizophren und zerfällt. Vollends ausgeprägt zeigt sich diese staatlich-gesellschaftliche Haltlosigkeit in der augenblicklichen Debatte und Erregung in Bezug auf die sogenannte Homo-„Ehe“. Wer leugnet, dass Mann- und Frausein ein Grunddatum der menschlichen Gesellschaft ist und dass nur das Miteinander von Mann und Frau als Ehe bezeichnet und geschützt werden darf, zerstört das Fundament einer Gesellschaft. Christlich gesprochen vergisst man darüber hinaus, dass in der Andersheit der Geschlechter und in der damit gegebenen fruchtbaren Spannung letztlich der ganz Andere, Gott selbst, aufscheinen, ja aufleuchten möchte. Nur in dieser Andersheit ist das bewertende Maß und auch die helfende Orientierung für andere sexuelle Phänomene gegeben.


Unsere Gesellschaft taumelt in einen Abgrund, und die Kirche torkelt mit. Bis auf wenige Ausnahmen schweigen die Hirten zu den kurz angedeuteten ernsten Vorgängen. Dagegen erheben unbedeutende, legitimationsarme Gremien ihr zerstörerisches Wort und sind Professoren an Theologischen Fakultäten, diesen am Staatstropf hängenden Ineffizienzkonstrukten, eher Verwirrer denn Bekenner. Aber was soll man noch erwarten, wenn bei einer Pfingstpredigt selbst eines Kardinals Bierzeltrhetorik einkehrt? Dabei hatte man gehofft, dass nach dem Vorsitz der Bischofskonferenz unter Erzbischof Zollitsch theologisch eigentlich keine dünneren Bretter mehr gebohrt werden könnten. Diese Hoffnung wird allenthalben enttäuscht. Die Hirten der Kirche scheinen, wiederum bis auf wenige Ausnahmen, wie gefesselt, aber nicht von Fesseln, von denen Paulus in der Apostelgeschichte (28,20) spricht: „Um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Fesseln“, bekennt er vor führenden Juden in Rom. Die katholische Kirche in Deutschland hat sich in ökumenischer Offenheit wie die EKD die Fesseln einer vorauseilenden Anerkennungs- und Anpassungsunterwerfung unter die politisch korrekten Vorgaben des Staates (und damit auch der Politik) und der Gesellschaft angelegt und wird wohl über kurz oder lang von demselben Urteil wie die EKD getroffen werden, das der Journalist Gunnar Schupelius aufgrund des Besuches eines evangelischen Pfingstgottesdienstes in Berlin in der Berliner Zeitung vom 28. Mai 2015 fällte: „Die Kirche wird in Berlin und Brandenburg gar nicht mehr als wichtig eingestuft, ihre Stimme ist nicht gefragt, man ärgert sich noch nicht einmal über sie.“ (kath.net hat berichtet)

Können wir noch etwas tun? Es gibt einige durchaus praktikable Strohhalme der Rettung, die in unseren Händen liegen:

- Zuallererst muss in einem geistlichen Intensivprogramm die Geheime Offenbarung neu gelesen und ernst genommen werden. Unsere Lage ist dramatisch wie damals. Das letzte Buch der Heiligen Schrift bewahrt uns davor, uns im Spannungsverhältnis von Kirche und Welt in die eigenen Taschen zu lügen.

- Ferner müsste der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz neu geregelt werden, damit weder durch das Gebaren eines Vorsitzenden selbst noch durch die öffentliche, vor allem mediale Wahrnehmung dieses Vorsitzes der Eindruck entsteht, hier sei in Deutschland ein kleiner Papst am Werk.

- Man sollte sich nicht länger mit dem ZdK und dem BDKJ befassen, man sollte sie in der jetzigen Form abschaffen und neugründen.

- Donum Vitae muss um der Einheit des kirchlichen Zeugnisses für den Schutz des Lebens willen endlich aufgelöst werden.

Die Theologischen Fakultäten brauchen eine neue konkordatäre Stellung im Rahmen der Universitäten, die ihnen die Freiheit des theologischen Geistes gegenüber den unsinnigen Vorgaben der Kultusministerien sichert und sie so wieder zu Ausbildungsstätten für junge Menschen werden lässt, die Theologie nach Thomas von Aquin als eine Liturgie des Geistes verstehen und leben wollen.

Letztlich steht auf dringliche Weise die Reform des Kirchensteuersystems an, damit die katholische Kirche bei uns nicht weiterhin, zwar materiell gesättigt, ideell und spirituell verkümmert und den Auftrag ihres Herrn verrät.

Professor Hubert Windisch (Foto) hatte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2012 den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg inne.


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