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Eizellenspende: Reproduktionsinstitute umgehen Restriktionen

12. Juni 2015 in Familie, keine Lesermeinung
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Fortpflanzungsmediziner weichen laut Wochenzeitung "Die Furche" auf Spenden aus dem Ausland aus, führen die Befruchtung im Ausland durch oder locken mit Entschädigungen


Wien (kath.net/KAP) Die Befürchtungen von Kritikern der im Jänner per Gesetz erlaubten Eizellspende scheinen sich in der Praxis zu erfüllen: Der Eizellenhandel boomt in Österreich und ins Gesetz eingebaute Restriktionen - allen voran das Kommerzialisierungsverbot - werden von den Reproduktionsinstituten auf verschiedenste Weise umgangen, um an Eizellen zu kommen. Das zeigt eine Recherche der Wochenzeitung die "Furche" (Ausgabe 11. Juni). Um den laut Angaben der Institute "irren Bedarf" von Eizellen zu decken, werden viele von diesen aus dem Ausland bezogen.

Das in seiner Beschlussfassung besonders von Kirchenseite heftig kritisierte Fortpflanzungsmedizingesetz verbietet die Vermittlung und Bewerbung der Eizellspende, weiters auch die Bezahlung dafür, sofern sie über die Aufwandsentschädigung für "ausgewiesene Barauslagen" hinausgeht, sowie auch die anonyme Spende, die in Tschechien möglich ist. Intention dieser Beschränkungen war es vor allem, Frauen vor Ausbeutung zu schützen und das Kindesrecht auf Kenntnis der eigenen Herkunft zu wahren. Kritiker hatten im Vorfeld gewarnt, die Maßnahmen würden ihr Ziel verfehlen.

Beteuern auch die Leiter der Kinderwunschzentren, das Gesetz komme einem "Verbot der Eizellspende" gleich, umgehen sie die Restriktionen laut "Furche" dennoch auf vielfache Weise. Ein Weg dazu sind Verträge mit Eizell-Banken aus dem Ausland, bei denen die Empfängerpaare wegen des Vermittlungsverbotes selbst bestellen. So würden etwa bei der "World Egg Bank" mit Sitz in Phoenix/Arizona sechs kryokonservierte Eizellen für einen Behandlungszyklus mit 16.500 Dollar plus 1.600 Dollar Versandkosten zu Buche schlagen, jene einer ukrainischen Eizellenbank nur etwa mit 2.000 Euro.


Verträge mit Eizellenbanken im Ausland, deren Aufwandsentschädigungen für Spenderinnen teils "üppig" ausfallen, sind laut Bioethikkommissions-Mitglied Christiane Wendehorst legal, die Frage sei bloß, "wo die Überlassung der Eizelle stattfindet: Geschieht das im Ausland, berührt das nicht österreichisches Gesetz." Mit Auslandskontakten könne man im Fortpflanzungsrecht eben "fast alles machen", so die Wiener Zivilrechtlerin. Dem Graubereich des Vermittlungsverbotes sei man sich bei Erlass des Gesetzes bereits klargewesen.

Eine völlige Umgehung sämtlicher österreichischen Beschränkungen - auch die des Verbots der Anonym-Spende - betreibt der Bregenzer Reproduktionsmediziner Herbert Zech: In seiner tschechischen Dependance in Pilsen führt er laut "Furche" jährlich 600 künstliche Befruchtungen nach anonymer Eizellenspende durch.

Entschädigungen "läppern sich zusammen"

Um zu Eizellenspenden in Österreich zu kommen, setzen die Reproduktionsinstitute auch auf die Aufwandsrückerstattung: Etwa eine Grazer Eizellbank zahlt Spenderinnen pro Besuch 90 Euro plus Kilometergeld, sowie für Eizellabsaugung und Narkose je nach Stärke weitere 110 bis 330 Euro pro 24 Stunden. "Das ist keine Bezahlung, aber es läppert sich zusammen", kommentierte dies gegenüber der "Furche" der Wiener Fortpflanzungsmediziner Wilfried Feichtinger. Frauen aus Tschechien oder der Ukraine, die nach Österreich zur Eizellspende kommen, vergütet man im Gegenzug Hotel- und Restaurantrechnungen, und es sei für sie fast ein Urlaub, gab der Welser Institutbetreiber Leonhard Loimer zu seiner eigenen Vorgehensweise an.

Weitere Möglichkeiten für die Institute sind "Verwandtenspenden" etwa von jüngeren Schwestern, oder das "Egg Sharing", bei dem IVF-Patientinnen unter 30 Jahren die Hälfte ihrer Eizellen dem behandelnden Institut überlassen und sich dabei den Selbstbehalt bei der Behandlung ersparen, wobei der IVF-Fonds höchstens 70 Prozent der Gesamtkosten übernimmt.

Psychologin: Frauen werden verführt

Vor "furchtbaren Folgen" des "Egg Sharing" warnt die klinische Psychologin und Psychotherapeutin Karin Tordy gegenüber der "Furche": Frauen würden hier "zu etwas verführt, ohne die Folgen ausreichend bedacht zu haben", so die an der Geburtshilfe-Abteilung des Wiener AKH tätige Expertin. Auch Verwandtenspenden seien "unverantwortlich", zumal sie das Familiengefüge "in nicht abschätzbarem Maß belasten" würden.

Insgesamt seien die psychologischen Aspekten der Eizellspende noch herausfordernder als die legalen, so Tordy: Anders als bei einer bloßen Gewebespende würden hier immer auch Beziehung entstehen. Vorbereitende Gespräche oder Anlaufstellen für Probleme im Nachhinein gebe es für Spenderinnen nicht, und die nur freiwillige psychologische Beratung würde von den Empfängerpaaren bisher nicht in Anspruch genommen. "Dabei wäre es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, dass ein Kind nach Eizellenspende fremde Anteile mitbringt - wie bei einer Adoption", betonte die Psychologin.

Streit geht weiter

Erst in dieser Woche hatte die "Aktion Leben" die vom Parlament bei der Beschlussfassung versprochene Evaluierung der Eizellenspende eingefordert. Nachbesserungen bei der Transparenz - besonders bei der Dokumentations- und Veröffentlichungspflicht - seien dringend erforderlich, die Beratung der Spenderinnen durch das durchführenden Reproduktionsinstitut sei ein "Interessenkonflikt" und das bereits vernehmbare Drängen letzterer zu weiterer Liberalisierung gefährlich: Um die Sicherheit von Kindern und Frauen nicht dem Marktinteresse der Kinderwunschzentren zu opfern, sollte eine Rücknahme der Zulassung der Eizellenspende ernstlich angedacht werden.

Copyright 2015 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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