Login




oder neu registrieren?


Ab sofort wieder in Betrieb! Für alle Handys https://mobile.kath.net/


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-10

meist-kommentiert

  1. Marx-Bätzing-Kurs: Neuer Rekord an Kirchenaustritten in Deutschland!
  2. Ökumene-Kreis bittet Papst: Bannbulle gegen Luther zurücknehmen
  3. Unsolidarisch, egoistisch und verletzend
  4. Besuch von Trump bei Johannes Paul II. und eine bizarre Reaktion von Wilton Gregory
  5. Der Neoprotestantismus bricht sich seine Bahn
  6. Mehrheit der Deutschen hält nichts von Binnen-I und Gendersternchen
  7. Erzbischof Viganò: Wilton Gregory ist ein 'falscher Hirte'
  8. Kardinal Müllers „Corona-Verschwörungstheorie“ im Kreuzverhör
  9. Die Kirche von morgen
  10. Kommunionspendung mit Latexhandschuhen ist ‚sakrilegisch’

«Europa darf seine Seele nicht verlieren»

1. Oktober 2015 in Interview, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Monte Cassinos Erzabt über den Alten Kontinent und sein Erbe. Von Christoph Schmidt (KNA)


Monte Cassino (kath.net/KNA) Erdbeben, Sarazenen oder US-Luftwaffe – viermal wurde das Benediktinerkloster Monte Cassino in seiner 1.500-jährigen Geschichte zerstört und wieder aufgebaut. Seit knapp einem Jahr leitet Erzabt Donato Ogliari (58) das Kloster rund 130 Kilometer südöstlich von Rom, in dem der heilige Benedikt von Nursia (480-547) seine Ordensregel vollendete. Das Kloster ist eine der ältesten Abteien der westlichen Christenheit und gilt als Keimzelle des Abendlands. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht der Benediktiner über Europas Umgang mit seinem christlichen Erbe, die Herausforderung durch den Islam und die Zukunft der Orden.

KNA: Erzabt Donato, Sie leiten eine der ältesten Abteien der westlichen Christenheit und eine der größten Abteien überhaupt. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Ogliari: Für mich ist es eine große Ehre, hier am Grab unseres Ordensgründers dienen zu können. Das ist für das spirituelle Leben eine tägliche Bereicherung. Von hier gingen im Frühmittelalter entscheidende Impulse für die Christianisierung des Kontinents aus. Dann ist da die kulturelle Bedeutung der Abtei. Hier lagern einzigartige Kunstschätze. Die Bibliothek, das alte Archiv und das Abtei-Museum bergen Kulturwerte, die für das europäische Gedächtnis von größter Bedeutung sind. Das alles macht die Aufgabe hier oben zu etwas sehr Besonderem.

KNA: Vom christlichen Erbe des Kontinents wollen viele Europäer heute nicht mehr viel wissen.

Ogliari: Man hat sogar den Eindruck, dass die Säkularisierung der europäischen Gesellschaft seit den letzten Jahren galoppiert, aggressiver geworden ist. Inzwischen erfasst sie auch Länder, in denen der Glaube immer eine große Rolle spielte wie Irland und Polen. Wir müssen ganz nüchtern bekennen: Die frühere Verankerung des kirchlichen Lebens gibt es so in den europäischen Völkern nicht mehr.

Das Paradoxe daran ist, dass in Europa die christliche Religion im Namen einer individuellen Freiheit angegriffen wird, die ihre Wurzeln in eben dieser Religion hat. Die Aufklärung und die Idee der Freiheit des Individuums sind ja Kinder des Christentums. Das wird von den Vertretern des Relativismus gerne geleugnet. Wenn Europa jedoch zwischen diesen Werten und seiner Ursprungsreligion einen Gegensatz aufbaut, dann verliert es seine Seele.

KNA: Derzeit kommen Hunderttausende muslimische Flüchtlinge nach Europa. Mehr als 15 Millionen Muslime leben bereits hier. Was bedeutet das für den Alten Kontinent und wie sollte er darauf reagieren?

Ogliari: Die Migration aus islamischen Ländern wird für die europäische Identität zu einer enormen Herausforderung, das sollte man nicht unterschätzen. Die Antwort kann nur ein ernsthafter Dialog sein. Das heißt einerseits, Fremde offen und mit Respekt zu behandeln. Schon der heilige Benedikt hat sich damals nicht gescheut, auch einen Ostgoten in seine Gemeinschaft aufzunehmen, obwohl dieser Stamm unter den lateinisch gebildeten Mönchen geradezu als barbarisch galt. Jeden Menschen zu ehren, ist ein Gebot der benediktinischen Ordensregel. Andererseits kann der Dialog mit den Muslimen nur gelingen, wenn Europas Gesellschaften dabei selbstbewusst ihre Werte verteidigen. Und die sind - ob es einem gefällt oder nicht - nun mal christlich fundiert. Dialog bedeutet ja nicht, dem Anderen nach dem Mund zu reden.

KNA: Die Orden sind von der Glaubenskrise im Westen besonders betroffen. Nachwuchsmangel und Überalterung prägen hier das Bild. Wie sehen Sie die Zukunft der Orden?

Ogliari: Keinesfalls düster. Der fehlende Nachwuchs hängt auch damit zusammen, dass auch in katholischen Familien weniger Kinder geboren werden. Sicher, die Zeit der großen Klostergemeinschaften mit hunderten Mönchen ist wohl vorbei. In dieser gewaltigen Abtei sind es gerade noch 15. Die Form verändert sich also. Doch es wird immer Männer und Frauen geben, die sich dem Reich Gottes verschreiben. Sie sind ein prophetisches Zeichen für die Kirche.

Im Übrigen ist die Kirche ja immer weniger eurozentriert. Das Ordensleben findet heute genauso in Asien, Lateinamerika, Afrika statt. In diesen Gebieten ist der Nachwuchsmangel kaum zu spüren. Die Geschichte der Abtei Monte Cassino ist selbst das beste Beispiel dafür, dass es immer weiter geht. Viermal wurde sie zerstört, von Langobarden, Sarazenen, einem Erdbeben und 1944 von der US-Luftwaffe - und jedes Mal wurde sie wieder aufgebaut.

KNA: Das Bombardement im Zweiten Weltkrieg gilt als Symbol für sinnlose Zerstörung. War es ein Kriegsverbrechen?

Ogliari: Ja, ein Kriegs- und Kulturverbrechen. Die damaligen Alliierten sehen heute ein, dass es ein schwerer Fehler war. In Monte Cassino gab es keine deutschen Soldaten. Erst nach dem Angriff haben sie dann die Ruinen besetzt. Zum Glück retteten einige deutsche Offiziere einen Großteil der Kunstschätze vor den Bomben und brachten sie nach Rom. Dafür sind wir diesen Männern bis heute sehr dankbar.

KNA: Die Benediktiner gehen zurück auf die Wurzeln des abendländischen Mönchtums im 6. Jahrhundert. Die Regel «Ora et labora», bete und arbeite, war damals im ausgehenden Sklavenzeitalter eine Revolution. Doch worin besteht im 21. Jahrhundert die Faszination benediktinischer Spiritualität?

Ogliari: Ich glaube, dass der ganzheitliche Lebensansatz der Benediktiner immer seine Anziehungskraft behält. Zum Beten und Arbeiten kommt auch noch das Lesen, das Studium hinzu. Damit verbindet der benediktinische Weg also die geistlich-meditative Hinwendung zu Gott mit praktischer Lebensnähe und dem Ideal der Bildung. Es geht nicht um einen Rückzug hinter Klostermauern, sondern um aktives Teilnehmen an der Welt aus religiöser Überzeugung. Das hat die Kirche und die Gesellschaft insgesamt zu allen Zeiten bereichert.

Abtei Monte Cassino – Impressionen


Die Abtei Montecassino


Pope Benedict in Montecassino - Die Predigt bei der Hl. Messe


BBC: Nach dem Wiederaufbau erinnern in Monte Cassino nur noch versteckte Reste an die furchtbaren kriegerischen Auseinandersetzungen im 2. Weltkrieg


(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Europa

  1. Wieso Europa christliche Werte braucht
  2. Wiener Diözesansprecher: "Viri probati" für Europa keine Hilfe
  3. Vatikandiplomat: Respekt für Brexit, mehr Dialog in Europa
  4. Papst: Europa darf sich nicht vom Pessimismus besiegen lassen
  5. Wie Europa an den Islam fallen könnte
  6. „Politik der Europäischen Union leidet unter einem Werteverlust“
  7. Bischofskritik an EuGH-Urteil zu gleichgeschlechtlichen Ehegatten
  8. Der Selbstmord Europas
  9. Ad-limina: Ungarns Primas berichtet über Exodus nach Westeuropa
  10. Mitteleuropa-Bischöfe: Europa muss 'echte Völkerfamilie' sein








Top-10

meist-gelesen

  1. Marx-Bätzing-Kurs: Neuer Rekord an Kirchenaustritten in Deutschland!
  2. Der Neoprotestantismus bricht sich seine Bahn
  3. Besuch von Trump bei Johannes Paul II. und eine bizarre Reaktion von Wilton Gregory
  4. Erzbischof Viganò: Wilton Gregory ist ein 'falscher Hirte'
  5. Kardinal Müllers „Corona-Verschwörungstheorie“ im Kreuzverhör
  6. Die Kirche von morgen
  7. Ökumene-Kreis bittet Papst: Bannbulle gegen Luther zurücknehmen
  8. Erzbistum Köln: Gemeinschaft Sankt Martin kommt nach Neviges
  9. Unsolidarisch, egoistisch und verletzend
  10. Bonifatius und die neuen Heiden

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz