21 Oktober 2016, 11:15
Die rote Bibel mit dem roten Punkt
 
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Der Designpreis Red Dot Design Award für Kommunikationsdesign geht in diesem Jahr an die katholische Jugendbibel der YOUCAT Foundation. Kommunikationsdesigner und Preisträger Alexander von Lengerke über Bibelgestaltung und neue Wege der Verkündigung

Köln (kath.net) Als die YOUCAT Foundation und ich gemeinsam daran gingen, eine Bibel für junge Leute zu gestalten, sagte ein erfahrener Verleger zu mir: Überleg Dir das gut! Eine Bibel zu setzen ist nicht ohne. Die ganze Masse Text im Auge zu behalten, alles lesbar zu machen, nichts zu vergessen und dann die Korrekturen – da kann man wahnsinnig dran werden. Und es kann mächtig schief gehen.

Ok, hab ich mir dann mit großem Respekt und etwas kleinlaut gedacht, dann sei mal besser nicht zu forsch wenn das Projekt kommt. Und ich dachte an meine eigene kleine Minibibel, dick und voll mit unbeschreiblich dichtem, kleinen, präzise gesetzten Text und mir dämmerte, wenn das mal Wirklichkeit wird, dass ich eine Bibel gestalten darf, dann muss das richtig, richtig gut werden. Drunter mach ich’s nicht.

Für mich war die Begegnung mit der entstehenden Idee des Jugendkatechismus vor fast sieben Jahren der Beginn eines völlig neuen Abschnitts meines Lebens und meiner beruflichen Laufbahn. Befasste sich meine Arbeit bis dahin mit lokalen oder regionalen Auftragsarbeiten, bescherte mir das YOUCAT-Projekt eine neue, ungeahnt globale Dimension und damit auch ein völlig neuer Anspruch an seriöse, klare Kommunikation besonders komplexer Inhalte. Doch das Größte daran: Es erfüllte in übermäßiger Weise meine Sehnsucht, genau die Inhalte zu visualisieren, für die ich selber stehe.

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Dann, vor etwa drei Jahren kam die Initiative von der Redaktionsleitung der YOUCATFoundation. Die Idee war, eine kommentierte Bibel für Jugendliche und junge Erwachsene zu gestalten, die nicht nur die Texte exegetisch verständlich machen sollte, sondern auch Berühmtheiten aus der Kirche, der Kultur oder der Wirtschaft und – ganz wichtig – das Glaubenszeugnis junger Menschen zu Wort kommen zu lassen. Und nebenbei noch das ganze Buch mit Strichmännchen zu illustrieren – neben dem Layout mein Part. Also nicht nur ein informierendes, lehrendes Buch, sondern auch ein inspirierendes Buch. Und ich sagte mir: Ok. Jetzt ziehst Du’s durch.

Die inhaltliche Arbeit war für Autoren und Redaktion eine intensive Herausforderung. Mit den jungen Leuten wurden die Stellen meditiert, die ihnen besonders am Herzen lagen. Mit den Exegeten wurden knifflige Passagen aufgeklärt und mit den vielen Zitaten und Impulsen die Einladung zum Weiterdenken angeregt. Und es wurde beschlossen, unsere Ausgabe als Auswahl-Bibel zu konzipieren, was bedeutete, zu kürzen. Das war mitunter der schwierigste Part und ausgewiesenen Bibelspezis wird das beim Lesen der Y-Bibel auch ziemlich bald deutlich werden. Aber unser Ziel war es, überschaubar einen roten Faden durch die Menschheitsgeschichte mit Gott zu ziehen: vom ersten Lichtstrahl der Genesis bis zur Vision von der Wiederkunft Christi. Es ging uns darum, die Bibel einer Leserschaft zugänglich zu machen, die selten oder gar nicht in der Bibel liest und sie so zu gestalten, dass man sie sogar in einem Rutsch durchlesen kann, ohne dass einem langweilig wird.

Für mich war dieses Buch die größte Herausforderung meines beruflichen Daseins. Ich durfte eine Bibel gestalten! Das Buch der Bücher – und damit die Krone allen Printdesigns! Die Zusammenarbeit mit der Redaktion war sehr eng, denn Inhalt und Gestaltung mussten eine Symbiose eingehen, wenn das Buch verständlich bleiben sollte. Der Bibeltext musste als erstes passen, dabei genug Platz lassen für den illustrierten Mittelteil. Dann ging es an die Kommentare, die sehr genau ausgesucht, angepasst und ausgetauscht wurden, bis es auf jeder einzelnen der 432 Seiten stimmte. Ich habe viel über die Texte gelernt im Zusammenhang mit dieser Arbeit, aber noch spannender wurde es, als ich anfing, die Seiten zu illustrieren.

Auf jeder Doppelseite findet sich eine dem jeweiligen Inhalt angepasste gezeichnete Situation. Bei den narrativen Texten war das relativ einfach, bei den lyrischen ziemlich knifflig. Gerade die Psalmen und Sprichwörter musste ich dreimal oder noch öfters lesen und dann mich hinein meditieren und überlegen, was für eine Sehnsucht oder was für ein Bild dahintersteht. Oft war ich so tief drin, dass wenn mich meine damals noch Verlobte anrief, ich ihr nur sagen konnte „Du, Schatz, ich kann grad nicht, Nebukadnezar macht grad mal wieder Jerusalem platt, es geht hier gerade drunter und drüber!“

Diese Zeit war anstrengend – aber ungemein bereichernd, bestärkend und beglückend. Als ich das Buch dann eine Woche nach unserer Hochzeit fertig gedruckt in den Händen hielt, war das erst einmal sehr seltsam. Ich fühlte eine eigenartige Leere und es beschlich mich das Gefühl, dass es jetzt nicht mehr mein Buch, mein Baby ist, sondern das Buch der anderen. Als würde ein Vater seinem ausgewachsenem Kind mit einem versteckten Seufzer des Abschieds sagen: Du hast jetzt alles was Du brauchst, und nun geh hinaus in die Welt und mach was draus.

Dann habe ich mich im Frühjahr um den Red Dot beworben. Ich habe die Bibel mit nicht zu hohen Erwartungen in den Wettbewerb geschickt, weil es so viele Einsendungen gibt und darunter richtig gute. Außerdem ist die Jury total vielschichtig. Sie setzt sich zusammen aus Experten aus Kunst, Wirtschaft, Design und Kultur, die aus aller Herren Länder mit allem möglichen Background kommen. Insofern war ich nur gedämpfter Hoffnung und war entsprechend überrascht, als ich die Nachricht erhielt, dass mein Baby das Rennen gemacht hat. Was mich vor allem gefreut hat, war, dass es eine Bibel war, die es geschafft hat, ein solches Gremium zu überzeugen; gerade wenn man bedenkt, dass religiöse Inhalte ja nicht unbedingt bequem oder mehrheitskonform sind. Sollte die Kirche solche Signale nicht ernst nehmen und Medien, die ihre Relevanz so deutlich erwiesen haben, nicht stärker für ihre Verkündigung nutzen?

Das YOUCAT Projekt ist mit seinen Medien eins der wertvollsten Tools, die der Kirche für Bildung und Lehre zur Verfügung stehen. Spätestens die Y-Bibel zeigt, dass katholische Inhalte im hohen Maße kommunikativ sind. Der medialen Gestaltung kommt in unserem visuellen Zeitalter dabei eine Schlüsselrolle zu. Nach Jahrhunderten, in denen die Kirche vor allem auf bildnerische Mittel zur Glaubensweitergabe gesetzt hat, und dabei größte Kunst entstanden ist, steht sie heute optisch vielfach weit hinter den Standards weltlicher Institutionen zurück. Es geht aber nicht nur um das Was der Botschaft, sondern auch um das Wie ihrer Präsentation. Der Glanz der Botschaft muss nicht nur verständlich, sondern auch sichtbar sein. Deswegen brauchen wir auch in Sachen Gestaltung höchste Ansprüche. Der Red-Dot-Award kann vielleicht Mut machen, unserer Botschaft zuzutrauen, mindestens so gut auszusehen wie weltliche Inhalte.

Die Bibel ist die größte Liebesgeschichte aller Zeiten: Gott wird Mensch! Eine faszinierendere Story gibt es nicht. Papst Franziskus hat deshalb in seinem Vorwort zu dieser Bibel gesagt: ‚Dieses Buch ist wie Feuer!’ Kann ich bestätigen. Hab ich selbst erlebt.

Näheres zum Red Dot Design Award unter www.red-dot.org
Näheres zur ausgezeichneten Bibel unter www.red-dot–21.com/design/youcat-bible
Näheres zum Preisträger www.alexanderlengerke.de


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kath.net-Buchtipp
YOUCAT - Jugendbibel
Jugendbibel der Katholischen Kirche
Von Österreichische Bischofskonferenz
Sonstiger Urheber Thomas Söding; Georg Fischer; Bernhard Meuser
Taschenbuch, 432 Seiten; m. 40 farb. Abb.
2016 Katholisches Bibelwerk; Youcat Foundation
ISBN 978-3-460-32587-6
Preis 15.50 EUR

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