10 Dezember 2016, 13:00
Echte Priester sind Mittler, keine Funktionäre oder Mittelsmänner
 
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Franziskus in Santa Marta: rigide Strenge und Weltlichkeit führen dazu, dass der Priester nur lächerlich ist und der Logik Jesu fernsteht. Das Desaster des strengen rigiden Priesters, der sich in der Weltlichkeit gefällt. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Sie sind wie Kinder: du bietest ihnen etwas an und es gefällt ihnen nicht, du willst ihnen das Gegenteil geben und es ist immer noch nicht recht. Papst Franziskus ging in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Freitag der 2. Woche im Advent vom Tagesevangelium aus (Mt 11, 16-19), als Jesus die mangelnde Zufriedenheit des Volkes unterstreicht, das nie zufrieden ist.

Auch heute, so der Papst, „gibt es – viele – unzufriedene Christen, denen es nicht gelingt zu begreifen, was der Herr uns gelehrt hat, die den Kern der Offenbarung des Evangeliums nicht verstehen können“. Dann ging Franziskus auf die unzufriedenen Priester ein, die so viel Ungutes anrichteten. Sie lebten voll Unzufriedenheit und suchten immer nach neuen Projekten, da ihr Herz der Logik Jesu fernstehe. Daher beklagten sie sich oder lebten traurig.

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Die Logik Jesu dagegen sollte einem Priester volle Zufriedenheit schenken, sie sei die Logik des Mittlers. Jesus „ist der Mittler zwischen Gott und uns. Und wir müssen diesen Weg der Mittler einschlagen, nicht den Weg einer anderen Gestalt, die der des Mittlers ähnelt, aber dies nicht ist: der Gestalt eines ‚Mittelsmannes’“. Der Mittelsmann nämlich tue seine Arbeit und nehme seinen Lohn, nie verliere er. Ganz anders sei dies beim „Mittler“:

„Der Mittler verliert sich selbst, um die Teile zu vereinen, er schenkt Leben, er schenkt sich selbst. Das ist der Preis: das eigene Leben, er zahlt mit seinem Leben, mit seiner Müdigkeit, mit seiner Arbeit, viele Dinge, aber – in diesem Fall der Pfarrer – um die Herde zu einen, um die Leute zu einen, um sie zu Jesus zu bringen. Die Logik Jesu als des Mittlers ist die Logik, sich selbst zu entäußern. Im Brief an die Philipper ist der heilige Paulus klar: ‚er vernichtete sich selbst, er entäußerte sich selbst“ (vgl. Phil 2,7), dies aber, um diese Einheit zu schaffen, bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Das ist die Logik: sich entäußern, sich vernichten“.

Der echte Priester „ist ein Mittler, der seinem Volk sehr nahe steht“. Der Mittelsmann dagegen tue seine Arbeit, doch dann übernimmt er eine andere und dies immer als ein Funktionär, „er weiß nicht, was es heißt, sich die mitten in der Wirklichkeit die Hände schmutzig zu machen“. Aus diesem Grund sei der Priester nicht glücklich, wenn er vom Mittler zu einem Mittelsmann werde. Er suche nach ein wenig Glück darin, in Erscheinung zu treten, darin seine Autorität spüren zu lassen.

Den Mittelsmännern seiner Zeit habe Jesus gesagt, dass sie daran Gefallen fänden, auf den Plätzen einherzuschreiten, um sich sehen und ehren zu lassen:

„Doch auch, um sich wichtig zu machen, schlagen die Priester, die Mittelsmänner sind, den Weg der rigiden Strenge ein: losgelöst von den Menschen wissen sie viele Male nicht, was der menschliche Schmerz ist. Sie verlieren das, was sie zuhause gelernt hatten, mit der Arbeit des Vaters, der Mutter, des Großvaters, der Großmutter, der Geschwister... Sie verlieren diese Dinge. Sie sind streng und rigide und laden auf die Gläubigen vieles ab, was sie nicht tragen, wie Jesus den Mittelsmännern seiner Zeit sagte. Die Strenge. Die Peitsche in der Hand mit dem Volk Gottes: ‚das darf man nicht, das darf man nicht...’. Und viele Leute, die näher kommen und nach ein wenig Trost, nach ein wenig Verständnis suchen, werden durch diese Rigidität verjagt“.

Wenn der strenge und weltliche Priester zu einem Funktionär werde, so ende er dabei, lächerlich zu sein. Dennoch: diese Rigidität könne nicht für lange Zeit ganz aufrecht erhalten werden, „und im Grunde ist sie schizoid: du wirst dabei enden, streng zu erscheinen, doch in deinem Innern wirst du ein Desaster sein“. Und mit der Strenge die Weltlichkeit. Ein weltlicher, strenger Priester „ist ein unzufriedener Mensch, da er den rechten Weg verloren hat“:

„Was diese Strenge und Weltlichkeit betrifft, ist es geschehen, dass vor einiger Zeit ein alter Monsignore der Kurie gekommen ist, der arbeitete, ein normaler Mann, ein guter Mann, der in Christus verliebt war. Und er hat mir erzählt, dass er zum Euroklero (ein Geschäft, in dem Klerikergewand verkauft wird) gegangen war, um sich ein paar Hemden zu kaufen. Und da hat er vor dem Spiegel einen jungen Mann gesehen – er meinte, nicht älter als fünfundzwanzig –, oder einen jungen Priester oder einen, der dabei ist, Priester zu werden – vor dem Spiegel, mit einem großen, weiten Mantel aus Samt, mit einer silbernen Kette, und er schaute sich an. Und dann hat er den ‚Saturno’ genommen (den Priesterhut), hat ihn angezogen und sich angeschaut. Ein strenger Weltlicher. Und jenem Priester – der Monsignore ist ein weiser Mann, ein sehr weiser – ist es gelungen, den Schmerz zu überwinden. Mit gesundem Humor hat er hinzugefügt: ‚Und dann sagt man, dass die Kirche das Frauenpriestertum nicht zulässt!’. So endet dann das, was der Priester tut, wenn er zu einem Funktionär wird, einfach im Lächerlichen, immer“.

Bei der Gewissenserforschung müsse der Priester dies beachten: „War ich heute ein Funktionär oder ein Mittler? Habe ich mich selbst behütet, habe ich mich selbst gesucht, meine Bequemlichkeit, meine Ordnung, oder habe ich es zugelassen, dass der Tag dem Dienst an den anderen gewidmet war?“. Franziskus berichtete, dass ihm einmal jemand gesagt habe, dass er die Priester an ihrer Haltung gegenüber Kindern erkenne: „Wenn sie es verstehen, ein Kind zu liebkosen, es anzulächeln, mit ihm zu spielen... Das ist interessant, weil es bedeutet, dass sie es verstehen, sich hinabzubeugen, sich den kleinen Dingen zu nähern“.

Der Mittelmann dagegen sei traurig, „immer mit diesem traurigen oder zu ernsten, finsteren Gesicht. Der Mittelsmann hat einen finsteren Blick, einen sehr finsteren! Der Mittler dagegen ist offen: das Lächeln, das Empfangen, das Verständnis, die Liebkosungen“.

Zum Schluss einer Betrachtungen verwies der Papst auf drei „Ikonen“ von Priestern, die Mittler und keine einfachen Mittelsmänner gewesen seien. Der erste sei der große Heilige Polykarp gewesen, der über seine Berufung keine Verhandlungen führe und mutig auf den Scheiterhaufen steige. Und als das Feuer ihn ergriffen habe, seien die Gläubigen dort gewesen und hätten den Duft von Brot gerochen. Das sei das Ende eines Mittlers: wie ein Stück Brot, für seine Gläubigen.

Als zweite Ikone erwähnte Franziskus den heiligen Franz Xaver, der als junger Mann auf dem Strand von San-cian sterbe und dabei nach China blicke. Dorthin habe er sich begeben wollen, doch er könne es nicht mehr, da ihn der Herr zu sich gerufen habe.

Die letzte Ikone eines Mittlers sei dann der alte Paulus bei Tre Fontane. An jenem Morgen „sind die Soldaten zu ihm gegangen, sie haben ihn geholt, und er ging gekrümmt“. Er habe sehr wohl gewusst, dass es dazu durch den Verrat einiger in der christlichen Gemeinde gekommen sei. Doch er habe so viel gekämpft in seinem Leben, dass er sich dem Herrn als Opfer darbringe:

„Drei Ikonen, die uns helfen können. Schauen wir auf sie: wie will ich mein Leben als Priester beenden? Als Funktionär, als Mittelsmann oder als Mittler, das heißt am Kreuz?“.

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