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Menschenrechtler kritisieren Merkels Lob für Ägypten

1. März 2017 in Aktuelles, 10 Lesermeinungen
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Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) nennt das Merkellob einen „Schlag ins Gesicht der Kopten“, denn „Ägyptens Christen leiden auch unter Staatspräsident Abdel Fatah al Sisi noch immer unter Diskriminierung, Willkür und Straflosigkeit.“


Göttingen (kath.net) Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, die autoritäre Staatsführung Ägyptens zu hofieren, um das Land zu mehr Kooperation in Flüchtlings-und Migrationsfragen zu bewegen. „Wenn die Bundeskanzlerin Ägypten für seine angeblich beispielhafte Christen-Politik lobt, dann ist dies ein Schlag ins Gesicht der Kopten. Denn Ägyptens Christen leiden auch unter Staatspräsident Abdel Fatah al Sisi noch immer unter Diskriminierung, Willkür und Straflosigkeit“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen, wie einer Pressemeldung zu entnehmen ist. Die Kritik kommt unmittelbar vor dem Ägyptenbesuch der deutschen Politikerin, sie wird dort vom Staatspräsidenten al Sisi empfangen, außerdem wird sie sich mit dem koptischen Papst Tawadros II. treffen.


Die GfbV wies darauf hin, dass die Bundeskanzlerin in einer am Samstag verbreiteten Video-Botschaft ausdrücklich die Unterstützung von Ägyptens Regierung für die Kopten gewürdigt hatte, sie hatte die Freiheit zur Religionsausübung für Kopten als „beispielhaft“ für ein muslimisch geprägtes Land bezeichnet.

Dem widersprach die GfbV. Delius erläuterte: „Der jahrelange Streit um ein im September 2016 ratifiziertes Gesetz zur Regelung des Neubaus und der Renovierung von Kirchen zeigt, wie ungleich die Behandlung von Christen und Muslimen in Ägypten ist“. In der Praxis könne Neubau von Kirchen auch weiterhin von Gouverneuren willkürlich abgelehnt werden; willkürlich ist auch die Prüfung durch die Behörden, ob die Kirchgemeinden eine angemessene Zahl von Gläubigen nachweisen können, um einen Neubau zu rechtfertigen. Im Alltag bleiben die meisten Übergriffe auf Kopten strafrechtlich ungesühnt. Auch in Streitfällen empfehlen Ägyptens Behörden den Christen oft, nicht auf der Durchsetzung ihrer Rechte zu beharren, sondern Muslimen Vorrang zu geben. Delius stellte fest: „Viele Kopten sehen sich daher als rechtlos und Bürger zweiter Klasse an.“


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