13 Oktober 2017, 11:15
Das Sonnenwunder von Fatima – Was wirklich geschah
 
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„Wie zur Besiegelung des prophetischen Appells zu Umkehr und Gebet endeten die Erscheinungen von Fatima mit dem bestdokumentierten Wunder unserer Zeit.“ Gastbeitrag von Michael Hesemann

Fatima (kath.net) Wie zur Besiegelung ihres prophetischen Appells zu Umkehr und Gebet endeten die Erscheinungen von Fatima mit dem bestdokumentierten Wunder unserer Zeit. Das Außergewöhnliche an diesem Wunder ist nicht nur die Zahl der Augenzeugen, die bei zwischen 70.000 und 100.000 angegeben wird. Sondern vor allem, dass es bereits Monate zuvor angekündigt worden war, auf den Tag und die Stunde genau.

Bereits Monate zuvor angekündigt

Schon in der ersten Erscheinung am 13. Mai 1917 bat die „Dame, ganz in weiß gekleidet, strahlender als die Sonne“ die drei Kinder Lucia dos Santos (10), Francisco Marto (8) und Jacinta Marto (7), in den folgende fünf Monaten jeweils am 13. um 12.00 Uhr mittags in die Cova da Iria, ein natürliches Amphitheater bei Fatima, zu kommen.

Am 13. Juli, als sie den Kindern die „drei Geheimnisse“ offenbarte, erklärte sie: „Kommt weiterhin jeden Monat hierher! Im Oktober werde ich euch sagen, wer ich bin und was ich wünsche und werde ein Wunder tun, damit alle glauben.“

Die Erscheinung am 13. August fand nicht statt, weil der Ortsvorsteher, ein Freimaurer, die Kinder zuvor entführte, ins Gefängnis warf und unter Androhung von Folter und Tod versuchte, hinter ihr Geheimnis zu kommen und sie zur Ableugnung der Erscheinungen zu zwingen. Erst auf Druck ihrer Eltern und der anderen Dorfbewohner kamen sie am 15. wieder frei. Die Gottesmutter erschien ihnen stattdessen am 19. August an einem Ort namens Valinhos und bekräftigte: „Ich werde im letzten Monat (der Erscheinungen) ein Zeichen wirken, damit alle glauben können.“ Bei der nächsten regulären Erscheinung am 13. September, jetzt wieder in der Cova da Iria, wiederholte sie zum dritten Mal: „Im Oktober werde ich das Wunder wirken, damit alle glauben.“ Während gewöhnlich Wunder als spontane Einbrüche des Übernatürlichen – der Wirklichkeit Gottes – in unsere Wirklichkeit erscheinen, ist das Sonnenwunder von Fatima der einzige (zumindest mir bekannte und von der Kirche als authentisch anerkannte) Fall, dass ein Wunder drei Monate vorher auf den Tag, den Ort und die Stunde genau angekündigt worden war. Damit war es auch wissenschaftlich überprüfbar, man musste nicht „bloß daran glauben“. Jeder Skeptiker, jeder kritische Journalist und jeder Wissenschaftler war eingeladen, mit jedem nur denkbaren Messinstrument vor Ort zu erscheinen. Die Kriegswirren, vor allem aber die antiklerikale Einstellung des damals freimaurerisch geprägten portugiesischen Establishments und die katastrophalen Reisebedingungen zu dieser Zeit mögen freilich vor allem Vertreter der Wissenschaft entmutigt haben. Der Aufwand „lohnte“ sich nicht für sie, zu groß war die Gefahr, sich durch die reine Bereitschaft, ein Wunder für möglich zu halten, bis auf die Knochen zu blamieren. Besorgt waren allerdings auch die Eltern der Seherkinder. Als bodenständige Landmenschen befürchteten sie insgeheim oder sogar offen, dass ihre Kinder sich die Erscheinungen nur eingebildet hatten und sorgten sich um die Reaktion der Schaulustigen, wenn das versprochene Wunder vielleicht doch ausbleiben oder die Massen enttäuschen würde. Zudem kursierten Gerüchte, dass Gegner der Erscheinungen eine Bombe auf dem Erscheinungsgelände detonieren lassen wollten, um dem „Marienspuk“ ein Ende zu bereiten.

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Die Sorge der Eltern

„Willst du nicht endlich zugeben, dass in der Cova da Iria nichts geschehen ist?“, bedrängte ihre Mutter, die zeitlebens nicht an die Erscheinungen glauben konnte, das Sehermädchen Lucia. Noch am Tag vor dem versprochenen Wunder versuchte sie, ihr Angst zu machen: „Kind, lass uns heute beichten gehen. Man sagt, dass wir morgen in der Cova sterben müssen. Wenn die Madonna das versprochene Wunder nicht bewirkt, bringen uns die Leute um. Deshalb ist es besser, wenn wir beichten, damit wir auf den Tod vorbereitet sind.“ Doch Lucia ließ sich nicht beunruhigen: „Ich habe keine Angst, sterben zu müssen. Ich bin ganz sicher, dass die Madonna morgen ihr Versprechen halten wird.“ Schließlich begleiteten ihre Eltern sie am Morgen des 13. Oktobers zur Erscheinungsstätte: „Wenn Lucia sterben muss, sterben wir mit ihr“, hatte ihr Vater entschieden.

Ähnlich besorgt waren die Eltern ihrer Cousine Jacinta und ihres Cousins Francisco, das Ehepaar Marto. Nachbarn hatten ihren Vater gewarnt, nicht mit zur Erscheinungsstätte zu kommen. „Es kann sein, dass du angegriffen wirst; den Kindern werden sie nichts tun, da sie noch klein sind, aber bei dir ist es anders!“ „Ich gehe, weil ich Vertrauen habe“, erwiderte er darauf, „Ich habe nicht die geringste Angst und bin zuversichtlich, dass alles gut gehen wird.“ Auch seine Kinder zeigten sich furchtlos. „Sollten sie uns etwas tun, so werden wir in den Himmel kommen“, meinte das Sehermädchen Jacinta, „aber die armen Leute, die uns töten, kommen in die Hölle.“

Es regnete in Strömen

Doch der Himmel hatte es den Gläubigen und Schaulustigen nicht leicht gemacht an diesem 13. Oktober 1917. Das Wetter war katastrophal, schwere Wolken hingen schon am Vortag über der Serra de Aire, dem Bergland im Herzen Portugals, ein kalter Nordwestwind kündete den nahenden Winter an und die ganze Nacht vom 12. auf den 13. Oktober über fiel ein unangenehmer Nieselregen. Die feuchte Kälte durchdrang die Kleider der Menschen, die auf dem Weg nach Fatima waren oder bereits in der Cova da Iria lagerten. Bei Sonnenaufgang am 13. Oktober sah das Wetter geradezu bedrohlich aus. Schwere, schwarze Wolken ballten sich über Fatima zusammen. Gegen zehn Uhr begann es, heftig zu regnen. Ein starker Wind peitschte den Menschen die Wassermassen ins Gesicht, die den Boden aufweichten und die Kleidung der Pilger vollends durchnässten.
Es regnete, regnete, regnete ohne Unterlass. Die Baumwollröcke der Frauen tropften und hingen wie Blei um ihre Knöchel. Wasser rann von neuen Mützen und Hüten, die extra für diesen Tag gekauft worden waren, durchweichte Stiefel und Schuhe, die durch den Schlamm stapften. Andere standen barfuß im Schlamm, hatten ihre nassen Schuhe ausgezogen und über dem Kopf zusammengebunden. Doch der Pilgerstrom riss nicht ab. An den Menschenmassen vorbei zogen schwer beladene Ochsenkarren und luxuriöse Automobile, geschlossene Kutschen und Karren mit improvisierten Sitzen, alle zum Bersten voll. Viele hatten ihre Tiere mitgebracht, damit diese während ihrer Reise versorgt würden, andere trugen Proviant für zwei oder drei Tage mit sich. Esel schrien am Straßenrand, und die zahllosen Radfahrer unternahmen alles, um nicht mit den Karren und Tieren und Wagen zu kollidieren. Wer klug war, und das waren die meisten, hatte einen Regenschirm mitgebracht. Von oben gesehen, erschien die Cova da Iria wie ein sich beständig ausdehnender riesiger dunkler Fleck – Tausende und Abertausende von Gottesgeschöpfen, die auf ein Wunder warteten, auf Segen und die Linderung ihrer Nöte oder auch darauf, dass die Kinder sich gründlich blamierten, standen dort unter aufgespannten Schirmen. Je näher man der Erscheinungsstätte kam, desto lauter wurde das Gemurmel aus zigtausend Stimmen der Gläubigen, die den Rosenkranz beteten und das bis nach Aljustrel drang, wo es die Kinder auf die Schicksalsstunde ihres Lebens vorbereitete.

Niemand konnte die Menschen zählen, die in der Cova da Iria auf ein Wunder warteten. Schätzungen gehen von 50.000 bis 70.000 Personen aus. Ein Zeuge, der Naturwissenschaftler und Universitätsprofessor Dr. José Almeida Garrett aus Coimbra, der auf einer Anhöhe am Rande der Cova da Iria stand und folglich einen guten Überblick über die Menschenmenge hatte, kam in seiner Berechnung sogar auf die unglaubliche Zahl von 100.000 Anwesenden.

Noch am Vormittag hatte die antiklerikale republikanische Regierung alles versucht, den Ansturm der Menschen zu verhindern, und ließ die Nationalgarde aufmarschieren. Über Stunden hinweg versuchten die Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten, die Menschen davon abzuhalten, dass sie in die Cova da Iria hinabstiegen. „Die Menschenmenge durchbrach an einer Ecke die Absperrung“, erinnerte sich später ein Augenzeuge, der Amerikaner Dominic Reis: „Als die Soldaten sich dieser Ecke zuwandten, um die Lücke zu schließen, durchbrach die Masse an einer anderen Stelle die Abriegelung. Und ehe man sich versah, kamen alle durch.“

Die Erscheinung kehrt zurück

Als die Kinder gegen 11.30 Uhr in Begleitung ihrer Eltern das Haus verließen, goss es noch immer in Strömen. Die Straße war voller Schlamm, was freilich viele gläubige Frauen nicht davon abhielt, vor den Kindern niederzuknien, die sie bereits für Heilige hielten. An der Cova da Iria angekommen, war die Menge so dicht gedrängt, dass es unmöglich schien, durchzukommen. Ein Chauffeur hob die kleine Jacinta auf und bahnte sich einen Weg zu der Erscheinungsstätte, gefolgt von Francisco und Lucia. Ein Unbekannter schlug mit einem Stock auf den Vater der Marto-Kinder ein, doch andere schlossen eine Menschenkette, um die Familie zu schützen.

„An der Seite stand ein großer Baum, um ihn herum kleine Bäume von niedrigem Wuchs, und die Kinder waren da“, erinnerte sich Dominic Reis: „Nun begann es, noch stärker zu regnen… es schien als ob man einen Wasserhahn im Haus aufgedreht hätte. Regen! … An dem Platz, wo ich stand, war das Wasser auf fast drei Zoll (7,5 cm) angestiegen und der Boden war mit Schlamm bedeckt … ich war total durchnässt.“ Pünktlich um 12.00 Uhr mittags hatten die Kinder die kleine Steineiche erreicht, über der ihnen die Gottesmutter in den vergangenen Monaten immer wieder erschienen war. Kurz richtete Lucia den Blick nach Osten, dann rief sie ihrer Cousine zu: „Jacinta, knie nieder! Unsere Liebe Frau kommt! Ich sah den Blitzstrahl!“ Die Menge wies sie an: „Seid ruhig, seid ruhig! Unsere Liebe Frau kommt!“ Just in diesem Moment hörte es auf zu regnen, schien sich der Himmel allmählich aufzuhellen. Die Gesichter der Seherkinder veränderten sich, ihre Züge wurden feiner, ihr Ausdruck ernst. Zum letzten Mal sahen sie die wunderschöne, weiße Frau, die, von einem Lichtglanz umgeben, über der kleinen Steineiche schwebte und ihnen jetzt endlich offenbarte, wer sie ist und bekräftigte, weshalb sie gekommen war: „Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende, und die Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren… (Die Menschen) müssen sich bessern und um Vergebung ihrer Sünden bitten. Man soll Gott unseren Herrn nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist.“

Noch einmal, zum letzten Mal, nahm die „schöne Dame“ Abschied von den Kindern. Sie öffnete ihre Hände und ließ sie in einem gleißenden Lichtschein erstrahlen. Während sie sich erhob und auf die Sonne zuglitt, strahlte ihr eigenes Licht am Himmel und schien sich mit der Helligkeit des Zentralgestirns, das jetzt zwischen den Wolken hervorgekommen war, zu vereinigen. „Dort geht sie, dort geht sie, schaut zur Sonne!“, rief Lucia, die Augen auf die wunderbare Erscheinung gerichtet. In diesem Augenblick wurden Tausende Schirme zusammengeklappt, schauten die Massen zum Himmel hinauf. Und was sie dort sahen, raubte ihnen den Atem. Sie wurden tatsächlich Zeugen des Zeichens, das die Gottesmutter ihnen versprochen hatte.

Was kritische Journalisten bezeugten

Die Zeitung „Dia“ vom 17. Oktober 1917 beschrieb das Wunder, das sich jetzt ereignete, wie folgt: Um zwölf Uhr Ortszeit … „hörte es auf zu regnen. Der Himmel war von einer gewissen grauen Klarheit, schien aber auf einmal dunkler zu werden. Die Sonne schien wie von einem Schleier verhüllt. Wir konnten die Sonne ohne Anstrengung anschauen. Die graue Perlmuttfärbung begann sich zu verwandeln, wie in eine silbrige Scheibe, die immer größer wurde, bis sie durch die Wolken brach! Dann fing die silbrige Scheibe, die immer noch in das gräuliche Licht gehüllt war, an, sich zu drehen und innerhalb des Kreises der Wolken, die sich verzogen hatten, zu wandern. Die Menschen schrien mit einer Stimme laut auf. Tausende fielen in Ekstase auf ihre Knie auf den mit Schlamm bedeckten Boden. Dann verwandelte sich das Licht in ein seltenes Blau und warf seine Strahlen auf die Menschenmenge, wie wenn Licht durch das bunte Glasfenster einer großen Kathedrale auf das Hauptschiff scheinen würde. Langsam verblasste das Blau und nun schien das Licht wie durch Gelb gefiltert. Gelbe Flecken fielen jetzt auf die weißen Kopftücher und die dunklen Hemden aus rauer Wolle. Diese Flecken wiederholten sich selbst unendlich oft in der Landschaft. Viele Menschen weinten und beteten unbedeckten Hauptes, erdrückt von der Größe des Wunders. Das waren Sekunden, Augenblicke, die wie Stunden schienen, so intensiv war das Erlebnis.“


Auch Avelino de Almeida, Reporter der republikanischen Zeitung „O Seculo“ die bislang immer zynisch über Fatima berichtet hatte, musste einräumen:
„Vor den erstaunten Augen der Menge, die, barhäuptig den Blick zum Himmel gewandt, einen biblischen Anblick bot, begann die Sonne zu zittern und führte plötzlich unglaubliche, außerhalb jeglichen kosmischen Gesetzes liegende Bewegungen aus. Die Sonne ‚tanzte‘, das war der typische Ausdruck, wie er von den Leuten gebraucht wurde. (…) Die große Mehrheit bestätigte, dass sie die Sonne ‚zittern‘ und ‚tanzen‘ sah, während andere glaubten, das Antlitz der seligen Jungfrau gesehen zu haben. Wieder andere schworen, dass sich die Sonne um sich selbst gedreht habe wie ein gigantisches Feuerrad und dass sie sich der Erde näherte, als wollten ihre Strahlen sie verbrennen. Einige hatten festgestellt, dass sich die Farben laufend änderten.“

Der Rechtsanwalt Dr. Domingo Pinto Coelho, Autor mehrerer Bücher und Vizepräsident des portugiesischen Senats unter Sidonio Pais, gehört sicher zu den renommiertesten Zeugen des Sonnenwunders. In einem Gastbeitrag für die Zeitschrift „Ordem“ schrieb er:
„Die Sonne, in einem Moment von roter Flamme umloht, im anderen von Gelb und tiefem Purpur umgeben, schien sich mit unglaublicher Geschwindigkeit zu drehen, sich zeitweise vom Himmel zu lösen und sich unter heftiger Hitzeeinwirkung der Erde zu nähern.“

Der Amerikaner Dominic Reis, den wir oben bereits zitiert haben, setzte seine Schilderung der Ereignisse dieses Tages wie folgt fort:
„Und dann hörte es auf einmal auf zu regnen. Die Sonne begann am Firmament von einer Stelle zur anderen zu rollen, und die Farben wechselten von blau zu gelb und zu vielen anderen Farben. Dann sahen wir, wie die Sonne auf die Kinder zukam in Richtung des Baumes. Alle Menschen schrien laut auf. Manche begannen, laut ihre Sünden zu beichten, weil keine Priester in der Nähe waren… Sogar meine Mutter riss mich an sich, fing an zu weinen und sagte: ‚Das ist das Ende der Welt!‘ Wir sahen, wie die Sonne direkt in die Bäume hinein fuhr. Dann richteten sich die drei Kinder auf, wandten sich den Menschen zu und sagten: ‚Betet, betet innig, es wird alles gut werden.‘“

Studien zum Sonnenwunder

Glücklicherweise existieren gleich drei unabhängige Studien zum „Sonnenwunder“ von Fatima. Die erste war Teil der allgemeinen Untersuchung der Erscheinungen, die der Bischof der neu errichteten Diözese Leiria, Don José Alves Correira da Silva, am 3. Mai 1922 in Auftrag gab; sie kam acht Jahre später zu dem Ergebnis, dass „die Visionen der Hirtenkinder in der Cova da Iria, Pfarrei von Fatima, vom 13. Mai bis 13. Oktober 1917 glaubwürdig“ seien. Der Bischof erlaubte fortan offiziell „die Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima.“ Der 2200-seitige Untersuchungsbericht wurde 2002 im Rahmen der „Documentacao critica de Fatima“ („Kritische Dokumentation über Fatima“) veröffentlicht.

Die zweite wichtige Quelle ist das Buch des italoamerikanischen Priesters John de Marchi, „The Immaculate Heart“ („Das Unbefleckte Herz“). Marchi hatte sieben Jahre, von 1943 bis 1950, in Fatima gelebt und Hunderte Augenzeugen für sein Buch befragt.

An dritter Stelle schließlich kommt die Dokumentation „Das Sonnenwunder von Fatima“, die der amerikanische Fatima-Experte John M. Haffert 1961 veröffentlichte. Er hatte zu diesem Zweck 44 Augenzeugen persönlich interviewt, um „sieben wissenschaftlich objektive Tatsachen“ postulieren zu können:

1. Der Zeitpunkt und der Ort dieses Ereignisses wurden vorausgesagt.
2. Ein Licht von außerordentlicher Leuchtkraft konnte weithin über einen Radius von mehr als 20 Meilen (ca. 32 km) beobachtet werden. Es war wie ein „Katharinenrad“ in einem Feuerwerk, indem es helle Strahlen bunten Lichtes aussandte, die alle Objekte auf dem Boden in die ausgestrahlten Farben tauchte.
3. Nach einigen Minuten stürzte das Licht auf die Erde zu. Es kam den Menschen so nahe, dass Zehntausende Augenzeugen dachten, es sei das Ende der Welt.
4. Der große Feuerball hörte erst dann auf zu fallen, als es aussah, als schmettere er auf die Erde. Dann zog er sich wieder in den Himmel zurück.
5. Das Licht kam von der Stelle, wo die Sonne war, und zog sich wieder dorthin zurück, sodass diejenigen, die es sahen, es für die Sonne hielten.
6. Das natürliche Amphitheater, über dem das Ereignis stattfand und das durch stundenlangen, ununterbrochenen Regen völlig durchnässt war, war innerhalb weniger Minuten plötzlich wieder trocken.
7. Zehntausende Augenzeugen aus allen sozialen Schichten und mit den unterschiedlichsten religiösen Überzeugungen waren über eine Fläche von rund tausend Quadratkilometern verteilt.

Eine kollektive Suggestion oder Massenpsychose schließt der Experte kategorisch aus und zwar aus zwei Gründen:

1. Das Wunder wurde über eine großräumige Fläche auch von Menschen bezeugt, die nicht in der versammelten Menschenmenge in der Cova da Iria waren.
2. In der Menschenmenge befanden sich Wissenschaftler und Glaubensferne, Skeptiker und Agnostiker, die das Ereignis nicht nur objektiv betrachteten, sondern auch besonders darauf bedacht waren, sich vor einer kollektiven Suggestion zu schützen.

Interessanterweise wurde das Sonnenwunder nicht nur in Fatima selbst, sondern auch in einem Umkreis von 50 Kilometern Entfernung beobachtet.

Als die Menschenmassen in der Cova da Iria sich von ihrem Schrecken erholt hatten, bemerkten sie ein weiteres Phänomen: Ihre Kleidung, die zuvor von den schweren Regenschauern durchnässt worden war, war auf einmal knochentrocken. Die Wärme, die von der „tanzenden Sonnenscheibe“ ausgegangen war, hatte sie urplötzlich getrocknet.

„Sobald die Sonne an ihren richtigen Platz zurückgerollt war, fing ein Wind an, sehr stark zu wehen, aber die Bäume haben sich überhaupt nicht bewegt. Der Wind wehte, wehte und in wenigen Minuten war der Boden trocken … sogar unsere Kleider waren trocken geworden. Wir gingen hin und her und spürten unsere Kleidung gar nicht mehr. Sie war trocken und sah aus, als ob sie gerade aus der Reinigung gekommen wäre. Ich dachte, entweder habe ich jetzt den Verstand verloren oder hier war ein Wunder geschehen, ein richtiges Wunder“, berichtete der Augenzeuge Dominic Reis. Auch Joaquin da Silva Jorge, den John Haffert für sein Buch interviewte, antwortete auf die Frage, was ihn am meisten an dem Sonnenwunder beeindruckt habe: „Ich war völlig durchnässt und nachher waren meine Kleider ganz trocken.“ Er sprach damit für Tausende, die dieses Phänomen bezeugten.

Als das Wunder beendet war und die Kinder wieder zu sich kamen, strömten die Massen auf sie zu. Jeder war begeistert, jeder wollte sie berühren, etwas von dem auf sie gefallenen Segen erhaschen. Lucia wurde das Kopftuch vom Kopf gerissen, während andere ihr Haare abschnitten, wahrscheinlich um sie daheim als Reliquien zu verehren. Nicht ein einziger Anwesender hatte das Sonnenwunder nicht gesehen. Der Hauptmann des Regiments der Nationalgarde, der am Morgen noch versucht hatte, die Gläubigen am Besuch der Erscheinungsstätte zu hindern, wurde, wie viele Hunderte Ungläubige neben ihm, an diesem Tag bekehrt.

An den folgenden Tagen erschienen Berichte über das Sonnenwunder von Fatima in allen Zeitungen des Landes. Es hatte den umstrittenen Erscheinungen das Siegel der Authentizität aufgedrückt. 50.000 bis 100.000 Augenzeugen, darunter auch Kritiker, Atheisten und Vertreter der bürgerlichen Presse, konnten nicht alle Opfer einer Massensuggestion oder kollektiven Hysterie geworden sein. Kein astronomisches Observatorium, weder in Portugal noch in einem anderen Teil der Welt, hatte an diesem 13. Oktober 1917 irgendwelche Anomalien auf der Sonnenoberfläche beobachtet, eine natürliche Erklärung war also ausgeschlossen. Was immer die Zeugen von Fatima gesehen hatten, es blieb ein Mysterium.

Dr. h.c. Michael Hesemann ist Historiker und Autor zahlreicher Bücher zu Themen der Kirchengeschichte. Ende November erscheint der zweite Band seiner Reihe „Mysterium – Ungelöste Rätsel der Christenheit: Prophezeiungen, Visionen und blutende Hostien“ im Paderborner Bonifatius-Verlag, in dem auch das Sonnenwunder von Fatima ausführlich behandelt wird.

Fotostrecke: Augenzeugen beim Sonnenwunder in Fatima




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Archivfoto oben: Augenzeugen während des Sonnenwunders in Fatima







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Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Federico R. am 15.10.2017
@mhesemann - Herzl. Dank für Ihre faktengetreue ...
 
Rosenzweig am 14.10.2017
Für mich war es gestern zu diesem besonderen 100. FATIMA- Festtag...
 
mhesemann am 14.10.2017
Heroldsbach
 
Rolando am 13.10.2017
wedlerg
 
j@cobus am 13.10.2017
Hervorragender Artikel
 

 

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