10 November 2017, 13:00
Die Gnade der christlichen Unverfrorenheit und Schläue
 
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Franziskus in Santa Marta: der Smog der Seilschaften der Korruption, der die Gesellschaft verseucht. Wenn es etwas gibt, das sich der Christ nicht erlauben kann, dann ist das Naivität. Der christliche Spürsinn. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Eine Geschichte von ganz normaler Korruption. Papst Franziskus ging in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Freitag der 31. Woche im Jahreskreis, Fest des heiligen Leo des Großen, vom Tagesevangelium aus (Lk 16,1-8). Ein Verwalter wird bei seinem Herrn beschuldigt, dessen ganzes Vermögen zu verschleudern. Nachdem er entdeckt wurde, fährt er fort zu stehlen, statt sich eine Arbeit zu suchen. Dabei, so Franziskus, werde er von Komplizen unterstützt – „eine richtiggehende Seilschaft der Korruption“:

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„Mächtig sind die da, ja! Wenn sie Seilschaften der Korruption bilden, sind sie mächtig. Sie gelangen auch zu Haltungen wie in einer Mafia. Das ist die Geschichte. Doch das ist kein Märchen, das ist keine Geschichte, die wir in alten Geschichtsbüchern finden müssen: wir finden sie alle Tage in den Zeitungen, alle Tage. Das geschieht auch heute, vor allem bei denen, die bei der Verwaltung der Güter des Volkes Verantwortung tragen, nicht der eigenen, denn dieser war ein Verwalter von Gütern, die anderen gehörten, nicht der eigenen. Bei den eigenen Gütern ist keiner korrupt, er verteidigt sie“.

Die Konsequenz, die Jesus aus diesem Evangelium ziehe, bestehe in der Feststellung einer größeren Unverfrorenheit der „Kinder dieser Welt“ gegenüber den „Kindern des Lichts“: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes“ (V. 8), ihre größere Korruption, ihre „auch mit Freundlichkeit“, „mit Glaceehandschuhen“ vorangebrachte Schläue. Doch, so fragte sich Franziskus: „gibt es eine christliche Unverfrorenheit?“:

„Wenn diese da gerissener sind als die Christen – aber ich werde nicht Christen sagen, denn auch viele Korrupte nennen sich Christen –, wenn diese da gerissener sind als die, die Jesus treu sind, dann frage ich mich: gibt es eine christliche Unverfrorenheit? Gibt es eine Haltung für die, die Jesus folgen wollen, so dass sie kein schlechtes Ende nehmen, so dass sie nicht von anderen bei lebendigem Leib aufgefressen werden – wie meine Mutter sagte: ’roh aufgefressen’? Worin besteht die christliche Gerissenheit, eine Unverfrorenheit, die nicht sündig ist, sondern dazu dient, mich im Dienst am Herrn und auch in der Hilfe für die anderen weiterzubringen? Gibt es eine christliche Schläue?“.

Ja, so die Antwort des Papstes, es gebe einen »christlichen Riecher, um weiterzugehen, ohne in die Seilschaften der Korruption zu geraten“. Im Evangelium weise Jesus einige Entgegensetzungen auf, wenn er zum Beispiel von den Christen spreche, die wie Lämmer unter den Wölfen oder „klug wie die Schlangen und einfach wie die Taube“ seien. Was also „ist zu tun?“.

Franziskus verwies auf drei Haltungen: die erste bestehe in einem „gesunden Misstrauen“, als sei man vorsichtig bei dem, „der zu viel verspricht“ und „zu viel redet“ wie „jene, die dir sagen: ‚Investiere in meiner Bank, ich werde dir die doppelten Zinsen zahlen’“. Die zweite Haltung sei die des Nachdenkens: angesichts der Verführungen durch den Teufel, der unsere Schwächen kenne. Schließlich gebe es dann das Gebet:

„Wir wollen heute den Herrn bitten, dass er uns diese Gnade schenke, schlau zu sein, schlaue Christen, diese christliche Unverfrorenheit zu haben. Wenn es etwas gibt, das sich der Christ nicht erlauben kann, dann ist das Naivität. Als Christen haben wir einen Schatz in uns: den Schatz, der Heiliger Geist ist. Wir müssen ihn behüten. Und ein Naiver lässt sich den Geist stehlen. Ein Christ kann es sich nicht erlauben, naiv zu sein. Wir wollen um diese Gnade der christlichen Gerissenheit und des christlichen Spürsinns bitten. Es ist dies auch eine gute Gelegenheit, um für die Korrupten zu beten. Man redet vom Smog, der Umweltverschmutzung erzeugt, doch es gibt auch einen Smog der Korruption in der Gesellschaft. Wir wollen für die Korrupten beten: die Ärmsten, dass sie den Ausgang aus jenem Kerker finden, in den sie hineingehen wollten“.

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