28 September 2018, 11:33
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Früherer US-Nuntius Viganò veröffentlicht weiteres Dokument: Franziskus wusste seit 23.6.2013 über McCarrick Bescheid - Kardinal Quellet habe Viganò von den Sanktionen erzählt - Das SCHREIBEN im WORTLAUT in kath.net-Übersetzung - Von Petra Lorleberg

Vatikan (kath.net/pl) Mit einem weiteren Schreiben tritt der frühere Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Viganò, an die Öffentlichkeit. Der auf „LifeSiteNews“ vorab veröffentlichte Brief ist symbolträchtig auf den 29.9. (Fest des Erzengels Michael) datiert.

Im Brief erläutert Erzbischof Viganò:

- Warum er sich verpflichtet fühlt, das „Päpstliche Schweigen“ zu brechen, das er eigentlich einzuhalten gelobt hatte: „Der Zweck jedes Geheimnisses – einschließlich des päpstlichen Geheimnisses – ist es, die Kirche vor ihren Feinden zu schützen, nicht aber, zu vertuschen und sich an Verbrechen zu beteiligen, die von einigen ihrer Mitglieder begangen werden.“

- Er betont ausdrücklich: „Zentrum meines Zeugnisses war, dass der Papst seit mindestens dem 23. Juni 2013 von mir wusste, wie pervers und wie böse McCarrick in seinen Absichten und Handlungen war, und anstatt dass er die Maßnahmen ergriffen hätte, die jeder gute Hirte ergreifen würde, machte der Papst McCarrick zu einem seiner Hauptverantwortlichen in der Leitung der Kirche – für die Vereinigten Staaten, für die Kurie und sogar für China, wie wir diesen Tagen mit großer Besorgnis und Angst um diese Märtyrerkirche sehen.“

- Er erinnert weiter daran, dass der Papst zunächst ankündigte, zu der Sache kein einziges Wort sagen zu wollen, sich dann aber mit dem vor Pilatus schweigenden Jesus verglichen hatte und Viganò ohne Namensnennung mit dem großen Ankläger Satan, der in der Kirche Skandal und Spaltung sät, gleichsetzt.

- Papst Franziskus habe bei den Priestern Julio Grassi und Mauro Inzoli vertuscht und die Untersuchung von Vorwürfen wegen sexueller Gewalt gegen Kardinal Cormac Murphy O'Connor gestoppt

- Er spricht Kardinal Marc Ouellet, den Präfekten der Bischofskongregation, direkt an: „Eminenz, bevor ich nach Washington aufbrach, waren Sie derjenige, der mir von den Sanktionen von Papst Benedikt gegen McCarrick erzählt hat. Sie haben zu Ihrer vollen Verfügung Schlüsseldokumente, die McCarrick und viele in der Kurie für ihre Vertuschungen belasten. Eminenz, ich bitte Sie, die Wahrheit zu bezeugen.“

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kath.net dokumentiert das Schreiben von Erzbischof Carlo Viganò in voller Länge in eigener Übersetzung – © für die Übersetzung: kath.net/Petra Lorleberg – (Link zum englischsprachigen Originalschreiben auf „LifeSiteNews“):

Tit. Erzbischof von Ulpiana
Apostolischer Nuntius
Scio Cui Credidi
(2 Tim 1,12)

Bevor ich mit dem Schreiben anfange, möchte ich zunächst Gott dem Vater für jede Situation und jede Prüfung danken, die er in meinem Leben vorbereitet hatte und [zukünftig] für mich vorbereiten wird. Als Priester und Bischof der heiligen Kirche, der Braut Christi, bin ich wie jeder getaufte Mensch dazu berufen, von der Wahrheit Zeugnis abzulegen. Durch die Gabe des Geistes, der mich auf dem Weg, auf dem ich berufen bin zu reisen, mit Freude erfüllt, beabsichtige ich, dies bis zum Ende meiner Tage zu tun. Unser einziger Herr hat auch an mich die Einladung gerichtet: „Folge mir nach!“, und ich beabsichtige, mit Hilfe seiner Gnade ihm bis zum Ende meiner Tage zu folgen.

„Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe,
will meinem Gott spielen, solange ich da bin.
Möge ihm mein Lied gefallen.
Ich will mich freuen am Herrn.“

(Psalm 104, 33-34) *

*****

Es ist einen Monat her, dass ich mein Zeugnis – ausschließlich zum Wohle der Kirche – abgegeben habe in Bezug auf das, was bei der Audienz mit Papst Franziskus am 23. Juni 2013 geschehen war, und in Bezug auf bestimmte Angelegenheiten, die ich in den mir vom Staatssekretariat und in Washington anvertrauten Anweisungen, in Bezug auf diejenigen erhalten habe, die Verantwortung für die Vertuschung der Verbrechen des früheren Erzbischofs dieser Hauptstadt tragen.

Meine Entscheidung, diese schwerwiegenden Fakten zu enthüllen, war für mich die schmerzhafteste und schwerste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe. Ich habe sie nach langen Überlegungen und Gebeten, während Monaten des tiefen Leidens und der Angst, während eines Crescendos fortwährender Nachrichten über schreckliche Ereignisse von Tausenden von unschuldigen Opfern, die zerstört wurden, und von den Berufungen und Leben junger Priestern und Ordensleuten, die aus der Bahn geworfen wurden. Das Schweigen der Hirten, die Abhilfe hätten schaffen und neue Opfer hätten verhindern sollen, wurde zunehmend unhaltbarer, ein verheerendes Verbrechen für die Kirche. Ich bin mir der enormen Konsequenzen bewusst, die mein Zeugnis haben könnte, denn was ich enthülle betrifft direkt den Nachfolger von Petrus. Ich entschied mich dennoch zu sprechen, um die Kirche zu beschützen, und erkläre mit einem reinen Gewissen vor Gott: Mein Zeugnis ist wahr. Christus starb für die Kirche, und Petrus, Servus servorum Dei [Diener der Diener Gottes], ist der Erste, der dazu berufen ist, der Braut Christi zu dienen.

Gewiss, einige der Tatsachen, die ich zu enthüllen hatte, waren durch das päpstliche Geheimnis geschützt, das ich einzuhalten versprochen und das ich seit Beginn meines Dienstes beim Heiligen Stuhl treu eingehalten hatte. Aber der Zweck jedes Geheimnisses – einschließlich des päpstlichen Geheimnisses – ist es, die Kirche vor ihren Feinden zu schützen, nicht aber, zu vertuschen und sich an Verbrechen zu beteiligen, die von einigen ihrer Mitglieder begangen werden. Ich war unfreiwilliger Zeuge schockierender Fakte, und wie der Katechismus der Katholischen Kirche feststellt (§ 2491), ist das Siegel der Geheimhaltung nicht bindend, wenn sehr schwerer Schaden nur dadurch vermieden werden kann, dass man die Wahrheit offenbart. Ausschließlich das Beichtsiegel hätte mein Schweigen rechtfertigen können.

Weder der Papst noch irgendeiner der Kardinäle in Rom haben die Tatsachen bestritten, die ich in meinem Zeugnis zur Geltung gebracht habe. „Qui tacet consentisit“ [Wer schweigt, stimmt zu] trifft hier sicherlich zu, denn wenn sie mein Zeugnis abstreiten [wollen], dann müssen sie das nur sagen und Unterlagen zur Verfügung stellen, um dieses Bestreiten zu unterstützen. Wie könnte irgendjemand vermeiden zu dem Schluss zu kommen, dass der Grund, warum sie diese Dokumentation nicht zur Verfügung stellen, darin besteht, dass sie wissen, dass sie [diese Dokumentation] meine Aussage bestätigen würde?

Zentrum meines Zeugnisses war, dass der Papst seit mindestens dem 23. Juni 2013 von mir wusste, wie pervers und wie böse McCarrick in seinen Absichten und Handlungen war, und anstatt dass er die Maßnahmen ergriffen hätte, die jeder gute Hirte ergreifen würde, machte der Papst McCarrick zu einem seiner Hauptverantwortlichen in der Leitung der Kirche – für die Vereinigten Staaten, für die Kurie und sogar für China, wie wir in diesen Tagen mit großer Besorgnis und Angst um diese Märtyrerkirche sehen.

Nun, die Antwort des Papstes auf mein Zeugnis war: „Ich werde dazu kein einziges Wort sagen!“ Aber dann hat er – im Widerspruch zu sich selbst – sein eigenes Schweigen mit dem Schweigen Jesu in Nazareth und vor Pilatus verglichen, mich hat er mit dem großen Ankläger Satan verglichen, der in der Kirche Skandal und Spaltung sät – ohne jedoch jemals meinen Namen zu erwähnen. Wenn er gesagt hätte: „Viganò hat gelogen“, hätte er meine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt, während er versuchte hätte, seine eigene Glaubwürdigkeit zu stärken. Damit hätte er [aber] die Forderung des Volkes Gottes und der Welt nach der Dokumentation verstärkt, die gebraucht wird, um zu beurteilen, wer die Wahrheit gesagt hat. Stattdessen führte er eine subtile Verleumdung gegen mich ein – Verleumdung [aber] ist eine Beleidigung, die er oft mit der Schwere des Mordes verglichen hat. In der Tat, er hat es wiederholt getan, während der Feier des Allerheiligsten Sakramentes, der Eucharistie, wo er nicht riskiert, von Journalisten dazu befragt zu werden. Als er mit Journalisten sprach, bat er sie, ihre berufliche Reife auszuüben und eigene Schlüsse zu ziehen. Aber wie können Journalisten recherchieren und die Wahrheit wissen, wenn die direkt Beteiligten sich weigern, irgendwelche Fragen zu beantworten oder irgendwelche Dokumente zu veröffentlichen? Die Unwilligkeit des Papstes, auf meine Anklagen zu reagieren, seine Taubheit gegenüber den Appellen der Gläubigen nach Rechenschaft, entspricht schwerlich seinen Forderungen nach Transparenz und zum Bauen von Brücken.

Zudem war die Vertuschung des Papstes bezüglich McCarrick durch den Papst eindeutig kein einzelner Fehler. In der Presse wurden in letzter Zeit viele weitere Fälle dokumentiert, die zeigen, dass Papst Franziskus homosexuelle Geistliche verteidigt hat, die schwere sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige oder Erwachsene begangen haben. Dazu gehört seine Rolle im Fall des Priesters Julio Grassi in Buenos Aires, seine Wiedereinstellung des Priesters Mauro Inzoli, nachdem Papst Benedikt ihn aus dem Dienst entlassen hatte (bis Inzoli ins Gefängnis kam, daraufhin laisierte ihn Papst Franziskus) und sein Stoppen der Untersuchung von Vorwürfen wegen sexueller Gewalt gegen Kardinal Cormac Murphy O'Connor.

In der Zwischenzeit reiste eine Delegation der US-amerikanischen katholischen Bischofskonferenz unter der Leitung ihres Präsidenten, Kardinal DiNardo, nach Rom und bat darum, dass der Vatikan gegen McCarrick ermittle. Kardinal DiNardo und die anderen Prälaten sollten der Kirche in Amerika und in der Welt erzählen: Hat sich der Papst geweigert, eine Ermittlung durch den Vatikan zu McCarricks Verbrechen und der Verantwortlichen für ihre Vertuschung durchzuführen? Die Gläubigen verdienen es, dies zu wissen.

Ich möchte einen besonderen Appell an Kardinal Ouellet richten, weil ich als Nuntius mit ihm immer sehr harmonisch zusammengearbeitet habe und ich ihm gegenüber stets eine große Wertschätzung und Zuneigung gehegt hatte. Er wird sich erinnern, dass er mich am Ende meiner Mission in Washington abends in seiner Wohnung in Rom zu einem langen Gespräch empfangen hatte. Zu Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus hatte er seine Würde bewahrt und jenen Mut gezeigt, den er als Erzbischof von Quebec bewiesen hatte. Später jedoch, als seine Arbeit als Präfekt der Kongregation für die Bischöfe unterminiert wurde, weil die Empfehlungen für Bischofsernennungen von zwei homosexuellen „Freunden“ seines Dikasteriums unter Umgehung des Kardinals direkt an Papst Franziskus weitergegeben wurden, gab er auf. Sein langer Artikel im „Osservatore Romano“, in dem er sich für die kontroverseren Aspekte von Amoris Laetitia ausgesprochen hat, steht für seine Kapitulation. Eminenz, bevor ich nach Washington aufbrach, waren Sie derjenige, der mir von den Sanktionen von Papst Benedikt gegen McCarrick erzählt hat. Sie haben zu Ihrer vollen Verfügung Schlüsseldokumente, die McCarrick und viele in der Kurie für ihre Vertuschungen belasten. Eminenz, ich bitte Sie eindringlich, die Wahrheit zu bezeugen.

Abschließend möchte ich Sie ermutigen, liebe Gläubige, meine Brüder und Schwestern in Christus: Seien Sie niemals mutlos! Vollziehen Sie Ihren eigenen Akt des Glaubens und vollenden Sie Ihr Vertrauen in Christus Jesus, unseren Erlöser, mit den Worten des heiligen Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus, „Scio cui credidi“ [Ich weiß, wem ich geglaubt habe], den ich als mein bischöfliches Motto gewählt habe. Dies ist eine Zeit der Buße, der Bekehrung, der Gebete, der Gnade, um die Kirche, die Braut des Lammes, vorzubereiten, bereit zu kämpfen und mit Maria den Kampf gegen den alten Drachen zu gewinnen.

„Scio Cui credidi“ (2 Tim 1,12)
In dich, Jesus, meinen einzigen Herrn, setze ich mein ganzes Vertrauen.
„Diligentibus Deum omnia cooperantur in bonum“ [Gott führt bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten] (Röm 8,28).

Zum Gedenken an meine Bischofsweihe am 26. April 1992, die mir Johannes Paul II. gespendet hat, wählte ich dieses Bild aus einem Mosaik der Markusbasilika in Venedig [siehe unten]. Es repräsentiert das Wunder der Stillung des Sturms. Ich war beeindruckt von der Tatsache, dass in dem Boot des Petrus, das vom Wasser [hin- und her] geworfen wird, die Gestalt Jesu zweimal dargestellt wird. Jesus schläft fest im Bug, während Petrus ihn aufzuwecken versucht: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir sterben werden?“ Unterdessen schauen die erschrockenen Apostel jeder in eine andere Richtung und merken nicht, dass Jesus ist hinter ihnen steht, sie segnet und das Boot fest beherrscht: „Er erwachte, tadelte den Wind und sprach zum Meer:“ Schweig! Sei still, '... dann sagte er zu ihnen:' Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? '„(Mk 4, 38-40).

Die Szene zeigt sehr genau den gewaltigen Sturm, durch den die Kirche derzeit geht, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Der Nachfolger Petri übersieht nicht nur, dass der Herr die volle Kontrolle über das Boot hat, es scheint obendrein, dass er es nicht einmal beabsichtigt, den im Bug des Schiffes schlafenden Jesus zu wecken.

Ist Christus vielleicht für seinen Stellvertreter unsichtbar geworden? Vielleicht ist er in Versuchung, selbst als Ersatz für unseren einzigen Meister und Herrn zu handeln?

Der Herr hat die volle Kontrolle über das Boot!

Möge Christus, die Wahrheit, immer das Licht auf unserem Weg sein!


+ Carlo Maria Viganò
Titularerzbischof von Ulpiana
Apostolischer Nuntius

29. September 2018
Fest des heiligen Erzengels Michael

*Anm.: Die hier benutzten Übersetzungen englischer oder lateinischer Bibeltexte entsprechen nicht vollständig der Einheitsübersetzung.

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Archivfoto Erzbischof Carlo Viganò




Erzbischof Viganò bezieht sich oben auf dieses Mosaik:





Foto Erzbischof Viganò (c) Steve Jalsevac / LifeSiteNews

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