Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Streit kocht hoch: Braucht die barocke Basilika Weingarten wirklich einen neuen „modernen“ Altar?
  2. Bischof Paprocki: FSSPX ist "im Grunde eine weitere protestantische Sekte"
  3. Ein Signal des Himmels?
  4. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  5. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  6. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  7. Bistum Huelva führt verbindliches zweijähriges Katechumenat für erwachsene Taufbewerber ein
  8. Junge brasilianische Katholiken hoffen auf mehr Glaubenslehre und ehrfürchtige Liturgie
  9. Erdbebengefahr bei Neapel: Italiens Kirche ruft zum Gebet auf
  10. Die Familie ist das Hauptziel des Bösen: Die prophetische Warnung des hl. Scharbel
  11. 'Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt; ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen'
  12. Die Liturgie: das Gebet der Kirche und Atem des Geistes
  13. „Größer als [australischer] Football: Die unstoppbare Wiederbelebung des Glaubens“
  14. Kardinal Burke ruft zu Einsatz für Ehe und Familie auf – bis zum Martyrium
  15. Schönborn: Kirchenübergaben an andere Kirchen ist der richtige Weg

„Mindszenty hatte einen ungeheuer klaren Blick für Ungerechtigkeiten“

21. Februar 2019 in Interview, 5 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Botschafter Habsburg zur laufenden Seligsprechung des Ungarn: „Ein Kardinal, der sich erst gegen Nationalsozialismus, dann in Gefängnis und Verfolgung gegen Kommunismus eingesetzte, muss Gewissensvorbild sein.“ kath.net-Interview von Petra Lorleberg


Vatikan (kath.net/pl) „Ein Kardinal, der sich erst gegen den Nationalsozialismus, dann in Gefängnis und Verfolgung gegen den Kommunismus eingesetzt hat, muss ein Vorbild im Gewissen sein.“ Das sagt Eduard Habsburg-Lothringen, früherer Pressesprecher des damaligen Bischofs von St. Pölten, Klaus Küng, Autor, Familienvater, Katholik und seit 2015 Botschafter Ungarns beim Heiligen Stuhl sowie beim Souveränen Malteserorden. kath.net interviewte den in Rom lebenden Botschafter aus Anlass der Zuerkennung des heroischen Tugendgrades an den berühmten ungarischen Kardinal József Mindszenty (1892-1975). Die Feststellung des heroischen Tugendgrades ist in der katholischen Kirche eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Selig- und Heiligsprechung.

kath.net: Was war Ihre erste spontane Reaktion, als Sie davon erfuhren, dass Papst Franziskus Kardinal Mindszenty den heroischen Tugendgrad zuerkannt hat?

Eduard Habsburg: Übergroße Dankbarkeit war mein erstes Gefühl. Sie müssen wissen, mein Vater, Michael Habsburg, der Präsident der Mindszenty-Stiftung, hat sich sein ganzes Leben lang für diese Seligsprechung eingesetzt. Ich erinnere mich, dass er mir als Kind immer gesagt hat: „Im Moment gibt es noch so viele Widerstände, dass ich nicht weiß, ob ich die Seligsprechung noch erleben werde. Aber du wirst sie erleben!“ Mit Gottes Hilfe sieht es jetzt so aus, als ob sie beide erleben werden. Der heroischer Tugendgrad ist so etwas wie die Glocke, die die letzte Runde einläutet.


kath.net: Als Botschafter am Heiligen Stuhl haben Sie ab und zu die Gelegenheit, Papst Franziskus zu treffen. Wissen Sie denn, was er persönlich von Kardinal Mindszenty hält?

Habsburg: Mit dem Papst habe ich nicht direkt über den ungarischen Kardinal gesprochen. Aber ich weiß, dass er schon seit seiner Zeit in Buenos Aires über alle ungarischen Ereignisse von 1956 und die Personen sehr gut informiert war. Und aus einigen Bemerkungen, die in den Medien berichtet wurden oder die ich von anderen Leuten gehört habe, scheint es mir, dass der Papst Mindszenty sehr schätzt.

kath.net: Was beeindruckt Sie besonders an Kardinal Mindszenty?

Habsburg: Ich glaube, am allermeisten seine große Klarheit. Er hat in wechselnden und schwierigen politischen Verhältnissen jederzeit einen ungeheuer klaren Blick für Ungerechtigkeiten gehabt. Mindszenty besitzt eine beeindruckende Sicherheit in der Entscheidung. Diese Klarheit verbindet sich bei ihm mit einem großen persönlichen Mut.

Und dann würde ich seinen Humor unterstreichen. Auf den Fotos blickt der Kardinal zwar notgedrungen sehr oft ernst drein, aber wenn man seine Autobiografie liest, spürt man diesen Humor in seinen zum Teil absurden und liebevollen Beschreibungen von Details heraus blitzen.

Er war ein tief gläubiger Priester. Einmal fragte ich einen der Augenzeugen, der ihn noch gekannt hatte, ob seiner Meinung nach Mindszenty ein Heiliger gewesen sei. Er antwortete, ohne eine Sekunde zu zögern, mit ja. Ich fragte ihn, woher er das wisse. Er antwortete, weil er ihn beim Messopfer erlebt habe. Das ist eine Dimension, die wir bei all seinem Heldenmut und politischen Engagement nie vergessen dürfen.

kath.net: Man bezeichnet ja Thomas Morus als einen „Heiligen des Gewissens“. Würden Sie auch den Kardinal als ein christliches „Vorbild des Gewissens“ bezeichnen?

Habsburg: Ich glaube, davon kann man durchaus sprechen. Ein Kardinal, der sich erst gegen den Nationalsozialismus, dann in Gefängnis und Verfolgung gegen den Kommunismus eingesetzt hat, muss ein Vorbild im Gewissen sein. Er ist seinem Gewissen und seinen Überzeugungen sogar so weit gefolgt, dass es für seine kirchlichen Vorgesetzten und vielleicht den Heiligen Stuhl nicht immer ganz einfach gewesen sein muss, weil er so klar ‚Kante gezeigt‘ hat.

Zugleich hat er aber auch das Gewissen nie unabhängig von Gehorsam gesehen. Z.B., als Papst Paul VI ihm seinen Titel als Primas von Esztergom abnahm, hat er ihn in seinen Korrespondenzen nie wieder verwendet. Eine hohe Priorität des Gewissens, ja, aber eines geformten Gewissens.

kath.net: Was würde es für Ungarn, was für die ungarischen Katholiken bedeuten, wenn einer von ihnen, mit dem sie ja die jüngere Geschichte teilen, seliggesprochen würde?

Habsburg: In vielen Interaktionen auf Twitter stelle ich fest, wie viele Verehrer der Kardinal auf der ganzen Welt hat. Aber das ist noch einmal Lichtjahre weg von der Liebe und der Begeisterung für Kardinal Mindszenty, welche die Ungarn empfinden.

Wir wissen, dass zumindest eineinhalb Millionen Ungarn jeden Tag für seine Seligsprechung beten.

Eine Seligsprechung dieses Mannes kommt zugleich auch einer Anerkennung des Kampfes des ungarischen Volkes gegen Unterdrückung und Totalitarismus gleich.

kath.net: Was ist nun der nächste Schritt im Seligsprechungsverfahren?

Habsburg: Nach der Anerkennung des heroischen Tugendgrades wird nun in der Kongregation das Wunder untersucht. Wenn diese Untersuchung positiv ausfällt, und der Papst die Seligsprechung freigibt, wäre es theoretisch möglich, das Mindszenty beim Eucharistischen Kongress im September 2020 seliggesprochen wird.

Darauf hoffen wir alle in Ungarn, und ich bitte die Leser von kath.net, uns dabei im Gebet zu unterstützen.

kath.net: Ich bin mir sehr sicher, dass sich viele unserer kath.net-Leser von Ihrer Bitte um Gebetsunterstützung inspirieren lassen! Danke für das Interview.

Foto Botschafter Eduard Habsburg


Kardinal Mindszenty


Foto (c) Eduard Habsburg


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 padre14.9. 21. Februar 2019 

"und ich bitte die Leser von kath.net, uns dabei im Gebet zu unterstützen."

sicher und gerne. Kardinal Mindszenty hat es sich verdient. Wollen wir hoffen das Papst Franziscus hier schnell und eindeutig die Richtung bestimmt. Rom kann auch über den eigenen Schatten springen, dass haben sie oft genug gemacht. In jeder Hinsicht. Selbst Savonarola hat ein Seligsprechungsverfahren bekommen. Ich kann mir gut vorstellen das Papst Franz den mutigen und standhaften Kardinal selig spricht.


3
 
 Adamo 21. Februar 2019 
 

Kardinal József Mindszenty - Vorbild für Christen -

Seine Standhaftigkeit und Unerschrockenheit gegenüber seinen Peinigern habe ich immer bewundert.

Deshalb hat es mich sehr tief getroffen, als der Kardinalsstaatsekretär Parolin bei seinem unseligen China-Abkommen mit dem Vatikan so erschreckend arrogant sagte:
"Wir wollen keinen zweiten Fall Mindszenty".

Ich bin gespannt, was er nun zum Seligssprechungsprozess zu sagen hat und ob er auch den Gebetsaufruf von Botschafter Eduard Habsburg unterstützt.


10
 
 Bonifaz2010 21. Februar 2019 
 

Hier muss ich ausnahmsweise sagen: Ich glaube es erst, wenn ich es sehe. Denn eine Seligsprechung von Kard. Mindszenty wäre doch eine ziemliche Selbstanklage für Rom. Die Älteren werden sich noch an den äußerst häßlichen Umgang des Vatikans mit dem armen Kardinal erinnern, den man in den 70er-Jahren wie eine heiße Kartoffel fallen lassen ließ, weil er der römischen "Ostpolitik", die sich an den Kommunismus anbiederte, im Wege stand.


13
 
 Fatima 1713 21. Februar 2019 
 

Allerhöchste Zeit!

Für seine Seligsprechung!


13
 
 st.michael 21. Februar 2019 
 

Ein großer Mann

Ein Märtyrer der kath.Kirche, ich bete täglich um seinen Zuspruch.
Gott kann auf diesen Diener im Weinberg stolz sein.
Ein Beispiel für unsere verirrte Kirche.


14
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Seligsprechung

  1. Vatikan stoppt Seligsprechungsverfahren für argentinischen Bischof Jorge Novak
  2. Datum für Seligsprechung von Erzbischof Fulton Sheen wird in den nächsten Wochen erwartet.
  3. Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.
  4. Vatikan möchte Seligsprechungsprozess für Isabella I. „pausieren, aber nicht beenden“
  5. Papst will NS-Opfer D'Acquisto seligsprechen - Zivilisten gerettet
  6. Is J.R.R. Tolkien a saint?
  7. Verfahren zur Seligsprechung von Franz Stock eingestellt
  8. Schwangere verschob Chemotherapie - Vatikan bestätigt heroischen Tugendgrad der jungen Mutter
  9. Seligsprechung von Kardinal Wyszynski am 12. September
  10. Vatikan: Seligsprechung van Straatens war nie ein Thema






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Streit kocht hoch: Braucht die barocke Basilika Weingarten wirklich einen neuen „modernen“ Altar?
  3. Ein Signal des Himmels?
  4. Die Familie ist das Hauptziel des Bösen: Die prophetische Warnung des hl. Scharbel
  5. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  6. Bischof Paprocki: FSSPX ist "im Grunde eine weitere protestantische Sekte"
  7. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  8. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  9. Junge brasilianische Katholiken hoffen auf mehr Glaubenslehre und ehrfürchtige Liturgie
  10. Der "rote Priester", der die Musikwelt revolutionierte
  11. Der Karmel in Christchurch/Neuseeland: Die Blüte im Verborgenen
  12. „Nur zur Klarstellung: Ich sehe mich eher als den Papst, der zufällig Amerikaner ist“
  13. Heute, nicht morgen! Der heilige Expeditus – Patron gegen das Aufschieben
  14. Eine mächtige Fürsprecherin für Ehepaare: Die heilige Birgitta von Schweden
  15. Joan Leslie: Das Hollywood-Glaubenszeugnis einer echten Heldin

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz