20 März 2019, 09:45
Eine moralische Pflicht zum 'Kirchenaustritt'?
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Vielleicht sollten Katholiken in Deutschland etwas revolutionärer werden und Marx, Bode & Co, die de facto ein Schisma mit der Weltkirche in Kauf nehmen, ganz klar mitteilen, dass dann auch der „Austritt“ folgen wird - Ein Kommentar von Roland Noé

München (‪kath.net‬/rn)
Jede Woche kommen bei ‪kath.net‬ Anfragen an, wie man denn in Deutschland die Kirchensteuer umgehen könne. Die Antwort ist relativ einfach: „Austreten“. JA, so einfach geht das. Sonst wird man in Deutschland die Kirchensteuer nicht vermeiden können. Übrigens ist neben Österreich und der Schweiz Deutschland das einzige katholische Land der Welt, in dem es eine solche Steuer gibt, und weltweit sogar das einzige Land, in dem der Staat bei der Eintreibung mithilft. Damit praktiziert ausgerechnet im „Luther-Land“ Deutschland die katholische Kirche die Vermischung eines Sakraments mit Geld in einer Extremform, die weltweit bei Katholiken für Kopfschütteln und Unverständnis sorgt.

Zurück zur Frage: Wie kann man es vermeiden? Nochmals die klare Antwort: „Austreten“. Das Wort klingt erschreckend für einen überzeugten Katholiken, aber die eigentliche Frage lautet: kann man überhaupt aus der Kirche austreten? Die Antwort ist „NEIN“. Etliche Theologen haben immer wieder betont, dass man theologisch gesehen aus der katholischen Kirche gar nicht austreten kann, da jeder Getaufte durch den Empfang dieses Sakraments definitiv in die Kirche eingegliedert wird.

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„Semel catholicus semper catholicus“ (einmal katholisch, immer katholisch) nennt sich der dogmatische Grundsatz dahinter, der nach wie vor Gültigkeit hat und deutlich gewichtiger ist als angstauslösende Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zu dem Thema.

2009 hatte Benedikt XVI. bestätigt, dass ein formaler Abfall vom Glauben der Kirche das Prägemal der Taufe nicht auslöschen kann, da es untilgbar ist.

Der Päpstliche Rat für die Interpretation von Gesetzestexten hatte 2006 erklärt: „Der Abfall von der katholischen Kirche muss, damit er sich gültig als wirklicher actus formalis defectionis ab Ecclesia darstellen kann (…), konkretisiert werden in: a) einer inneren Entscheidung, die katholische Kirche zu verlassen, b) der Ausführung und äußeren Bekundung dieser Entscheidung, c) der Annahme dieser Entscheidung von Seiten der kirchlichen Autorität“.

Fakt ist, dass es in Deutschland immer mehr Katholiken gibt, bei denen a) nicht zutrifft. Sie wollen die Kirche nicht verlassen, sie wollen lediglich kein Kirchensystem mehr finanziell fördern, welches tatsächlich vor Ort und praktischer Weise immer weniger mit Glaube und Kirche zu tun hat.

Erzbischof Georg Gänswein hatte 2016 den deutschen Weg bei Kirchenaustritten schwer kritisiert und klargestellt, dass das Schwert der Exkommunikation korrekturbedürftig sei. Gänswein hatte die Bischöfe zu einem Ende der Exkommunikation bei Kirchenaustritten aufgefordert.

"Das scharfe Schwert der Exkommunikation bei Kirchenaustritt ist unangemessen und korrekturbedürftig", so Gänswein gegenüber der Schwäbischen Zeitung. Es sei übertrieben und nicht nachvollziehbar, dass man nicht mehr Teil der Kirche sei, wenn man die Kirchensteuer nicht mehr zahlen wolle. "Man kann Dogmen infrage stellen, das tut keinem weh, da fliegt keiner raus. Ist denn das Nichtbezahlen von Kirchensteuer ein größeres Vergehen gegen den Glauben als Verstöße gegen Glaubenswahrheiten?", fragte er.

Keine Angst: Auch in Deutschland gibt es immer mehr Priester, die kein Problem damit haben, wenn ein Katholik aus der Kirche „austritt“. Die Hl. Eucharistie wird man trotzdem überall bekommen, auch ein kirchliches Begräbnis wird kaum ein Priester verweigern. Und der liebe Gott dürfte ohnedies ein viel, viel größeres Herz haben, das auch unsere Motivation kennt.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Deutschland stellt sich aber inzwischen die Frage gar nicht mehr, ob Gott ein „Kirchenaustritt“ in Deutschland beleidigen würde, sondern ob es nicht inzwischen in einigen deutschen Diözesen, in denen die Hirten seit Jahren damit beschäftigt sind, die katholische Kirche und ihre Lehre völlig zu demolieren, nicht mittlerweile bereits Pflicht wäre, aus der Kirche „auszutreten“, um damit mit dem eigenen Geld dies nicht noch zu unterstützen.

kath.net-Leser „Beethoven“ hat vor einigen Tagen beim Thema "Soll in Deutschland die katholische Sexualmoral abgeschafft werden?" folgenden Leserkommentar gepostet: „Ich stelle die Frage: Ich erkläre dem Standesamt, dass ich keine Kirchensteuer zahle. Ich will aber weder die Kirche verlassen, noch habe ich etwas ähnliches vor der zuständigen kirchlichen Autorität bekundet. Auf der anderen Seite legt ein Kardinal, der mit seiner blutroten Schärpe versprochen hat, sein Leben für Christus hinzugeben, sein Kreuz öffentlich vor aller Welt ab. Und jetzt frage ich euch: Wenn beide vor ihrem letzten Richter stehen und sich über ihre Treue zur Kirche und Christus verantworten müssen, wer von beiden wird gerichtet werden?“

Vielleicht sollten Katholiken in Deutschland hier durchaus etwas mutiger und revolutionärer werden und Bischöfen wie Marx, Bode und anderen, die beispielsweise die Sexualmoral der Kirche de facto abschaffen wollen und de facto ein Schisma mit der Weltkirche in Kauf nehmen, ganz klar ins Stammbuch schreiben, dass dann auch der „Austritt“ folgen wird. Geld ist in Deutschland bei nicht wenigen Bischöfen nach wie vor das stärkste Argument. Neue Mitglieder werden diese Bischöfe mit der Abschaffung der Sexualmoral keine gewinnen, höchstens treue Mitglieder verlieren.

Daher: Rufen Sie Ihren Bischof an oder schreiben Sie ihm dies ganz klar. Keine Angst: Auch mit einem „Kirchenaustritt“ in Deutschland bleibt man Katholik vor dem lieben Gott und hat noch immer gute Chancen in den Himmel zu kommen, wenn man ein rechtschaffenes Leben führt und auf die Barmherzigkeit Gottes vertraut.



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