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Bischof Küng: Gewissensfreiheit der Ärzte dank Palliativmedizin

25. Oktober 2019 in Prolife, keine Lesermeinung
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Lob für österreichisches Gesetz bei Wiener "Lukasmesse" der Mediziner, zugleich jedoch auch Aufrufe zu Wachsamkeit im Bereich Euthanasie und Abtreibung


Wien (kath.net/KAP) Dankbar für eine Gesetzeslage, die christlichen Ärzten ein ethisch verantwortbares Ausüben ihres Berufes ermöglicht, hat sich der frühere St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng geäußert. Beihilfe zum Suizid bzw. zur Sterbehilfe im Sinne von Euthanasie sei in Österreich, anders als etwa in den Niederlanden, Belgien und der Schweiz, weiterhin verboten, "weil bis jetzt die Mehrheit der politischen Kräfte für die Förderung und Weiterentwicklung der Palliativmedizin votiert hat", sagte Küng. Angesichts aktueller Entwicklungen gelte es dennoch, wachsam zu bleiben, so der Bischof, der selbst vor der Priesterlaufbahn Arzt war.

Die Gewissensfreiheit des Arztes werde in Österreich bisher auch dort geachtet, wo es um "Problemfelder" wie etwa die künstliche Befruchtung oder die pränatale Diagnostik geht, befand Bischof Küng. Er äußerte sich im Rahmen der Wiener "Lukasmesse", die jährlich rund um das Fest des Evangelisten und Ärzte-Patrons Lukas (18. Oktober) veranstaltet wird, diesmal in der Klosterkirche des Wiener Elisabethinen. Rund 120 Gläubige, darunter viele aktive und pensionierte Ärzte sowie Spitals- und Pflegemitarbeiter, nahmen an dem Gottesdienst teil.


"Herausfordernde Situationen" ergäben sich im Berufsalltag der medizinischen Berufe dennoch genügend, und ein Sicherheits-Gefühl sei fehl am Platz. Der Bischof verwies hier auf Musterprozesse, die Interessensgruppen wie etwa die Schweizer "Dignitas" in Österreich derzeit anstreben, um das Euthanasie-Verbot zu kippen. Weltweit und auf EU-Ebene seien zudem Einschränkungen wie etwa ein Recht auf Abtreibung eingefordert. Küng: "Solche Eingriffe in die Freiheit des Gewissens können übermorgen auch andere Bereiche betreffen. Wir dürfen hier nicht schläfrig sein."

Solidarität der Ärzte

Um das ärztliche Ethos hochzuhalten, könne es bei derartigen Entwicklungen nötig werden, "einzeln und gemeinsam aufzustehen", betonte Küng. Ärzte müssten sich wehren, wenn sie nach dem Studium eines heilenden Berufes "bei etwas mittun sollen, was das Gegenteil bewirkt" und zu solchen Handlungen genötigt werden. "Mit allen Kräften" gelte es auch zu verhindern, "dass jemand bestraft wird, weil er oder sie aus Gewissensgründen zu bestimmten Handlungen nicht bereit ist oder eine Therapie durchführt, die jemand aus eigenem Willen und legitimer Weise erbittet".

Als Gefahren für den Arztberuf bezeichnete Küng zudem die weiter fortschreitende Technologisierung: So gewaltig sich die Medizin in den vergangenen 50 Jahren auch technisch, wissenschaftlich und therapeutisch entwickelt und damit zu Wohlstand und Frieden beigetragen habe, drohten mehrere negative Begleiterscheinungen: Der menschliche Kontakt werde vernachlässigt, eine "Machermentalität" schleiche sich ein und die Ökonomisierung nehme weiter zu. "Tiefere Dimensionen des Lebens" drohten durch die große Mobilität und neuen Kommunikationsmöglichkeiten weitgehend übersehen zu werden.

Ärzte auch Seelsorger

Gerade im Arztberuf mit seinen hohen ethischen Ansprüchen sei es wichtig, "für die eigene Seele, aber auch für die Qualität der Arbeit, Ruhe zu finden in Gott", hob Bischof Küng hervor. Für Ärzte gehöre es zur Standespflicht zu helfen, oft werde aber übersehen, "dass es neben den physischen und psychischen Nöten andere Bedürfnisse gibt, bei denen es im Grunde genommen noch um mehr geht". Irgendwann komme die Situation, "bei der man als Arzt sagen muss: Da ist medizinisch nichts mehr zu machen. Aber einfach sonst nichts sagen?"

Christliche Ärzte könnten auch am Lebensende viel Gutes tun, betonte Küng. Er habe früher einen praktischen Arzt gekannt, "von dem man sagte: Bei ihm stirbt kein Patient ohne Sakramente". Der betreffende Mediziner sei "weder aufdringlich noch frömmlerisch" gewesen, habe aber angesichts des nahenden Todes seiner Patienten und erlebter Hilflosigkeit der Angehörigen im Zusammenhang mit dem Religiösen das Mögliche tun und in Respekt vor der Freiheit des anderen Beistand leisten wollen. "Oft beschränkte er sich darauf, ihnen zu sagen: Wollt ihr nicht einen Seelsorger rufen? Niemand war ihm böse, wenn er diese Frage stellte", berichtete der Bischof.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto Bischof Küng (c) Diözese St. Pölten


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