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Lackner zu Kirchenaustritten: 2019 war ein "annus horribilis"

3. Jänner 2020 in Österreich, 7 Lesermeinungen
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Salzburger Erzbischof Interview "Salzburger Nachrichten": Mit Glaubwürdigkeit auf allen Ebenen teils selbst verschuldeten Erosionsprozessen begegnen - "Versetzungen aus Gründen der Vertuschung lehne ich ab"


Salzburg (kath.net/KAP) 2019 war in Bezug auf die vielen Kirchenaustritte ein "annus horribilis" (Lat. für "schreckliches Jahr"). Das hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in einem Interview der "Salzburger Nachrichten" (SN) vom Donnerstag unverblümt festgestellt. Im Vorjahr hätten deutlich mehr Menschen in Österreich die Kirche verlassen als 2018. Als Gründe dafür nannte Lackner die Missbrauchskrise, die Konflikte in der von ihm vor einem Jahr visitierten Diözese Gurk-Klagenfurt "und bei uns in Salzburg innerdiözesane Irritationen". Für nicht wenige spiele auch der Kirchenbeitrag eine Rolle.

Die Schwelle zum Kirchenaustritt sei heute sehr niedrig, wies der Erzbischof hin. Er bemühe sich um jeden Ausgetretenen, schreibe Briefe, biete Gespräche an. Ohne Kirche und verbindlichen Glauben über weite Strecken ganz gut zu leben, sei heute leichter als früher, als herrschende Not zum Beten und Glauben motiviert habe. "Heute, in unserer Zeit, könnten wir zu Gott Ja sagen aus Freiheit und Liebe, nicht, weil die Not drängt", stellte Lackner fest.


Um die Zahl der Austritte zu verringern, könne die Kirche Marktforschung betreiben, den Menschen ihre Leistungen im karitativen, kulturellen oder Bildungsbereich vermitteln. "Letztendlich braucht es aber beim Einzelnen wie in der Institution eine neue Glaubwürdigkeit", betonte Lackner. Die Botschaft Jesu Christi sei nicht "durch einen Minimalkonsens verständlich zu machen, dass jeder Hurra ruft". Vielmehr gelte es im Suchen, im Ringen, in Bezug auf Aufrichtigkeit, den Umgang mit Fehlern und auch auf die "Frage, wie wir unser Werk führen", glaubwürdig zu sein.

In Bezug auf die die Kirche in Kärnten wurde Lackner von den "SN" gefragt, ob die Berufung des kritisierten Bischofs - Alois Schwarz - an einen anderen Ort nicht typisch für die Kirche sei. Was der Grund für die Berufung nach St. Pölten war, könne er nicht beantworten, so der vom Papst als Apostolischer Visitator eingesetzte Salzburger Erzbischof. Er sei dabei "die offiziellen Wege" gegangen. Entschuldigt habe er sich selbst dafür, angesichts von "Irritationen im Vorfeld" nie das persönliche Gespräch gesucht zu haben - wohl "aus einer gewissen Ehrfurcht vor der Person", wie Lackner sagte. Grundsätzlich sei er gegen Versetzungen, um Problemen auszuweichen. "Wenn es Probleme gibt, muss man sie dort ansprechen und lösen, wo sie sind", so Lackner. "Versetzungen aus Gründen der Vertuschung lehne ich grundsätzlich ab."

Beim Thema Kirchenbeitrag bezeichnete der Erzbischof das italienische Modell als interessant, bei dem der Staat eine Steuer einbehält, die Menschen aber wählen können, ob das Geld für Kultur, die Kirche oder andere Projekte eingesetzt wird. So etwas sei in Österreich seines Wissens aber nicht angedacht.

Auch im Glauben "Teamplayer" gefragt
Lackner ist es ein Anliegen, das Gemeinschaftliche am Glauben wieder stärker in den Vordergrund zu rücken: "Es gibt viele Menschen, die wollen etwas Gutes tun. Sie tun sich aber sehr schwer damit, das in einer Gemeinschaft zu tun." Papst Franziskus, den er für einen "großen Propheten unserer Zeit" halte, spreche von einer "Ich-Religion", wies Lackner hin. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alle Alleindarsteller werden." Der Fußball-Fan auf dem Salzburger Bischofsstuhl zitierte den legendären Trainer von Manchester United, Alex Ferguson, der den besten Spieler der Welt nicht mitspielen lassen würde, wenn dieser sich nicht in das Team einfügt. "So ist es auch mit dem Glauben: wie im Gemeinschaftssport", sagte Lackner.

Die Bereitschaft der Menschen, sich zu binden, sei kleiner geworden. Das Geheimnis des Glaubens in eine Institution zu übersetzen könne nicht eins zu eins gelingen, hielt der Erzbischof grundsätzlich fest. "Es braucht eine gewisse Gestalt, damit Glaube geschichtskräftig bleibt."

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto Erzbischof Lackner (c) Erzdiözese Salzburg/Sulzer


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Lesermeinungen

 phillip 5. Jänner 2020 
 

Schreckliches Jahr

Ist nicht einer, der Gründe für das annus horibilis darin zu sehen, dass ani horribiles sich in der Katholischen Kirche und insbesondere im Vatikan etablieren konnten und nichts dagegen unternommen wird?


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 Einsiedlerin 4. Jänner 2020 
 

@Fink

"Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll."
-------------------------------------
Das stimmt! Wenn ich dran denke, dass man für das ganze Glaubenswissen ja ständig auf dem Weg ist und jeden Tag neue Erkenntnisse dazukommen... da reicht ein Leben ja gar nicht ;))
Gerade erst habe ich wieder die Lehre Jesu in Bethsaida (Maria Valtorta) über die Keuschheit gelesen: Wir sollen uns zuerst um die Keuschheit des Körpers bemühen und dann weiter um die geistliche Keuschheit des Herzens.
Tragisch ist, wenn nicht einmal Religionslehrer den Katechismus kennen, aber dafür in jeder anderen Religion bewandert sind.


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 Fink 3. Jänner 2020 
 

Vor dem "Glauben" kommt das Glaubenswissen

@ Einsiedlerin - Ja, irgendwann muss auch eine persönliche Gotteserfahrung dazukommen. Aber vorher muss man den Inhalt des rechten (!) Glaubens kennenlernen. Sonst gerät man auf Abwege. Beliebigkeit im Glauben- "wie es uns gefällt."
Mit dem Glaubenswissen, mit der religiösen Bildung, ist es heute ganz schlecht bestellt. Man weiß gar nicht , wo man anfangen soll.


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 garmiscj 3. Jänner 2020 

Tragische Kombination

Die Gründe für den Austritt sind ganz klar, nämlich eine Kombination aus: x medialer Dauerbeschuss, x so gut wie keine Glaubensweitergabe in den Familien, x am schlimmsten: der weitgehend dekadente Klerus und die kirchenhassenden DiözesanmitarbeiterInnen, die allesamt nur peinlich - verblödeten verweltlichten Mist weitergeben (selbst in den heiligen Messen). Warum solle man bei diesem dummen Verein auch bleiben.
Einzige Rettung: Treue und konsequente Weitergabe der wunderbaren, vielfältigen und wahrhaftigen Katechismus - Glaubenslehre. Jesus muss immer im Mittelpunkt stehen, dann kann man auch ruhig schwungvolle und stimmunsvolle Musik etwa bei Kinder- und Jugendgottesdiensten einsetzen. Und zwar ohne dass man das Heilige preis gibt.


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 Fink 3. Jänner 2020 
 

Nicht der Kirchenaustritt ist schlimm, sondern der Verlust des Glaubens

Seit gut 50 Jahren wollen Theologen und Kirchenleute nichts vom Katechismus und von einer verbindlichen Glaubenslehre wissen. Dies müsse durch eine "persönliche Glaubenserfahrung" ersetzt werden, so meinen sie.
Angekommen sind wir bei Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Beliebigkeit in religiösen Dingen.
Eine Wiedergewinnung des (rechten) Glaubens sehe ich allein in der Vermittlung des Glaubens der Kirche, enthalten im Katechismus. Interessant: Bei den über 65-Jährigen ist der Widerstand gegen alles, was nach Katechismus riecht, immer noch groß- und die unter 60-Jährigen können mit "Katechismus" nichts anfangen, die wissen gar nicht was dieser Ausdruck bedeutet.


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 C+M+B 3. Jänner 2020 

Kann man aus der Kirche austreten?

Der Begriff KIRCHENAUSTRITT existiert nur da, wo es die Kirchensteuer gibt, also HIERZULAND. Überall sonst geht man einfach nicht mehr zur Kirche, veranstaltet aber keinen formellen Akt. Einen solchen will man nur da, wo man ohne ihn Geld verliert. Und falls der Glaube doch wieder zurückkehren sollte, den es nur IN der Kirche gibt, kommt man ANDERNORTS einfach wieder dazu: und zwar ohne die perfide Hürde eines formellen Wiedereintritts und die noch perfidere von 8% Steuervermehrung. Letztere hindert nämlich so manchen Bekehrten am „Wiedereintritt“.
Man kann theologisch gar nicht aus der Kirche austreten, denn die Eingliederung durch die Taufe trug den CARACTER INDELEBILIS, ist unauslöschlich. Ein Tattoo Gottes. Bischöfe, die von Austritt reden und (statt mit dem Wunder) mit Statistik rechnen, verstehen Kirche erstinstanzlich als staatliche (statt sakramentale) Angelegenheit: Aus- und Eintritte sind nämlich Behördengänge, bei denen es zwar um ein Kreuzchen, aber nicht um das Kreuz geht.


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 girsberg74 3. Jänner 2020 
 

Bis auf seine Einschätzung einer hochgestellten Person,

finde ich Erzbischof Lackners Sicht auf die Katholische Kirche, insbesondere wie sie in den deutschsprachigen Ländern daherkommt, bemerkenswert nüchtern.


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