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Der letzte Feind – Leseprobe 4

23. Juli 2020 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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Leseprobe 4 des neuen Romans von Giuseppe Gracia


Linz (kath.net)

Unter der Führung eines neuen Papstes - für viele ein rückständiger Traditionalist - plant die katholische Kirche in Rom das «Dritte Vatikanische Konzil»: eine Versammlung von über 3.000 Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt, geprägt von heftigen Richtungskämpfen. Bereits im Vorfeld kommt es zu mysteriösen Todesfällen und schließlich, während des Konzils, zu einem brutalen Anschlag.

 

Leseprobe 4: 

Hank zielt auf Martens Kopf, zwischen die Augen, um nicht in die hellblaue Müdigkeit seines Blicks sehen zu müssen. Er will abdrücken, natürlich, doch der Finger rührt sich nicht. Vielleicht ist es die Anstrengung, die es ihn kostet, die Waffe hochzuhalten, als würde sich die ganze Spannung im Wagen, als würden sich alle Fragen und Ängste im Schweiß seiner Hand sammeln.

Plötzlich schnellt Martens nach vorn, unglaublich schnell. Hank reißt die Pistole hoch und feuert sie ab, ohne es zu wollen. Trotz Schalldämpfer platz der Schuss blitzhell zwischen ihren Gesichtern auf und knallt durch die Wagendecke.

Sie kämpfen, schlagen aufs Armaturenbrett, stoßen gegen die Tür und zurück in den Sitz. Martens beißt ihm in die Hand und schreit auf, beginnt um sich zu schlagen, während Hank versucht die Kontrolle zurückzugewinnen. Dabei löst sich ein zweiter Schuss. Das Seitenfenster neben Martens Kopf zuckt unter dem Einschlag spinnwebenhaft zusammen.


„Nein!“

 

Wieder fuchtelt Martens mit den Händen, trifft Hank im Gesicht. Explodierende Sterne. Sekunden, bis Hank wieder voll da ist. Sekunden, während denen Martens die Fahrertür auf seiner Seite aufstößt und ins Freie entkommt.

Als Hank ebenfalls nach draußen stürmt, kann er sehen, daß Martens unterwegs ist zur Absperrung, hinter der sich die Baustelle befindet. Die Entfernung beträgt etwa 20 Meter.

Martens hat die Absperrung schon fast erreicht, als Hank mit der Waffe auf ihn ansetzt. Er drückt ab und – verfehlt.

Die Kugel stanzt ein Loch ins Blechschild „Attenzione Lavori“. Martens verschwindet hinter der Absperrung.

Als Hank die Stelle erreicht, sieht er das mit Maschinen und Material vollgestellte Gelände. Er sieht, wie Martens auf der linken Seite unter einem Gerüst hindurchhuscht, wie er stolpert und – hinfällt.

Hank rennt los, vorbei an Markierungen, Zementsäcken und einem Presslufthammer, während Martens wieder auf die Beine kommt.

 

Martens scheint zu humpeln. Er geht in Richtung eines gelb gestrichenen Baukrans. Hank feuert erneut. Die Kugel schlägt in den Boden; kleine, hochwirbelnde Staubwolken.

Martens erreicht den Baukran, und Hank feuert ein viertes Mal. Diesmal trifft er Martens‘ Bein, während irgendwo hinter ihnen das Geräusch eines Autos vorbeirauscht.

„Hilfe!“ schreit Martens. „Aiuto!“

Er presst die Hand auf sein Bein und setzt sich, auf einen Stapel Zementsäcke. Hank bleibt ein paar Schritte vor ihm stehen.

„Letzte Chance. Sag mir die Wahrheit.“

Martens schnappt nach Luft: „Ich – weiß – nicht.“

Keuchend hebt er die Hand, wie um abzuwinken.

 

Hank zielt auf seinen Kopf und wartet eine Sekunde, zwei Sekunden, aber der Kerl sagt nichts. Erneut kann Hank das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos hören, oder nein, diesmal klingt es nach einem Lastwagen.

Das Geräusch wird lauter. Und lauter. Eine Vibration im Boden unter ihren Füssen. Dann plötzlich öffnet sich neben Martens die Erde und beginnt, Leitkegel und Leuchter in die Tiefe zu reißen, Stromverteiler und Gerüststangen. Die verdammten Hohlräume unter der Stadt, denkt Hank, die instabilen römischen Straßen!

Er kann sehen, wie die Zementsäcke, auf denen Martens sitzt, nach vorne rutschen, wobei sich Martens am obersten Sack festhält und damit, wie auf einem fliegenden Teppich, die Augen aufgerissen, ins Loch fällt.

 

Giuseppe Gracia ist sizilianisch-spanischer Abstammung, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Schweizer arbeitet als Publizist, Medienberater und Schriftsteller: «Das therapeutische Kalifat» (2018), «Der Abschied» (2017), «Santinis Frau» (2006), «Kippzustand» (2002) u.v.m. Gracia ist fester Kolumnist bei der Schweizer Zeitung «Blick» und publiziert Gastbeiträge in Medien wie NZZ und Focus Online. Als PR-Berater betreut er verschiedene Mandate, u.a. für das Schweizer Bistum Chur.

 

kath.net Buchtipp

Der letzte Feind

Von Giuseppe Gracia

Fontis Verlag 2020

ISBN: 9783038481966

Broschiert, 256 Seiten

Preis: 18,- Euro

 

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

 

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