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Natürliche Empfängnisregelung als Kleinglaube?

11. Juli 2012 in Familie, 71 Lesermeinungen
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Eine neue Tendenz bei der Verhütungsfrage: Auch NER sei eine Art von Verhütung, sie sei ein Ausdruck kleinen Glaubens und fehlender Hingabe der Frauen an ihre Bestimmung. Ein kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun


Salzburg (kath.net) Die Frage der moralischen Wertung von Verhütung ist in der Geschichte der katholischen Morallehre eine leidvolle!

Man weiß, wie auf Grund der wissenschaftlichen Fortschritte im letzten Jahrhundert darum gerungen wurde und wie Papst Paul VI. dann seine Antwort gegeben hat: Nein zu jeder künstlichen Verhütung, Ja zur natürlichen Empfängnisregelung.

Bekanntlich beruht diese auf verhältnismäßig neuen medizinischen Erkenntnissen: Man weiß jetzt Bescheid über die Bedeutung des weiblichen Zyklus, über die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau und auch darüber, wie man diese erkennen und unterscheiden kann. Daraus ergibt sich für das Ehepaar die Möglichkeit, ihr Zusammenkommen einzurichten je nach ihrem Kinderwunsch. Sache der Kirche war und ist es zu sagen, wie diese Möglichkeit im Lichte Gottes und seiner Gebote zu werten ist!

Bis zum heutigen Tag lehnt nicht nur die nicht-christliche Welt die genannte Lehre der Kirche mit Spott und Hohn ab, auch innerhalb der Kirche gibt es viele, viele Katholiken, die meinen, die Kirche habe sich in dieser Frage verirrt. Dementsprechend leben sie mit Pille und Kondom oder anderen Verhütungsmitteln.


In letzter Zeit ist aber zu beobachten: Es gibt, vor allem in einigen neuen religiösen Bewegungen, eine Tendenz in die andere Richtung: Auch NER, sagen sie, sei eine Art von Verhütung, sie sei ein Ausdruck kleinen Glaubens und fehlender Hingabe der Frauen an ihre Bestimmung, so viele Kinder zu gebären als möglich, weil Gott dies wolle, sogar dann, wenn sie dabei ihr Leben riskieren.

Für Bischöfe und Moraltheologen bedeutet dies: Während sie bisher „nur“ gegen die Vertreter einer liberalen Haltung zu kämpfen hatten, öffnet sich „von hinten“ eine neue Front: Es ist ihre Aufgabe zu zeigen, dass der Weg der natürlichen Empfängnisregelung wirklich der Wille Gottes ist.

Man könnte einwenden: Aber ist es nicht wunderbar, heiligmäßig, „ganz und nur“ auf Gott zu vertrauen und nicht selbst bestimmen zu wollen? Natürlich ist Gottvertrauen gut, aber ist dieses so definierte „Gottvertrauen“ das, was Gott von uns will? Ich erinnere mich an den Besuch in einem Kloster in der Wüste, etliche Kilometer von Jerusalem entfernt: Gefragt, was im Fall einer schweren Erkrankung eines Mönches in dieser Einöde geschehe, antwortete der uns führende Mönch: Der Betreffende kann zum Arzt gebracht werden, aber er kann ebenso gut auf alle medizinische Hilfe verzichten, die Schmerzen erleiden und sterben.

Eigentlich hätte ich schon damals antworten sollen: Wenn diese Haltung des Nichtstuns und des Geschehenlassens die eigentlich richtige Einstellung ist: Warum hat dann Jesus die Kranken geheilt und auch den Jüngern den Auftrag gegeben, dies zu tun? Und mehr noch: Ist das auch in allen anderen Fragen das „eigentlich Vollkommene“? Dann hätten die Christen an keiner nützlichen Erfindung Anteil nehmen dürfen, ja sie hätten nicht einmal die Äcker bebauen dürfen, weil Gott ja alles kann und alles für uns macht? Aber so ist es eben nicht, Gott hat dem Menschen den Verstand gegeben und zwar dazu, dass wir ihn benützen, Ihn zu erkennen, aber auch, um unser Leben zu bewältigen.

Die Lehre von der Natürlichen Empfängnisregelung sagt dasselbe auf das Eheleben bezogen: Im Dialog mit Gott sollen und dürfen die Eltern entscheiden, wie vielen Kindern sie das Leben schenken wollen und können! So wie wir Menschen, gottgewollt so viele andere Dinge selbst entscheiden dürfen und uns Gott zum Beispiel die Freiheit lässt, ob wir eine religiöse Berufung zum Priester oder zum Leben im Kloster annehmen oder lieber in der Welt bleiben und heiraten, so lässt Er uns eben auch die Freiheit der Entscheidung über die Zahl der Kinder und zwar ohne Sünde, solange wir die Entscheidung gemäß objektiven Kriterien fällen, wie sie der Ordnung Gottes entsprechen.


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