03 April 2013, 11:00
Man will jetzt die Köpfe den alten Hüten alter Ideologie anpassen
 
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Es ist Zeit, die Trennung von Staat und Privatsphäre der Bürger einzufordern. Ein kath.net-Klartext von Weihbischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Nicht die Trennung von Kirche und Staat, sondern die Unterscheidung von Kompetenz des Staates und Freiheit der Menschen ist das Problem von heute.

Wenn man von Kirche und Staat spricht, fällt sofort der Schlachtruf „Trennung“ und man meint damit eine eher feindselig verstandene, „kalte“ Trennung, nicht das, was richtig wäre, nämlich die klare Unterscheidung von Kirche und Staat, die ein gutes Miteinander und füreinander nicht ausschließt, sondern zum Wohl der Menschen ermöglicht.

Heute müssen wir uns in Mitteleuropa nicht mehr Sorge machen um die selbstverständlich gewordene „Trennung“ von Kirche und Staat. Was wir vielmehr dringend brauchen, ist die Trennung von Staat auf der einen Seite und dem Privatleben seiner Bürger samt deren Hausverstand auf der anderen.

Immer wieder hat es in der Geschichte die Gefahr eines Gottesstaates, indem die Religion das gesellschaftliche Leben beherrscht, gegeben, aber ebenso oft die Gefahr der Staatsreligion, indem totalitär eingestellte Politiker die „Götter machten“, die „goldenen Kälber“, deren Verehrung bestimmten, mächtigen Leuten nützlich erscheint oder direkt Vorteile bringt. Diese goldenen Kälber gibt es heute wieder, das Schlimmste ist die Gender-Ideologie mit all ihren Auswüchsen auf das Leben der Menschen. Sie versucht zuerst den Verstand zu „deregulieren“, das heißt zu zerstören, und dann die Familie, die Identität der Menschen, um sie so zu manipulierbaren Sklaven zu machen.

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Die Folge ist: In allen Lebensbereichen stößt man auf totalitäres Gehabe nicht aller, aber vieler Politiker und vor allem auch derer, die die Medien beherrschen. Sie tun und reden so, als ob sie für alles und jedes zuständig wären und alles besser wüssten als das Volk.

Bei näherem Zusehen zeigt sich: Es geht ihnen vielfach nicht um das Gemeinwohl, dem sie dienen sollten, damit das Land „wohnlich“ bleibt für die Menschen. Verantwortlich wären sie für die Strukturen und Abläufe, die in für jede Gesellschaft nötig sind. Sie aber wollen etwas Anderes: Sie wollen ein „neues“ Land, eine neue Gesellschaft „machen“, die sie am ideologischen Reißbrett planen. Dazu wollen sie „neue Menschen“ machen. Man will nicht Hüte den Köpfen, sondern die Köpfe den alten Hüten alter Ideologie anpassen. Und diese Veränderung soll nicht durch Überzeugung herbeigeführt werden, sondern vor allem mit manipulativer „Werbung“ und wo diese nicht reicht, mehr und mehr auch mit Druck und mit der Gewalt der Gesetze.

So versucht man die breite Mehrheit der Gesellschaft zu zwingen, sich von ihrer Vernunft in bestimmten Bereichen zu verabschieden, „Gender lässt grüßen“. Es ist, als wollte man schon die Kinder in der Schule lehren, man könne aus einem Kreis ein Quadrat machen, wenn man den Kreis nur lange genug Quadrat nennt und „quetscht“. Kaiser oder nicht Kaiser, mit unsichtbaren „Kleidern“ bleibt man nackt. Wir brauchen möglichst viele kleine oder große „Kinder“, die rufen: „Diese Leute sind ja nackt.“ Natürlich, diese Kinder riskieren Strafe, aber wir brauchen sie, desto rascher wird der Spuk zu Ende gehen – zum Wohl der Menschen, wer sie auch sein mögen.

Es gibt genug bedrohliche Beispiele für die ideologische Dauerbevormundung durch Politiker. Zum Beispiel: die Eltern haben Erziehungsrechte, in die sich der Staat weder durch die Gender-Ideologie noch durch die schamlose „Sexual-Erziehung“ zur Unmoral im Sinn der 68-Jahre einmischen darf.

Es ist auch nicht Aufgabe der Politiker und auch nicht der Medien, uns für die Ideologie der Homo-Lobbys durch Dauerthematisierung weich zu klopfen und uns so von den überzogenen Forderungen und Behauptungen der Homolobby überzeugen zu wollen. Menschen mit diesen Neigungen sollen als Bürger alle Rechte haben wie jeder andere Mensch im Rechtsstaat. Aber keine unbegründete Privilegien. Oder auch: Dass Menschen mit homosexuellen Neigungen nicht „heiraten“ können, tut uns leid, ist aber nicht Schuld der Anderen, es ist eben so. Das ist nicht Sache einer Ideologie, sondern der Vernunft.

Ein anderes Beispiel für Bevormundung: Dass sogar Wissenschaftler manche Fragen nicht einmal mehr stellen dürfen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen, ist ein Skandal. Zur Bevormundung gehören auch die Umschreibungen der Geschichte, indem man z.B. so tut, als ob Österreich vor dem Einmarsch Hitlers eine zwar kleinere, aber ebenso schlimme Variante Nazi-Deutschlands gewesen wäre und nicht der einzige Staat Europas, der Hitler Widerstand leistete. Man tut, als ob die „Illegalen Nazis“ in Österreich vor dem Anschluss die Mehrheit und das eigentliche Österreich gewesen wären und nicht eine „Illegale Minderheit“. Ebenso erzählt man fast nur von denen, die beim Einmarsch Hitlers jubelten, aber kaum von den vielen Tausenden, die heimlich weinten oder sofort ins Gefängnis und dann in ein KZ gebracht wurden. Nicht, dass die Österreichische Regierung damals vor dem Krieg nicht auch Fehler gemacht hätte, aber sie in die Nähe Hitlers zu rücken, ist eine historische Lüge und Ungerechtigkeit.

Viele Politiker behaupten, es käme ihnen auf die „Meinung der Mehrheit“ an. Aber dabei scheinen sie von der gefährlichen und von der Geschichte längst widerlegten Annahme auszugehen, dass Mehrheiten immer recht hätten.

Zudem suggerieren sie, die Mehrheit denke ohnehin wie sie selbst, und wer „das noch nicht tut“, müsse umerzogen werden. Bevormundet werden die Bürger heute sogar darin, wie sie sprechen und schreiben „dürfen“.

Weder das Deutsch von Goethe noch das von Karl Kraus würde als „politisch korrekt“ durchgehen und ihre Werke, weil nicht „gegendert“, würden keine Druckkosten-Subvention mehr bekommen.

Auch in ihren moralischen Überzeugungen werden die Menschen bevormundet. Nachdem der Staat selbst die sexuelle Freizügigkeit gefördert hat und auch heute noch in der „Sexual-Aufklärung“ schamlos propagiert, beginnt man, Zonen neuer Prüderie einzurichten und mit „Gesetzen“ zu schützen. Als ob nicht auch hier für viele solcher „Delikte“ das Subsidiaritäts-Prinzip gelten und genügen würde.

Das heißt z.B.: Die Frauen können sich gegen manche Anzüglichkeiten oder kleine Übergriffe bestens selbst wehren, übrigens auch präventiv, wenn sie nicht ständig alles tun, um sexy zu sein – um sich dann zu ärgern, wenn Männer das „bemerken“. Wie auch immer, sie brauchen manchmal, aber nicht in jedem Fall Gesetze, Polizei und Gericht. Die Tugendwächter werden nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Und übrigens, was die Frauen betrifft: Durch ein geschickte Propaganda und Steuerpolitik wird ihnen eingeredet, sie hätten nur wirklich Würde und Anerkennung, wenn sie auf Mutterschaft möglichst verzichten und sich vor allem auf Karriere konzentrieren. Sie sollten sich eigentlich weitgehend wie Männer benehmen, „Mutter sein und gerne sein zu wollen“ gilt eher peinlich. Beweis dafür? Man sehe sich einen der unzähligen „Krimis“ an, die heute im Fernsehen gezeigt werden: Frauen sind die cleversten Kommissare, sie schießen und prügeln sich furchtlos, unverwundbar und siegreich wie „James Bond“ persönlich – wie schön sie damit die Wirklichkeit spiegeln. Ähnliches gilt für Männer und Frauen: Sie haben fast nie Ehepartner, wohl aber sexuelle Beziehungen aller Art und sind darin natürlich glücklich.

Es ist höchste Zeit, die Trennung von Staat und Privatsphäre der Bürger einzufordern. Der Staat soll Sicherheit gewähren, er soll das Gesundheitssystem fördern, Schulen einrichten, Straße bauen und die Müllabfuhr organisieren, er soll das Land lebbar machen für seine Bürger. Aber er soll endlich aufhören, uns mit seinen (derzeit vor allem aus der marxistischen Tradition stammenden) Ideologien zu belästigen. Die Politiker sollen das Land gestalten, in dem wir gerne und frei leben können, sie mögen manches ändern, was sinnvoll erscheint, aber sie sollen endlich aufhören, uns Bürger „umbauen“ zu wollen und uns vorzuschreiben, wie wir leben sollen und was wir zu denken oder gut und schön zu finden haben.

Freiheit, gebt Freiheit, meine Damen und Herrn in der Politik, soviel Freiheit als möglich, Gesetze auch, aber nur so viele, als unbedingt nötig. Ihr warnt uns oft vor dem Geist der Nazis, ihr solltet es übrigens ebenso oft bezüglich der ebenso grauenhaften Tyrannei des Marxismus tun. Gut so, wenn ihr warnt, aber wichtiger, als an das Grauen zu erinnern, wäre es, die Prinzipien zu bedenken, aus denen diese Drachenbrut gekrochen ist. Diese Prinzipien war der Allmachtswahn der damaligen Politiker, daraus folgten Diktaturen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte, und ihr erstes Opfer war die Freiheit.

Daher: Nicht Trennung von Staat und Bürgern, wohl aber Unterscheidung der jeweiligen Aufgaben und Kompetenzen. Abgesehen von kranken oder kriminellen Minderheiten: Ein Recht der Politiker, aus uns Bürgern andere Menschen machen zu wollen als die, die wir sind, gibt es nicht. Gebt Freiheit, achtet die Rechte der Bürger, ihre Würde und ihre Freiheit.







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