21 Oktober 2013, 11:25
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Obwohl die Causa „Bischof Tebartz-van Elst“ seit Wochen die Medienlandschaft bestimmt, wird längst nicht alles gesagt. Ein Gastkommentar von Robin Baier, Kaplan im Bistum Limburg

Limburg (kath.net) Eigenartiges erlebt man in diesen Wochen im Bistum Limburg, und fast täglich darf man über neue Schlagzeilen staunen. Doch wie so oft lohnt sich auch hier ein zweiter Blick auf die Dinge, mitunter auch von ungewohnten Standpunkten aus.
Journalisten, allen voran die der FAZ, kritisieren, Bischof Tebartz-van Elst habe die Leute „hinters Licht geführt“ und fordern, er solle sich dafür entschuldigen bzw. zurücktreten. Doch die Maßstäbe, die sie an andere anlegen, gelten für sie selbst anscheinend nicht. Volker Zastrow beispielsweise schrieb in seinem Artikel „Cave canem“ vom 04.08.2013, im Bischofshaus sei ein Diktiergerät versteckt worden, um Besucher heimlich abzuhören. Tatsächlich aber war es nur ein Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit.

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In seinem Artikel „Jenseits der Frustrationsgrenze“ vom 20.09.2012 suggerierte Daniel Deckers, im Bistum Limburg würden Männer geweiht, „die andernorts mit guten Gründen abgelehnt wurden“. Nachweislich existiert kein einziger solcher Fall.

Noch weitere Beispiele könnten hier angefügt werden. Diese Dinge korrekt zu recherchieren wäre ein Leichtes gewesen. Ein einfacher Anruf hätte genügt. Aber anscheinend hatten die Herren Journalisten kein gesteigertes Interesse an der Wahrheit. Ist nicht gerade hier die Öffentlichkeit hinters Licht geführt worden? Und haben sich Herr Zastrow oder Herr Deckers je dafür entschuldigt oder gar ihre Kündigung eingereicht?

Die Person

Die Frage, wie der Limburger Bischof nun zu bewerten sei, haben die deutschen Leitmedien schon früh entschieden. Bei allem Schmerz über möglicherweise falsches Verhalten und ggf. vertane Chancen darf jedoch ein Grundsatz nicht außer Acht gelassen werden: Einer Person wird man niemals gerecht, wenn nur einige Aspekte von ihr beleuchtet werden und andere ausgeblendet bleiben. Kaiser Nero beispielsweise hätte als vorbildlicher Herrscher in die Geschichte eingehen können, sofern lediglich sein Engagement für Kunst und Kultur berücksichtigt worden wäre. Andersherum hätte Bernhard von Clairvaux niemals heiliggesprochen werden können, wenn er auf seine Position zu den Kreuzzügen reduziert worden wäre.

Bischof Tebartz-van Elst hat in den letzten fünf Jahren im Bistum Limburg meiner Meinung nach Hervorragendes geleistet. Er hat sich für einen geistlichen Aufbruch eingesetzt wie kaum einer seiner Amtskollegen. Mir sind nicht wenige Leute bekannt, die durch die Art und Weise, wie er die Liturgie feiert oder die Bistumswallfahrten geprägt hat, eine Vertiefung ihres Glaubens erfahren haben. Ich selbst war knapp zwei Jahre in der Stadt Limburg eingesetzt und hatte davon ein dreiviertel Jahr meine Wohnung direkt unter der des Bischofs. Ich konnte den Menschen Tebartz-van Elst in sehr vielen verschiedenen Situationen erleben und muss sagen: Ich habe ihn ausschließlich als sehr freundlich, höflich, zugewandt und durchaus auch bescheiden wahrgenommen. Er hört aufmerksam zu und ist sehr wohl offen für Kritik. Trotz seines dauerhaft immensen Arbeitspensums zeigte er sich niemals ungeduldig oder abweisend. Oft habe ich ihn auch in der Kapelle angetroffen, wo er im Gebet vertieft die Anliegen der Diözese vor Gott gebracht hat. Wollte man seine Arbeit wirklich beurteilen, müsste all das mit berücksichtigt werden. Doch soweit reicht das öffentliche Interesse bedauerlicherweise nicht.

Wie wird es nun weitergehen?

Im Raum steht die Forderung, der Bischof müsse nun endlich zurücktreten. Jenseits der Frage, welche Motivationen im Einzelnen tatsächlich hinter dieser Forderung stehen, so offenbart sie doch nicht zuletzt auch ein recht eigentümliches Verständnis dessen, was ein Bischof ist. Die gebräuchlichste Anrede für Kleriker in anderen Ländern ist „Padre“ bzw. „Father“. Würde man im deutschsprachigen Raum einen Priester mit „Vater“ anreden, wäre so mancher wohl irritiert oder würde sich gar beleidigt fühlen, so fremd ist hierzulande diese Denkweise leider geworden. Tatsächlich aber ist jeder Priester, und erst recht jeder Bischof, wie ein Vater für seine Gläubigen. Seinen Vater aber kann man sich nicht aussuchen. Man hat ihn, egal ob es einem passt oder nicht, ob dieser sich gut verhält oder nicht. So erzählt diese Anrede nicht zuletzt etwas über eine Grundhaltung, die dem Gegenüber eine Art der Akzeptanz entgegenbringt, die beileibe nicht blind oder naiv ist, sich aber unabhängig weiß von der Leistung des anderen. Manch einer mag eine solche bedingungslose Akzeptanz als weltfremd oder gar gefährlich abtun. Jedoch ist das genau die Art und Weise, wie Gott uns Menschen begegnet und ohne die wir vor ihm nicht bestehen könnten.

Jeder hat das Recht, mit seinem Bischof zu streiten wie eine Tochter oder ein Sohn mit seinem Vater. Wer aber seinen Bischof zum Rücktritt auffordert, macht aus einem väterlichen Verhältnis ein funktionalistisches. Ob die Kirche dadurch ein freundlicherer Ort wird, darf bezweifelt werden.

Foto des Limburger Doms




Führung durch die Bischofsresidenz in Limburg - Amateurvideo vom 5.9.2013 direkt vor Ort






Foto Limburger Dom (c) kath.net/Melanie Bock

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