Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit
  2. Voll in die Falle getappt
  3. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  4. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  5. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!
  6. George Orwell wohnt in Brüssel, aber nicht nur dort!
  7. Deutsches Formular für Geburtenanzeige: Welches Geschlecht hat die Mutter?
  8. Kinderschutz oder Staatskontrolle? Das Dilemma der Social-Media-Verbote
  9. THESE: Korrekturen vom 2. Vatikanum sind unerlässlich
  10. Traditionsbruch: New Yorks Bürgermeister Mamdani nicht bei Installation von Erzbischof Hicks
  11. Meine Söhne, „seid heilig, Anbeter, Menschen des tiefen Gebets und lehrt das Volk, dasselbe zu tun!“
  12. Vatikan: Neue Statuten für die Marienforschung
  13. 'Selig sind, die Schwangerschaften beenden' - US-Pastorin sorgt für Eklat
  14. Wann sind wir zu Gottes Chefs geworden?
  15. 10 Jahre Haft für eine biologische Wahrheit in Brasilien!

Mitbrüderlich, väterlich, herzlich

12. Februar 2014 in Interview, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Erzbischof Müller über sein Verhältnis zu Papst Franziskus: "Was seine Lehre betrifft: Sie umfasst und enthält den gesamten katholischen Glauben." - Von Johannes Schidelko (KNA)


Vatikanstadt (kath.net/KNA) Erzbischof Gerhard Ludwig Müller (66), Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, wird am 22. Februar von Papst Franziskus zum Kardinal erhoben. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) weist er Behauptungen zurück, er sei der «konservative Gegenspieler» des Papstes, und erklärt, warum er sich Frauen in bestimmten Spitzenpositionen im Vatikan vorstellen kann.

KNA: Herr Erzbischof, beim nächsten Konsistorium werden Sie ins Kardinalskollegium aufgenommen. Was bedeutet das für Sie?

Müller: Das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation, das mir von Papst Benedikt XVI. übertragen und von Papst Franziskus bestätigt wurde, ist traditionell mit dem Kardinalsrang verbunden. Die Kardinäle sind von ihrem Ursprung her die leitenden Kleriker der römischen Kirche, die den Papst in seinem Dienst unmittelbar unterstützen. Ich freue mich natürlich über die Ernennung, aber ich bin mir bewusst, dass es sich um ein Dienstamt der Gesamtkirche handelt.

KNA: Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Papst?

Müller: Eine solche Frage kann man persönlich nur schwer beantworten.

Die Begegnungen sind unkompliziert. Wir können uns bei den regelmäßigen Audienzen - zwei- bis dreimal im Monat - in Spanisch und Italienisch unterhalten.

Ich verstehe einiges von seinem lateinamerikanischen Hintergrund. Der Papst hat wiederholt sein Vertrauen in die Arbeit der Kongregation bekundet. Das Verhältnis des Papstes zu mir ist mitbrüderlich, väterlich, ja herzlich.

Das wichtigste ist freilich, dass unsere Kongregation dem Papst in seinem Petrusdienst zur Seite steht und ihm in seinem Lehramt zuarbeitet.


KNA: In einigen Medien werden Sie gern als «konservativer Gegenspieler» von Papst Franziskus bezeichnet. Andere schreiben, es gebe zwischen Ihnen und dem Papst eine Rollenverteilung nach dem Muster «der charismatische Papst und sein dogmatischer Glaubenswächter», ähnlich dem Gespann Wojtyla/Ratzinger. Was stimmt?

Müller: Ich glaube, beides stimmt nicht. Papst Franziskus hat das große Charisma, die Menschen direkt anzusprechen, die Herzen zu öffnen, Blockaden zu überwinden.

Was seine Lehre betrifft: Sie umfasst und enthält den gesamten katholischen Glauben.

Man kann seinen Mut bewundern, mit dem er die Verweltlichung der Kirche anprangert, wie er von der diabolischen Macht spricht, die den Menschen von Gott wegführen will, mit welcher Intensität er das Bußsakrament betont.

Es ist richtig, dass der Papst und ich eine unterschiedliche kirchliche Vorgeschichte und Prägung durchlaufen haben; er im Jesuitenorden, ich viele Jahre in der theologischen Lehre. Das sind unterschiedliche Zugangsweisen, aber sie sind komplementär und nicht gegensätzlich.

KNA: Wie ist Ihr Standing innerhalb der Kurie?

Müller: Ich sehe mich nicht als typischer Kurialer. Ich bin von außen hereingekommen, habe nicht den Kurienapparat durchlaufen.

Aber ich fühle mich hier wohl, es gibt eine gute und brüderliche Zusammenarbeit mit den Leitern der anderen Dikasterien, eine gute Gemeinschaft in unserer Kongregation. Wir verstehen uns hier weniger als Behörde im weltlichen Sinn, sondern als familiäre Gemeinschaft, die gemeinsam der Kirche dienen will.

Daher wehre ich mich auch gegen eine pauschale Kritik, an der Kurie seien Leute tätig, denen es um Macht, Karriere oder Geld ginge. Wer mit solchen Erwartungen hierherkäme, der wäre von vorneherein für den arbeitsreichen und entsagungsvollen Dienst nicht geeignet.

KNA: Bei der jüngsten Vollversammlung hat der Papst Ihrer Behörde ausdrücklich die Kollegialität ans Herz gelegt. Besteht da Handlungsbedarf?

Müller: Wenn man die Rede genau liest, hat der Papst die kollegiale Arbeitsweise unserer Kongregation gewürdigt. Entgegen manchen Auffassungen arbeiten wir nicht autoritär und dekretierend. Ein Vorgang durchläuft nacheinander verschiedene Instanzen. Die wichtigen Entscheidungen sind der Kardinalsversammlung vorbehalten, die einmal pro Monat stattfindet.

Der Präfekt ist dort nur ein Primus inter pares - auch wenn er dann dem Papst in einer Audienz diese Gesamtarbeit zur Approbation vorlegt.

KNA: Zum Thema Piusbrüder: Geht die Aussöhnungsinitiative weiter, steht eine baldige Klärung an, oder lässt man sie verebben?

Müller: Die Glaubenskongregation hat eine klare dogmatische Präambel verfasst und vorgelegt. Diese ist gleichsam die Tür, durch welche die Piusbruderschaft und die ihr zugehörenden Personen in die volle Gemeinschaft der Kirche eintreten können.

Diese Tür steht offen; wir schließen sie nicht. Aber es gibt auch kein Hintertürchen. Wir begleiten die Einigungsbemühungen mit Geduld und Festigkeit, wie uns Papst Franziskus aufgetragen hat.

KNA: Die stärkere Beteiligung von Laien und insbesondere von Frauen auch in der Leitung der Kirche scheint ein Anliegen des Papstes zu sein. Gibt es da theologische Grenzen, und wo liegen die genau?

Müller: Es ist nicht so, dass bislang der Klerus der aktive Teil war und die Laien der passive Teil. Alle Gläubigen sind durch Taufe und Firmung und das allgemeine Priestertum voll und ganz Glieder der Kirche.

Daher geht es auch nicht darum, den Laien und damit auch den Frauen großmütig irgendetwas zuzugestehen.

In der Leitung der Kirche gibt es Aufgaben, die ausschließlich dem apostolischen Amt zukommen. Jurisdiktionelle Aufgaben sind an das Weiheamt gebunden.

Aber es gibt viele Institutionen, etwa im Bereich der theologischen Forschung, des Unterrichts und der Beratung oder auf dem Gebiet der Caritas, in der Laien und auch Frauen in verantwortlicher Position tätig sein können. Aber nicht im Sinne eines Quotenschlüssels, denn es geht nicht darum, um jeden Preis Laien und Frauen aufzunehmen.

Frauen werden also in der Kurie nicht Kongregationen leiten können. Aber in päpstlichen Räten könnte man sich das durchaus vorstellen, etwa im Rat für die Familie oder im Rat für die Krankenseelsorge oder auch in wissenschaftlichen Einrichtungen, wie etwa in der Akademie für das Leben.

Auch im Wirtschafts- oder Finanzbereich sind für Laien und auch für Frauen Leitungsaufgaben durchaus möglich.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto (c) Siciliani/Gennari/SIR


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Müller

  1. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  2. „Sehr brüderliche Atmosphäre, die meisten waren von Dringlichkeit der Neuevangelisierung überzeugt“
  3. „Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“
  4. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  5. Kard. Müller: „Deutsche Diözesen sind Teil der Weltkirche und nur insofern katholisch, als sie…“
  6. „Jesus ist also nicht aus religiöser Poesie geboren…“
  7. „Im Jubiläumsjahr ermutigt uns die Kirche, vom Geschenk der Barmherzigkeit Gottes zu profitieren“
  8. Kardinal Müller im „Giornale“-Interview: „Der Papst ist kein Star – Nein zum LGBTQ+-Jubiläum“
  9. Erste Papstreisen von Leo XIV. gehen in die Türkei und in den Libanon
  10. Erntedank: „Der Kosmos besteht um des Menschen willen“







Top-15

meist-gelesen

  1. Einmal im Leben nach ISLAND - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Voll in die Falle getappt
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit
  6. Meine Söhne, „seid heilig, Anbeter, Menschen des tiefen Gebets und lehrt das Volk, dasselbe zu tun!“
  7. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  8. Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten
  9. Der deutsch-synodale Weg als reines Herrschaftsinstrument!
  10. Vatikan: Neue Statuten für die Marienforschung
  11. George Orwell wohnt in Brüssel, aber nicht nur dort!
  12. Traditionsbruch: New Yorks Bürgermeister Mamdani nicht bei Installation von Erzbischof Hicks
  13. 'Selig sind, die Schwangerschaften beenden' - US-Pastorin sorgt für Eklat
  14. 'Ich bin der Liebe Gottes würdig, einfach weil ich existiere.'
  15. Deutsches Formular für Geburtenanzeige: Welches Geschlecht hat die Mutter?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz