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Stift Melk – Eine päpstliche Visitation ist überfällig!

26. Juli 2014 in Kommentar, 35 Lesermeinungen
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Wie katholisch ist Stift Melk noch? Eine päpstliche Visitation könnte diese Frage klären. Spätestens nachdem Eugen Drewermann die Jahresexerzitien für den Konvent gehalten hat, wäre es an der Zeit. Ein Kommentar von Johannes Graf


Melk (kath.net/jg)
Die Meldung war auf den ersten Blick so unglaubwürdig, dass man sie leicht für einen Scherz halten konnte. Eugen Drewermann hat die Jahresexerzitien für die Benediktinermönche des Stiftes Melk gehalten. Mittlerweile haben sich die Berichte bestätigt.

Drewermann hat bereits 1991 die Lehrbefugnis an der katholischen Fakultät Paderborn und 1992 die Predigterlaubnis verloren. Im selben Jahr suspendierte ihn der Paderborner Erzbischof Johannes Degenhardt vom Priesteramt. 2005 ist er aus der katholischen Kirche ausgetreten. In der Sendung „Menschen bei Maischberger“ hat er diesen Schritt wörtlich als „Geschenk der Freiheit an mich selber“ zu seinem 65. Geburtstag bezeichnet. Im selben Jahr hat er einen öffentlichen Wahlaufruf für die Linkspartei unterschrieben.

Trotzdem hat ihn der Melker Abt Georg Wilfinger dazu eingeladen, die Jahresexerzitien für die Mönche seines Klosters zu halten. Exerzitien, also geistliche Übungen, sind dazu da, den Glauben, die Beziehung zu Gott zu vertiefen, Klarheit über den persönlichen Weg mit Gott zu finden. Wie soll das mit einem Exerzitienleiter Drewermann gelingen, der seinen Austritt aus der katholischen Kirche als Befreiung empfindet?


Den Berichten zufolge hat Drewermann im Rahmen der Exerzitien sogar die Eucharistie gefeiert. Abt Wilfinger muss davon zumindest gewusst haben, wenn er nicht sogar dabei gewesen ist.

Die Benediktregel sagt über den Abt: „Deshalb darf der Abt nur lehren und bestimmen, was der Weisung des Herrn entspricht.“ (Kapitel 2) Georg Wilfinger hat diesem Punkt der Regel nicht entsprochen und ist damit auch seiner Verantwortung gegenüber seinen Mitbrüdern nicht nachgekommen.

Unwillkürlich drängt sich hier der Vergleich mit den Franziskanern der Immakulata auf. In dieser Gemeinschaft werden sektiererische beziehungsweise schismatische Tendenzen vermutet. Sie wurde deshalb im Rahmen einer Visitation einem Apostolischen Kommissar unterstellt.

Eine ähnliche Vorgehensweise scheint auch im Fall des Stiftes Melk angebracht. Wer einen von der Kirche abgefallenen Priester mit der Leitung von Jahresexerzitien beauftragt und diesen auch die Eucharistie feiern lässt, ist mindestens ebenso unter Kuratel zu stellen wie die angesprochene Franziskanerkongregation. Wer die aktuelle spirituelle und disziplinäre Situation des Stiftes Melk ein wenig kennt, wird weitere Gründe für eine Visitation finden.

Da das Kloster nicht zur Diözese gehört, hat der Ortsbischof keine direkte Handhabe in dieser Sache. Es gibt aber Berührungspunkte zwischen Stift und Diözese. Die Abtei betreut 23 Pfarren in den Diözesen St. Pölten und Wien. Den Bischöfen Küng und Schönborn kann es nicht gleichgültig sein, welche Spiritualität aus dem Kloster in ihre Pfarren wirkt. Die Benediktsregel sieht sogar ein Mitwirken der Diözesanbischöfe vor, falls ein Abt nicht den Anforderungen entspricht. „Es kann sogar vorkommen, was ferne sei, dass die ganze Gemeinschaft einmütig jemanden (zum Abt, Anm. d. Red.) wählt, der mit ihrem sündhaften Leben einverstanden ist. Kommen etwa solche Missstände dem Bischof der betreffenden Diözese zur Kenntnis oder erfahren die Äbte oder Christen der Nachbarschaft davon, so sollen sie verhindern, dass sich die Absprache der verkommenen Mönche durchsetzt; vielmehr sollen sie für das Haus Gottes einen würdigen Verwalter bestellen.“ (Kapitel 64) Es wäre Zeit.

© Foto: wikipedia/ludger1961/gemeinfrei


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