Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Foto mit AfD-Politiker - Pfarrer entpflichtet Oberministranten im Bistum Passau
  2. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  3. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  4. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  5. Lambrecht fordert: Lebensschutz in der neuen Koalition verbessern, trotz anderslautender SPD-Wünsche
  6. Parolin: „Segne uns, Heiliger Vater Johannes Paul II.! Segne diese Kirche des Herrn auf ihrem Weg“
  7. Alexander Kissler: Kirchen sorgen für ‚Entchristianisierung‘ Deutschlands
  8. Hilfe! Mein Kind tut sich so schwer mit dem Lernen!
  9. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  10. Die Vernunft des Glaubens – Zum 20. Todestag des heiligen Johannes Paul II.
  11. Lourdes verhüllt Mosaike des mutmaßlichen Missbrauchstäters Pater Marko Rupnik
  12. Immer mehr Hass-Übergriffe auf Priester in Polen
  13. Orthodoxe Kirche von Zypern übt heftige Kritik am Westen
  14. EINMALIGE CHANCE! Große Baltikum-Reise mit kath.net - Mit Erzbischof Gänswein!
  15. Hexenfestival: Streit zwischen Exorzisten und Bürgermeister

«Es ist ein Dilemma»

6. August 2014 in Interview, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Bundespräses der katholischen Schützen über Muslim als Schützenkönig. Von Sabine Kleyboldt (KNA)


Köln (kath.net/KNA) Die Krönung eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl-Sönnern hat eine bundesweite Diskussion losgetreten - schließlich hätte der katholische Verein den türkischstämmigen Muslim Mithat Gedik (33) laut Satzung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gar nicht aufnehmen dürfen. Der Bundespräses des Dachverbandes, Kölns Domdechant Robert Kleine (Foto), erläutert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Köln die Hintergründe.

KNA: Monsignore Kleine, wie bewerten Sie die Debatte um den muslimischen Schützenkönig in Werl-Sönnern?

Kleine Ich bin überrascht über das Ausmaß der Kritik, angefangen vom Zentralrat der Muslime bis zu Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider, der von einem «Stück aus dem Tollhaus» redet. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Frage ist doch, wie man mit dem Glauben von Menschen umgeht. Die meisten Historischen Schützenbruderschaften sind nun einmal konfessionell gebunden und haben ein religiöses Fundament, das – für manche vielleicht überraschend - hin und wieder auch zum Ausdruck kommt.

KNA: Warum passt ein gut integrierter Muslim, der offenbar kein Problem hat mit der religiösen Ausrichtung, nicht in einen katholischen Schützenverein?


Kleine Die Bruderschaften haben eine jahrhundertelange Tradition: Ihr Zeichen ist das Kreuz, Schutzpatron ist der Heilige Sebastianus oder ein anderer Heiliger, der vorbildlich als Christ gelebt hat.

Wenn ich den Glauben von Muslimen ernst nehme, kann ich doch nicht erwarten, dass ein muslimischer Schützenbruder etwa das christliche Kreuz ansteckt oder an Fronleichnam hinter dem Allerheiligsten hergeht. Manche tragen heutzutage zwar das Kreuz als Modeschmuck, in einer Bruderschaft sollte es jedoch Glaubensbekenntnis und Ausdruck einer inneren Haltung sein.

KNA: Aber Herr Gedik ist doch freiwillig eingetreten...

Kleine Es ist wirklich ein Dilemma: Da ist jemand eingebunden in eine Bruderschaft, ist anerkannt, fühlt sich wohl. Das ist in den Augen der Gesellschaft eine gelungene Integration, und jetzt kommt die Kirche und haut da wieder drauf. Aber es ist diffiziler. Ich denke, es ist gut und richtig, dass es Vereine mit einem bestimmten Profil und entsprechenden Mitgliedern gibt. Aber wir erleben solchen Widerspruch bezüglich der katholischen Kirche auch beim Thema Homosexuelle oder wiederverheiratete Geschiedene. Da wir jedoch ein katholischer Verband sind, treten wir für bestimmte Traditionen und Werte ein.

KNA: Der Verband hat die Schlagworte «Glaube - Sitte - Heimat». Das klingt für manchen fast befremdlich.

Kleine Im Gegenteil, sie sind aktuell: Glaube steht für das christliche Fundament, Sitte für das gute Miteinander in der Gemeinschaft, getragen von Gottes- und Nächstenliebe, und Heimat steht nicht etwa für Heimattümelei oder irgendeinen Nationalismus, sondern für den Ort, wo ich zu Hause und geborgen bin, wo die Menschen sind, die ich liebe und für die ich da bin, aber auch für den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung.

KNA: Was können die Historischen Schützenbruderschaften aus der aktuellen Debatte lernen?

Kleine Sie ist vielleicht ein Ausgangspunkt für eine neue Diskussion über unser Selbstverständnis: Ist unseren Schützen bewusst, dass sie in einer katholischen Bruderschaft sind? Wollen sie das? Das sollte nicht nur im Dachverband, sondern auch in den einzelnen Bruderschaften diskutiert werden. Wenn man sich aber weiterhin für ein kirchliches Profil entscheidet, verwahre ich mich gegen den Vorwurf, man sei damit gegen Integration. Nur wenn ich meinen eigenen Standort kenne, kann ich in einen fruchtbaren Dialog mit anderen treten. Das ist übrigens besser, als wenn jemand gar keine Haltung hat.

KNA: Warum ist das Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit so schwer zu vermitteln?

Kleine Wir haben in unserer Gesellschaft die Tendenz, dass alles für alle möglich sein muss, alles gleich gültig ist. Dadurch wird aber vieles gleichgültig. Das hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit einer drohenden Profillosigkeit. Es kann doch auch nicht im Sinne der Integration sein, dass man religiös gebundene Vereine - ob für Christen, Juden, Muslime oder andere - als provinziell und von gestern diffamiert.

KNA: Was soll jetzt mit Schützenkönig Gedik geschehen?

Kleine Ich wünsche ihm ein schönes Königsjahr, aber er soll bitte dafür Verständnis haben, dass er beim Bezirksschießen und nächsten Wettbewerben nicht antreten kann, weil es der Satzung unseres Verbandes widerspricht. Weitere Konsequenzen müssen auf anderer Ebene entschieden werden. Ich bin auch gerne bereit, nach Sönnern zu fahren und mit allen Beteiligten zu sprechen.

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto © Katholisches Stadtdekanat Köln


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 




Mehr zu

Gesellschaft

  1. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  2. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  3. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  4. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt
  5. Österreichs Integrationsministerin richtet „Dokumentationsstelle politischer Islam“ ein
  6. Eine Kathedrale in Istanbul - und eine in Nantes
  7. US-Stadt will barbusige Frauen in öffentlichen Parks erlauben
  8. „Wäre das Kinderkopftuch eine christliche Tradition, wäre es schon lange verboten“
  9. CNN-Moderator Chris Cuomo: Amerikaner "brauchen keine Hilfe von oben"
  10. Fridays For Future Weimar: „Die Polizei diskriminiert, mordet, prügelt, hehlt“






Top-15

meist-gelesen

  1. EINMALIGE CHANCE! Große Baltikum-Reise mit kath.net - Mit Erzbischof Gänswein!
  2. Eine wichtige BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  3. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  4. Foto mit AfD-Politiker - Pfarrer entpflichtet Oberministranten im Bistum Passau
  5. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  6. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  7. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  8. Das Wunder des Karol Wojtyła
  9. „Habt keine Angst!“ – Christus macht wirklich frei!
  10. Alexander Kissler: Kirchen sorgen für ‚Entchristianisierung‘ Deutschlands
  11. Hexenfestival: Streit zwischen Exorzisten und Bürgermeister
  12. Orthodoxe Kirche von Zypern übt heftige Kritik am Westen
  13. 200 Quadratmeter für den Papst
  14. Nach ‚schwarzer Messe‘ in Kansas: Organisator von der Polizei verhaftet
  15. Hilfe! Mein Kind tut sich so schwer mit dem Lernen!

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz