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Die Reliquie des neuen Seligen Papst Paul VI.

20. Oktober 2014 in Interview, keine Lesermeinung
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Nach der Seligsprechung Papst Pauls VI. wurde ein Reliquiar mit einem blutbefleckten Gewand des Seligen zum Altar gebracht. kath.net-Interview mit Ulrich Nersinger


Vatikan (kath.net) Am 19.10.2014 wurde der 1978 verstorbene Papst Paul VI. seliggesprochen. Während der Seligsprechung durch Papst Franzikus wurde ein Reliquiar (Foto) zum Altar gebracht. Der Historiker und Vatikankenner Ulrich Nersinger, der eine wichtige Biografie über den neuen Seligen geschrieben hat, erläutert gegenüber kath.net, woher diese Reliquie stammt.

kath.net: Herr Nersinger, woher stammt die Reliquie, die während der Seligsprechung auf dem Petersplatz ausgestellt wurde?

Ulrich Nersinger: Im November und Dezember 1970 hatte der neue Selige eine neuntägige Pastoralreise nach Asien und Australien unternommen. Unmittelbar nach der Landung auf dem Airport von Manila (Philippinen) stürmte der 35jährige bolivianische Kunstmaler Benjamin y Amor Flores auf den Papst zu und versuchte ihn zu erdolchen. Das Messer des Attentäters, der ein Priestergewand trug, traf Paul VI. zweimal, in der Brust und am Hals, zwar nur oberflächlich, aber doch so, dass die Wunden bluteten. Der Begleitung des Papstes gelang es, Mendoza niederzuringen.

Der Papst deutete sofort an, von dem Vorfall kein Aufhebens zu machen. Bei der anschließend zelebrierten Heiligen Messe verdeckten die liturgischen Gewänder die kleinen Verletzungen des Papstes.


Nach der Eucharistiefeier versorgte der mitgereiste päpstliche Leibarzt die beiden Wunden und gab seinem Patienten eine Tetanusspritze. Ein weiteres Mal gab der Heilige Vater den Umstehenden ein Zeichen, das Geschehene nicht publik zu machen.

kath.net: Doch die Nachricht drang dann doch an die Öffentlichkeit?

Nersinger: Ja, und zwar sehr schnell. Das italienische Parlament unterbrach sogar für kurze Zeit seine Sitzung. In Italien berichteten die Medien, der Privatsekretär Pauls VI., Don Pasquale Macchi, habe den Attentäter wie „ein Halbgewichtsboxer“ blockiert. Auf den Philippinen bemühte man sich, den dortigen Staatspräsidenten und den Erzbischof von Manila als Verhinderer des Anschlags darzustellen. In den USA sah man Monsignore Paul Casimir Marcinkus vom Päpstlichen Staatssekretariat als den Retter des Papstes; „ein Filipino war mit dem Messer auf Papst Paul VI. losgestürmt, Marcinkus, 1,94 Meter groß, ein Zentner schwer, hatte ihn einfach zu Boden gedrückt“ (The Washington Post). Als päpstlicher ‚Bodyguard’ war der „zupackende Amerikaner“, so eine italienische Zeitung, „fortan für die Auslandsreisen seines Chefs verantwortlich“.

kath.net: Wie stand der Papst selber zu dem Attentat?

Nersinger: Er war bemüht, es bis in die Bedeutungslosigkeit hinunterzuspielen. Gegenüber dem späteren Kurienkardinal Sergio Pignedoli zeigte sich der Papst vor allem über den Wettstreit seiner „Leibwächter“ amüsiert.


kath.net-Buchtipp
Paul VI.
Ein Papst im Zeichen des Widerspruchs
Von Ulrich Nersinger
Taschenbuch, 140 Seiten
2014 Patrimonium
ISBN 978-3-86417-027-0
Preis 15.30 EUR

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Seligsprechung Paul VI – ab Minute 3,30 ist die Reliquie gut zu sehen




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