07 September 2015, 10:00
Merkel: 'Haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind!'
 
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Deutsche Bundeskanzlerin: Christen debattieren zu defensiv. Merkel kritisiert angesichts der Sorge um eine Islamisierung Europas die Kenntnis- und Bekenntnisschwäche der europäischen Christen.

Bern-Berlin (kath.net/pl) „Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Und wenn ich etwas vermisse, dann nicht, dass ich jemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Haben wir dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein oder vielleicht auch mal ein Bild in einer Kirche noch ein bisschen erklären zu können.“ Dies sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Fragerunde nach der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bern (Schweiz) für ihren Einsatz gegen den Klimawandel, der SRF zeichnete das Gespräch auf. Eine (deutsche) Fragerin aus dem Publikum hatte sich erkundigt, wie die Bundeskanzlerin Europa „und unsere Kultur“ vor der Islamisierung schützen wolle, da mit den Flüchtlingen auch eine Anzahl muslimischer Menschen hierher komme.

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Merkel stellte fest, dass man sich einerseits natürlich „gegen terroristische Gefahren wappnen“ müsse. Gleichzeitig kritisierte sie aber u.a. die mangelnde Kenntnis der hiesigen Christen über ihre Religion: „Wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würde ich mal sagen, es ist mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, dass sich Muslime im Koran besser auskennen, das finde ich irgendwie komisch. Und vielleicht kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und wir mehr Kenntnis darüber haben.“

Sie finde „diese Debatte sehr defensiv“. Außerdem sei auch „die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen“ gewesen, „dass wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert“. Zwar müsse man „angehen dagegen, wir müssen versuchen das zu bekämpfen, aber wir haben überhaupt keinen Grund zu größerem Hochmut, muss ich sagen. Das sage ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin.“

Es reiche eben nicht, sich von einer Angst vor Islamisierung leiten zu lassen, so Merkel und erinnerte: „Angst war noch nie ein guter Ratgeber, weder im persönlichen noch im politischen Leben. Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern.“

Bundeskanzlerin Merkels Antwort in voller Länge im Kurzvideo:






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