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Mehr Taufbewerber mit muslimischem Hintergrund in Österreich

12. März 2016 in Österreich, 2 Lesermeinungen
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Unter den Flüchtlingen gibt es eine generell ernüchterte Einstellung zum Islam mit Blick auf Gräueltaten dschihadistischer Terrorgruppen im Nahen Osten.


Wien (kath.net/KNA) Menschen mit muslimischem Hintergrund werden 2016 rund die Hälfte der erwachsenen Taufwerber in Wien ausmachen. Ihr Anteil stieg bislang gegenüber 2015 von einem Drittel auf etwa die Hälfte, wie die Leiterin des Koordinationsbüros der Österreichischen Bischofskonferenz für Katechumenat und Asyl, Friederike Dostal, am Freitag in Wien mitteilte.

Einen Grund für die wachsende Zahl sieht Dostal im Engagement der Kirche bei der Betreuung und Unterbringung von Asylwerbern. Zudem gebe es unter den Flüchtlingen eine generell ernüchterte Einstellung zum Islam mit Blick auf Gräueltaten dschihadistischer Terrorgruppen im Nahen Osten. Insgesamt würden in österreichischen Pfarreien 2016 voraussichtlich weit mehr als 300 über 14-Jährige getauft.


In Österreich geht die katholische Kirche bei der Eingemeindung neuer Mitglieder bewusst behutsam vor. Die Bischofskonferenz beschloss 2014 eine einjährige Vorbereitungszeit zur Bedingung für die Taufe von Menschen mit Fluchthintergrund. Damit sollen nach Worten Dostals «Taufschein-Christen» verhindert werden, die sich vom Übertritt zum Christentum bessere Asyl-Chancen erhoffen. Massentaufen wie zuletzt in der evangelischen Gemeinde in Hamburg, wo in diesem Jahr mehr als 600 Neuchristen aufgenommen werden sollen, wolle man in Österreich nicht.

Direkte Auswirkungen habe diese intensive Taufvorbereitung auch auf die österreichischen Behörden, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Kardinal Christoph Schönborn, am Freitag in Wien. Der Asylgerichtshof erkenne die hohen Standards der katholischen Kirche in der Taufvorbereitung durchaus an. Behördenvertreter seien so eher bereit, die Konversion als Fluchtgrund beziehungsweise als Nachfluchtgrund zu akzeptieren.

Die Beauftragte der Bischofskonferenz Dostal rechnet für 2017 mit einem weiteren Anstieg bei Taufwerbern mit muslimischem Hintergrund. Aufgrund der einjährigen Vorbereitungszeit habe sich der Flüchtlingsstrom von 2015 noch nicht so deutlich bemerkbar gemacht.

Der Großteil der Taufwerber mit muslimischem Hintergrund kommt demnach aus dem Iran und Afghanistan, gefolgt von Syrern und Irakern. Die nächstgrößere Gruppe seien Afrikaner. In der Altersstatistik dominiert die Gruppe zwischen 14 und 35 Jahren; bei der Geschlechterverteilung überwiegen leicht die Männer.

Neben regelmäßigen Treffen mit den Taufbegleitern sind während der einjährigen Vorbereitungszeit vor allem der Besuch des Sonntagsgottesdienstes, ein intensives Bibellesen und die Teilnahme am Gemeindeleben vorgesehen. Sehr wichtig sei dabei auch, dass die Gemeinden die Menschen an ihrer Glaubenspraxis teilhaben ließen, so Dostal.

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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