19 Dezember 2016, 11:00
Alle Jahre wieder
 
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Mit schöner Regelmäßigkeit melden sich Menschen, die es offenbar besser wissen, und erheben Forderungen gegenüber der katholischen Kirche – wie jüngst Julia Klöckner. kath.net-Kommentar von Anna Diouf

Bonn (kath.net/ad) Alle Jahre wieder, könnte man sagen: Mit schöner Regelmäßigkeit melden sich Menschen, die es offenbar besser wissen, und erheben Forderungen gegenüber der katholischen Kirche – wie jüngst Julia Klöckner. Reizthemen gibt es genügend. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, es ginge dabei eher darum, sich als Partisan und Märtyrer zu fühlen denn um konstruktives Ringen um die Wahrheit.

Wieso suchen sich die betreffenden Personen wohl sonst immer die aussichtslosesten Diskussionsthemen, die bereits dogmatisch oder quasi dogmatisch erledigt sind, und keines Diskurses mehr bedürfen?

Gibt es nicht genügend Optimierungspotenzial in der Kirche? Können wir nicht den vertrauensvollen Umgang miteinander, den persönlichen Glauben, das „Sentire cum Ecclesia“ stärken? Sind das nicht Baustellen, die komplex genug wären?

Nein, ohne Frauenpriestertum können wir nicht leben. Aha. Das ist also das eigentliche Problem.

Die Kirche begeistert nicht deshalb nicht, weil sie in Steuergeld schwimmt und träge in der Verkündigung geworden ist, nicht, weil Verkündigung und persönliches Zeugnis nicht übereinstimmen, nicht, weil sie angepasst an den Zeitgeist jeder Mode hinterherrennt, dabei aber zwangsläufig immer zu langsam ist?!

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Nein, Frauen können nicht Priester werden, und das ist ein Grundproblem. Zugegeben: Auch ich habe so gedacht. Da war ich allerdings auch noch nicht katholisch. Ich finde es völlig legitim, wenn Menschen, die keine Ahnung von der katholischen Kirche haben, das Frauenpriestertum fordern. Vielleicht würde ich mir sogar Sorgen machen, wenn sie es nicht täten. Schließlich ärgere ich mich auch darüber, dass Frauen in Saudi-Arabien nicht Auto fahren dürfen, und irgendwie ist das doch dieselbe Kategorie, oder? Frauen können Auto fahren und predigen, also können sie auch den Führerschein machen und das Weihesakrament empfangen.

Ich bin nicht leidenschaftlich gegen das Frauenpriestertum, weil es keine Sache ist, gegen die man irgendwie einen besonderen Elan aufbringen müsste. Gott sei Dank hat der Heilige Johannes Paul II. uns in nachahmenswerter Klarheit diese Mühe abgenommen, wofür man ihm nicht genug danken kann.

Aber zwischendurch sollte man als Frau wohl doch erklären, wieso man sich eines Besseren besonnen hat, und die Lehre der Kirche genau so gut findet, wie sie ist. Schließlich befindet sich unsere säkulare Gesellschaft im Krieg gegen Religiosität mit totalitärem Anstrich und kennt den Unterschied zwischen Gleichheit und Gleichwertigkeit nicht; und wenn man gegen die Burka ist, kann man auch gleich das Frauenpriestertum fordern und damit unter Beweis stellen, dass man Äpfel von Birnen nicht unterscheiden kann – „Something wicked this way comes“, würde Shakespeare dazu sagen.

Das Missverständnis Nr. 1 ist, dass es in dieser Frage um Gleichberechtigung ginge. Das kann man so sehen. Dann ist allerdings auch die exklusive Fähigkeit der Frau, Kinder zu gebären oder zu stillen, eine Frage der Gleichberechtigung. Es geht hier nämlich schlicht nicht um ein „Recht“. Anders als zum Autofahren kann man sich zum Priester nicht durch bestimmte Eigenschaften qualifizieren, man wird berufen, und zwar durch Gott.

Nun ist es schmerzlich, aber wahr: Gott beruft jeden Menschen auf andere Weise und zu etwas anderem. Neidisch darauf zu schielen, was der andere bekommen hat, macht den Menschen blind für das Geschenk, das Gott ihm persönlich und exklusiv geben möchte. Wer kleine Kinder hat, der mag schon erlebt haben, dass eines partout und unbedingt das haben will, was der andere hat, ganz egal, ob es selbst etwas eigenes Äquivalentes hätte. In dem Augenblick zählt nur, dass die begehrte Sache Eigentum des anderen ist, und damit ist jedes Räsonieren umsonst, ein elterliches Machtwort muss her. Unsere Päpste sind umsichtige Väter im Allgemeinen, weshalb sie uns immer wieder deutlich gemacht haben, welche einzigartige Würde die Frau hat, was für ein Geschenk es ist, eine Frau sein zu dürfen, womit man neben dem Privileg, neuem Leben die erste Heimat geben zu dürfen, auch noch damit begnadet ist, vom selben Geschlecht wie die Jungfrau Maria zu sein, die immerhin Gottesmutter und höchstes Geschöpf ist, nicht schlecht, sollte man sagen, aber man ist ja selten zufrieden mit dem, was man hat, und auf der anderen Seite des Zaunes ist das Gras auch immer grüner, und sind die Äpfel weniger wurmstichig.

Übrigens ist der Irrglaube, es ginge beim Priestersein um Fähigkeiten, vor allem deshalb weit verbreitet, weil das Wissen um den sakramentalen Charakter des Priestertums weitgehend verloren gegangen ist. „Ich habe schon viele Frauen erlebt, die besser predigen können“, ist ein Satz, den ich schon oft gehört habe. Dieser Satz ergibt nur Sinn, wenn man denkt, dass die Predigt der Kern des Gottesdienstes wäre. Dies ist ein Auswuchs des Glaubensbegriffes, der Religion auf eine ethische Dimension reduziert und der Transzendenz beraubt: Es geht dann im Gottesdienst darum, als Mensch „weiterzukommen“, sich zu bilden, zu lernen, etc. Das sind schöne und gute Nebeneffekte, aber sie sind, jedenfalls in der katholischen Messe, nicht der Kern, wo es ja darauf ankommt, sich von Gott beschenken zu lassen mit seiner Gegenwart und ihn sich einzuverleiben und somit Teil von ihm zu werden. Das kann keine Predigt dieser Welt bewirken.

Ruf nach Frauenpriestertum und Glaubensverdunstung gehören also (häufig – nicht immer) eng zusammen, wie überhaupt Glaubensverdunstung der Grund so ziemlich aller Übel ist, die wir hierzulande beklagen.

Der zweite Haken ist eine Denkblockade auf Seiten der Möchtegernsuffragetten: Frauen können doch alles, was Priester können müssen! Wie gesagt, predigen! Singen! Einfühlsam sein! Zuhören, für Menschen da sein, sich aufopfern, lehren. Sie können das oft sogar besser als Männer! Ja, und? Eine Frau darf auch verkündigen, singen, einfühlsam anderen zuhören und ihnen raten, sie darf auch lehren. All das und mehr kann und soll sie tun, wenn sie die jeweilige Gabe dazu hat. Sie muss dafür nicht Priester sein. Im Gegenteil, sie hat sogar explizit die Aufgabe, z.B. als Mutter all dies zu tun! Sie ist nämlich die erste und wichtigste Bezugsperson für junge Menschen, nicht der Priester. Sie braucht kein Weihesakrament, um zu segnen, zu lieben oder zu opfern.

Die Denkblockade aber führt dazu, dass Frauen dieselben Aufgaben in dem Augenblick als Degradierung empfinden, in der sie diese als Mutter ausführen sollen: Lautet die Stellenbeschreibung auf „Mutter gesucht: Sei treu im Glauben, stark im Gebet, vermittle Liebe zu Gott, tröste, rate, weise zurecht“, ist die Tätigkeit unwürdig, sind die Inhalte dieselben, aber es steht „Priester“ da, dann wird es begehrenswert. Allein dies sollte misstrauisch machen ob, wer die Inhalte nicht mehr als würdig erkennen kann, weil sie unter einem anderen Namen daherkommen, wirklich geeignet ist. Schauen wir den Priester an, so erkennen wir, dass der Priester ja nichts anderes als ein Vater sein soll – und damit ein Abbild des Vaters und Guten Hirten schlechthin, nämlich des himmlischen. In anderen Ländern wird uns diese Einsicht dadurch erleichtert, dass wir Priester auch mit dem Titel „Vater“ ansprechen. Und Priester tun gut daran, auch diese Aufgabe erfüllen zu wollen, und sich nicht als Entertainer und Hipster betätigen zu wollen.

Nun will ich nicht unterschlagen, dass neben vielen Tätigkeiten, die eine katholische Frau zum Dienst an der Kirche ebenso gut wie ein Priester tun kann, soll und muss, ohne eines Sakramentes zu bedürfen, es eben auch den entscheidenden Unterschied gibt. Aber ist das schlimm? Ist es wirklich so schwierig, zu akzeptieren, dass es Unterschiede gibt?

Ja, es muss ein unfassbar großes Geschenk sein, Priester sein zu dürfen, die Beichte abzunehmen, das Sakrament des Altares zu feiern, den Menschen ein Abbild Christi zu sein. Aber dies ist ja auch nicht einfach dem Mann möglich und der Frau nicht! Es ist auch nur den Männern möglich, die berufen sind!

Wer hier ein Problem hat, der sitzt meist einem fatalen Irrtum auf: Er denkt in weltlichen Kategorien und kehrt in der Kirche dadurch das Unterste zuoberst. Gehorsam, Vertrauen und Dienst gehen in der Kirche nämlich Hand in Hand.

Keiner, so sagt der Apostel Paulus, lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. Keiner, das bedeutet, weder Mann noch Frau.

Eine Frau, die glaubt, Priestertum sei ein Privileg, das Macht verleihe, Prestige oder Befugnisse oder Vorteile brächte, die irrt ebenso wie ein Mann, der das denkt.

Wer das Priesteramt für sich will, der hat das Wesentliche nicht verstanden. Wer also Priestertum als Weg zur Selbstbestimmung empfindet, der hat im Kopf etwas, das mit dem katholischen Priester nichts gemein hat

Gebunden werden und dahin gehen, wohin man nicht will, wie es Jesus dem Petrus verheißt: Selbstaufgabe, Selbstaufopferung, gerade nicht Selbstverwirklichung (im modernen Sinne), gottbestimmt, nicht selbstbestimmt.

Diener, Magd Gottes sein, das ist die Aufgabe eines Katholiken, Gott glauben und damit seiner Kirche vertrauen. Das gilt für alle Getauften. Daher ist es völlig in Ordnung, zu „finden“ oder zu „denken“, dass Frauen gute Priester wären, wenn es denn Gott und der Kirche gefiele: Es ist aber völlig an der Aufgabe und an dem Geschenk, „Kirche zu sein“ vorbei, wenn man denkt, die Kirche habe ihre Lehre zu ändern. Es sei denn, ich meine, dass die Kirche gar nicht vom Heiligen Geist geleitet würde, sondern von alten, misogynen Männern. Dann sitzt das Problem allerdings tiefer.

Foto Anna Diouf




Foto Anna Diouf (c) Heike Mischewsky







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