02 März 2017, 10:00
Herausragendes katholisches Jugendbuch mit spannender Action
 
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Blaulichteinsätze im US-Drogenmilieu – Dem Polizeischüler ist das Anlegen von Handschellen ebenso geläufig wie das Bibellesen – Neuerscheinung von „Veronika Grohsebner – Benjamin Coleman 1: Das Versprechen“. kath.net-Rezension von Petra Lorleberg

Wien-Stuttgart (kath.net/pl) Hochspannend erzählt: Blaulichteinsätze im Banden- und Drogenmilieu inmitten der ungelösten US-Rassenproblematik, ein junger Mann in einer fordernden Ausbildung zu einer fiktiven Polizei-Spezialeinheit, es fließt Blut, manchmal überleben die Personen nur um Haaresbreite oder gar nicht – und das Ganze ein katholisches Jugendbuch? Nun, wer säuselnde, frömmelnde Beschaulichkeit erwartet, sollte die Neuerscheinung von Veronika Grohsebner „Benjamin Coleman 1: Das Versprechen“ nicht zur Hand nehmen. Doch wer kraftvoll-nachdenkliche gläubige Helden kennenlernen will, die Fragen stellen, die Zweifel haben, die auch das Scheitern kennen und denen das Anlegen von Handschellen ebenso geläufig ist wie das Lesen der Bibel, der ist hier richtig! Dabei kennt „Das Versprechen“ durchaus auch leise Töne, sei es im Schildern der Natur, sei es in den Selbstzweifeln der Hauptperson und sei es in Momenten des Glaubens.

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Benjamin Coleman hat eine wohlsituierte aber lieblose Kindheit hinter sich. Sein Bruder stirbt, als Benjamin 14 Jahre ist – er hatte sich eine verunreinigte Droge gespritzt. Die Mutter spielt in Benjamins Leben kaum eine Rolle und kondensiert sich schließlich völlig. Der Vater trauert um seinen Lieblingssohn und Benjamin muss zu seinem Schrecken hören, dass es der Vater vorgezogen hätte, wäre Benjamin anstelle seines Bruders gestorben. Der Junge ist hochbegabt in Mathematik, aber er erfüllt nicht die Wünsche des Vaters zu einer Karriere als Footballspieler. Benjamin führt den schmerzlichen Bruch mit dem Vater herbei – und doch trägt er davon eine hemmende Hypothek in sich. Obendrein hat er in der Polizeiausbildung den Jahrgangstyrannen zum Feind, das geht hin bis zur Manipulation an seinen Sportgeräten, was einen lebensgefährlichen Unfall nach sich zieht. Wird Benjamin die freiwillig gewählte fordernde Ausbildung und den harten Alltag bei den „Special Troops“ bestehen können?

Neben der äußeren Entwicklung schildert die österreichische Autorin eindringlich die religiöse Entwicklung des nachdenklichen und kritikfähigen Jungen. Wie wird er zum bewussten Christen/Katholiken? Wie geht er mit seinen Schwierigkeiten und Hemmungen um? Und wie bekommt er den Auftrag Jesu zu Feindesliebe zur Deckung mit seiner beruflichen Aufgabe, zu der im äußersten Notfall auch der Gebrauch der Schusswaffe gehört? Wie lebt man eigentlich Nächstenliebe gegenüber einem gefährlichen Kriminellen?

Grohsebner trifft den Ton. Die derzeitige Jugendliteratur ist – gerade im unermüdlich beliebten Fantasybereich – nicht zu knapp geprägt von durchaus blutigen Abenteuergeschichten in einem Umfeld, das dem Leser im echten Leben entzogen ist. In ein solches Umfeld eine katholische Identifikationsfigur zu schicken und ihre komplexe Entwicklung nachzuzeichnen, ist ein anspruchsvolles Vorhaben, an dem nicht wenige Jugendbuchautoren scheitern würden. Dass die Wiener Autorin ein sozusagen „lebensfähiges“ Szenario erschaffen kann, ist ausgesprochen lobenswert und lässt indirekte Rückschlüsse darauf zu, wie die Mutter von vier Kindern sowohl den Kontakt zur Jugendlichen wie auch ihre eigene Entwicklung im christlichen Glauben lebt und interpretiert.

Benjamin Coleman ist als mehrbändige Reihe angelegt und entpuppt sich auch für Erwachsene als purer Lesegenuss. Das in sich abgeschlossene Buch mit seiner nachhaltigen Einladung zum christlichen Glauben sollte unbedingt an Jugendliche weitergegeben werden.

„Das Versprechen“ ist übrigens schon Grohsebners fünftes Buch und wird auch wieder auf Englisch erscheinen. Die meisten ihrer Bücher spielen ebenfalls bei den Special Troops, nur der Band „Jonny Designed“ handelt in einem anderen Umfeld und geht in spannender Weise auf brisante bioethische Fragestellungen ein. Allen Büchern gemeinsam ist das Ringen der Hauptfiguren um Bewältigung verstörender Kindheitserfahrungen und ihre Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Die Bände können durchaus als katholischer „Geheimtipp“ zählen.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Man würde den im Selbstverlag herausgegebenen Büchern Grohsebners dringend größere Verbreitung wünschen. Und in einer Zeit, in der gute katholische Jugendliteratur kaum existent ist, da bleibt es rätselhaft, warum beispielsweise nicht längst der „Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis“ für eines der Bücher Grohsebners verliehen wurde, um dadurch ihre Verbreitung zu fördern. Auch auf der Homepage des „Borromäusverein e.V.“, dem Dachverband der Katholischen Öffentlichen Büchereien, lässt sich leider keine Erwähnung eines Buches von Veronika Grohsebner nachweisen(siehe Screenshot).

Mittels meiner Rezension möchte ich deshalb das Grohsebners Buch „Benjamin Coleman 1: Das Versprechen“ für den „Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis“ 2018 vorschlagen.

kath.net-Interview mit Veronika Grohsebner 2014: Jugendbuchautorin: Auch mein nächstes Buch wird wieder katholisch!

kath.net-Buchtipp
Das Versprechen
Benjamin Coleman 1
Von Grohsebner Veronika
Taschenbuch, 423 Seiten
2017 Grohsebner, Veronika
ISBN 978-3-200-04947-5
Preis 16.40 EUR

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