13 Januar 2018, 15:30
Jeder Mensch ist von Gott unendlich geliebt!
 
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«Jede und jeder von uns hat nicht nur eine irdische Berufung, sondern sogar eine himmlische» - Predigt von Josef Spindelböck.

St. Pölten (kath.net/Sankt Josef)
2. Sonntag im Jahreskreis B (14.01.2018)
L1: 1 Sam 3,3b-10.19; L2: 1 Kor 6,13c-15a.17-20; Ev: Joh 1,35-42


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wozu ruft uns Gott? Wozu beruft er uns? Oder aber umgekehrt: Ruft uns Gott wirklich? Oder ist es doch nicht vielmehr eine Täuschung, wenn jemand meint, er habe einen Ruf Gottes vernommen?

Diese Fragen lassen sich angesichts der Lesung aus dem Buch Samuel stellen. Samuel war von seinen Eltern in die Obhut und Aufsicht des Tempels übergeben worden, als er noch sehr klein war. Dort erhielt er die nötige Erziehung und Bildung sowie eine Einführung in das jüdische Glaubensleben. Der Priester Eli war als Erzieher für ihn verantwortlich. Irgendwann mitten in der Nacht geschieht es, dass der junge Samuel eine Stimme hört, die ihn ruft. Er erhebt sich vom Schlaf und meint, Eli habe ihn gerufen. Doch dies ist nicht der Fall; Eli sagt dem Samuel, er soll sich wieder niederlegen. Dies geschieht dreimal. Doch nach dem dritten Mal ist es für Eli klar: Hier ruft Gott selber den kleinen Samuel!

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Die Aufgabe des Priesters Eli ist es nun, Samuel mit dem Ruf Gottes vertraut zu machen. Denn Samuel soll als Prophet des Höchsten auftreten. Die Antwort Samuels auf den Ruf Gottes soll daher beim vierten Mal lauten: „Rede, denn dein Diener hört.“ (1 Sam 3,10)

Bei der Begegnung der ersten Jünger mit Jesus ist es ähnlich und doch wieder anders! Hier ist es zuerst Johannes der Täufer, der zwei seiner Jünger mit Jesus bekannt macht, indem er Jesus als das „Lamm Gottes“ bezeichnet. Dieser geheimnisvolle Titel weist hin auf das Opfer der Hingabe, das Jesus in seinem Erlösungswerk vollbringen sollte.

Die beiden Jünger waren interessiert daran, was Jesus tat und sagte, wo er wohnte und wer er wirklich war. Eben deshalb blieben sie auf Einladung Jesu an diesem Tag bei ihm. Es muss ein gewaltiger Eindruck für diese ersten Jünger gewesen sein, dass sie Jesus begegnen durften und er sie an seinem Leben Anteil nehmen ließ. Einer dieser Jünger hieß Andreas und war der Bruder des Simon Petrus. Andreas machte seinen Bruder mit Jesus bekannt, denn er war überzeugt: „Wir haben den Messias gefunden.“ (Joh 1,41)

Jesus wiederum, dessen Titel „Messias“ auf Griechisch „Christus“ heißt, also der Gesalbte, blickte den Simon an und sagte zu ihm: Er solle künftig „Kephas“ heißen, also Petrus; denn dies bedeutet Fels.

Mit der Berufung zur Nachfolge erhält Simon also einen neuen Namen, der sei künftiges Amt, seine künftige Aufgabe anzeigt. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist, so wird doch jetzt schon am Anfang der Bezug auf das Kommende hergestellt.

Kehren wir zurück zur Eingangsfrage: Ruft uns Gott? Wozu ruft oder beruft er uns? Wir könnten uns jetzt noch aus der Affäre ziehen und sagen: Ja, grundsätzlich halten wir es für möglich, dass Gott Menschen in besonderer Weise ruft und beruft. Aber uns persönlich betrifft das nicht!

Ist es wirklich so? Sind wir hier nicht mitgemeint? Ist an uns der Ruf Gottes nicht ergangen? Können wir mit Sicherheit ausschließen, dass Gott auch für uns eine besondere Berufung hat, eine besondere Aufgabe im Reich Gottes, das in der Kirche seinen Anfang findet?

Keine Angst: Es muss ja nicht gleich ein geistlicher Beruf sein. Obwohl: So eine Berufung zum Ordensleben oder zum Amt des Diakons oder Priesters ist etwas Einzigartiges und trotz der damit verbundenen Lasten und Pflichten etwas Wunderbares, Erhebendes und Beglückendes!

Aber ist nicht jeder Christ, ja sogar jeder Mensch von Gott gerufen und zu einer bestimmten Aufgabe, zu einem bestimmten Dienst berufen?

Wenn wir darüber nachdenken, sollten wir dem zustimmen. Denn schon unser Leben, unsere Existenz ist nicht einfach das Produkt des Zufalls oder der Willkür bzw. ausschließlich der Liebe der Eltern. Denn hinter allem steht Gott, der uns ins Dasein gerufen hat. Er hat es für gut befunden, dass wir leben und existieren. Er hält unser Leben in seiner Hand! Er ruft uns alle mit Namen, das heißt wir sind keine Nummer für ihn, sondern der unendlich große und heilige Gott hält uns für wert, dass wir hier auf Erden leben.

Er schenkt uns eine einzigartige Würde, da wir Menschen sind, also vernunftbegabte, mit Gewissen und Freiheit ausgestattete Lebewesen, die nicht nur eine geistige Seele besitzen, sondern auch einen Leib. Gott sagt Ja zu uns Menschen, und er tut dies in Liebe! Er sagt nicht nur in allgemeiner Weise ja zum Menschengeschlecht, sondern er sagt zu einem jeden von uns ganz persönlich „Ja“. Und selbst für den Fall, dass ein Mensch auf eine Weise gezeugt wird, die wenig mit Liebe zu tun hat oder wo ein Kind sogar abgelehnt wird von denen, die eigentlich für dieses Kind da sein und für es sorgen sollten: Auch hier gilt, dass Gott diesen Menschen – dieses Kind – ganz persönlich liebt und aus Liebe ins Dasein ruft!

Gott hat uns erschaffen aus Liebe, und er beruft uns zur Liebe. So hat es der heilige Papst Johannes Paul II. immer wieder dargelegt. Es ist eine Berufung, die uns allen gilt und die dann im Glauben an Jesus Christus ihren Höhepunkt findet, indem wir in der heiligen Taufe zu Kindern Gottes geworden sind. So gesehen hat jede und jeder von uns nicht nur eine irdische Berufung, sondern sogar eine himmlische. Der ganze Mensch ist hier einbezogen, auch mit dem Leib. Denn wie es in der Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther heißt, ist dieser Leib „ein Tempel des Heiligen Geistes“ geworden (vgl. 1 Kor 6,19). Wir Christen sind also weit davon entfernt, leibfeindlich zu sein!

Weil war also ganz Gott gehören und durch die heilige Taufe sozusagen „ein Geist mit ihm“ (1 Kor 6,17) geworden sind, darum sollen wir auch gottgefällig leben und Gott sogar in unserem Leib verherrlichen. Dies alles ist auch im Hinblick auf die künftige Auferweckung unseres Leibes zu verstehen, denn wir sollen Anteil erhalten an der Auferstehungsherrlichkeit Christi, des Herrn.

All dies darf uns mit Freude erfüllen! Die Gebote Gottes helfen uns dabei, dass wir diese Verbindung der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen aufrechterhalten. Wie immer konkret Dein oder mein Leben aussieht: wir sind geliebte Kinder Gottes! Wir sind von Gott aus Liebe ins Dasein gerufen und wir sind berufen, die Liebe Gottes aufzunehmen und zu erwidern und auch unsere Mitmenschen spüren zu lassen, dass Gott es wirklich gut mit ihnen meint, dass Gott sie ganz persönlich liebt und zur Vollendung führen will im Reiche Gottes. Amen.

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