27 September 2018, 12:00
Klerikalismus und Homosexualität – ein Zweikomponentensprengstoff?
 
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Wie in der Sprengstoffchemie bewirken die Komponenten nicht schon allein eine Detonation. Kommt als „Zünder“ fehlendes Sündenbewusstsein hinzu, kann diese Kombination die ganze katholische Kirche in die Luft sprengen. Gastkommentar von Helmut Müller

Vallendar (kath.net) Auch die Komponenten Klerikalismus und Heterosexualität können aufgrund des „Machtgefälles“ zwischen Kleriker und Laie mit genanntem Zünder zu gefährlichem Sprengstoff werden. Der Fall Harvey Weinstein u. a. haben gezeigt, dass das Machtgefälle in Beziehungen auch außerhalb der Kirche problematisch werden kann.

Häufig werden nur die Komponenten Klerikalismus und Zölibat genannt, die als Einzelkomponenten allein schon für Missbräuche von Abhängigen angeführt werden. Von o. g. genanntem „Zünder“ ist erst gar nicht die Rede. Soll man also das klerikale Machtgefälle durch flache Hierarchien ersetzen und den Zölibat aufheben? „Statistisch gesehen wird man eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil“, hat Hans-Ludwig Kröber beteuert, nachdem der Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin [...]darauf hingewiesen hatte, dass die Wahrscheinlichkeit des Kindesmissbrauchs durch katholische Priester 36 Mal geringer sei als bei „normalen“ Männern.“ (Die Welt 3. 4. 2010). Innerhalb von 68 Jahren sind nach der vorab bekannt gewordenen Studie 3677 Opfer dokumentiert worden. Manfred Lütz hat dankenswerter Weise hingewiesen, wie kritisch man diese Zahl beurteilen muss. In Deutschland werden aber jedes (!) Jahr etwa 10 000 Missbräuche registriert. Die Zahl der Opfer – jeweils ohne Dunkelziffer - ist also enorm. Offenbar interessiert sich die Öffentlichkeit weniger für die Opfer, dafür aber mehr für den katholischen Täter. Kleriker sind allerdings nur 0,5 Prozent aller Täter, wie in der Tagespost am 20. Sept. zu lesen war. Das kann kein Grund sein, klerikale Täter zu schonen und nicht aus dem Dienst zu entfernen, im Gegenteil.

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Andererseits kommt niemand auf die Idee die Feuerwehr aufzulösen, weil sich signifikant viele zur Brandstiftung Neigende zur Feuerwehr melden. Es kann also nur darum gehen, die Zugänge zum Klerikerstand und zum Zölibat einem „Stresstest“ zu unterziehen. Ein solcher Stresstest ist schon unter Benedikt XVI. 2005 und Franziskus 2016 formuliert worden; aber aus unterschiedlichen Gründen ist er auch immer schon umgangen worden. Da so gut wie gar nicht positiv über den Zölibat berichtet wird, soll hier nur auf den offenen Brief eines Angolamissionars an die New York Times in diesem Portal (http://kath.net/news/64931) hingewiesen werden.

Diese Ausführungen werden sich allerdings vorwiegend mit der o. g. Kombination beschäftigen, die bisher weithin tabuisiert worden ist und wenn eine Verbindung hergestellt wird, einen Shitstorm auf sich zieht und heftig attackiert wird. Auch in der jetzt vorliegenden Studie wird nicht Belastbares dazu gesagt. Homosexualität als solche wird von vielen verteufelt und von anderen verharmlost. Deshalb kann alles Nachfolgende nur eine Anfrage sein. Das Fragezeichen im Artikel ist keine reine Rhetorik. Aber es ist einer Anfrage wert:

• Die mit Homosexualität einhergehende enorm gesteigerte Promiskuitätsrate im Vergleich zu heterosexuell Aktiven wird kaum genannt: Die folgenden Zahlen stammen aus dem Buch des Londoner Primatenforschers Volker Sommer: Wider die Natur? Homosexualität und Evolution, in C. H. Beck 1990 erschienen. Volker Sommer ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Giordano Bruno Stiftung, einer offensiv antikirchlich und antireligiösen Organisation. Deshalb sind die Zahlen, die er zur homosexuellen Promiskuität angibt unverdächtig von jeglicher kirchlicher Parteinahme: „Gemessen an heterosexuellen Standards war die Zahl der Sexualpartner männlicher Homosexueller, welche die Kinsey Studie von 1978 zutage förderte, extrem hoch [...] Nahezu die Hälfte der befragten Männer hatte über 500 Sexualpartner[!] gehabt, ein Drittel zwischen 100 und 500, und 90 Prozent hatten zumindest 25 Partner. Der weitaus größte Anteil dieser enormen Promiskuität [...] resultierte von anonymen Kontakten in Saunen, Bars, Parks oder einer einmaligen, eine Nacht lang währenden Begegnung, dem sogenannten ‚one night stand’. Die für die Bundesrepublik Deutschland ermittelten Zahlen waren zwar nicht ganz so hoch, doch immerhin hatten 15 Prozent aller Männer mehr als 500 Sexualpartner gehabt, 29 Prozent zwischen 100 und 500 und 56 Prozent zwischen einem und hundert Partner. Die befragten Lesben glichen hinsichtlich der Zahl ihrer Geschlechtspartner eher heterosexuellen Frauen. Die meisten hatten weniger als 10 Partnerinnen gehabt und zwischen völlig Fremden fanden relativ wenige Begegnungen statt.“ (S. 25f).

• Wenn man dem homosexuellen Grünenpolitiker Volker Beck glauben will, hat sich in der Einstellung zu Promiskuität seit dem nicht viel geändert, da er soziale Treue von sexueller Treue abkoppelt: „Wenn man hofft, die Schwulen zu treuen Ehepartnern zu machen, muss und wird die schwule Beziehungsrealität den Gesetzgeber enttäuschen. (…) Offensichtlich ist für viele Paare ’ihre Sexualität mit Dritten auszuleben, ein wichtiger Faktor in der Aufrechterhaltung der Partnerschaft.’ (…) Eine positive rechtliche Regelung homosexueller Lebensgemeinschaften käme diesem Wunsch nach einer gesellschaftlichen Einbindung auf der politischen Ebene entgegen, ohne dass dem Gesetzgeber dafür eine Verhaltensänderung im Sinne abnehmender Promiskuität angeboten werden könnte.“ (Beck, Volker, Legalisierung schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften, in: Demokratie und Recht, 1991, 4, 446-464, S.457)

• Angesichts dieser „schwulen Beziehungsrealität“, wie Volker Beck ehrlich sagt, müssten die Zahlen, die in den USA und jetzt in deutschen Bistümern bekannt geworden sind mit dem hohen Anteil erwachsener und jugendlicher männlicher Opfer, einer Nachfrage wert sein, worauf in säkularen und auch kirchlichen Medien wenig hingewiesen wird.

• Selbst der homosexuelle Theologe Brinkschröder bemerkt mit Hinweis auf mehrere Studien „dass nur eine Minderheit unter den Tätern tatsächlich eine psycho-sexuelle Struktur besaß, die man insofern als pädophil bezeichnen kann, dass kindliche Körperschemata bei ihnen sexuelles Begehren auslösen.“ (Brinkschröder, Michael: Sexueller Missbrauch und Priester mit homosexueller Orientierung Ein Beitrag zur aktuellen Debatte, Quelle: Münsteraner Forum für Theologie und Kirche).

• Geht die hohe Zahl männlicher Opfer auf wenige, häufig homosexuell geprägte Serientäter zurück? Aus dem vorab veröffentlichten Bericht der Zeit geht hervor, dass von 1670 Beschuldigten 96 Serientäter (in 68 Jahren(!)) waren. Jeder einzelne ist für mehr als 100 Taten verantwortlich gewesen. Eventuell so veranlagten Tätern bieten – wie Brandstiftern die Feuerwehr - klerikale Strukturen ein wahres Eldorado an Gelegenheiten: Priesterseminare, Internate, kirchliche Schulen und Jugendgruppen sind wahre Magnete für Menschen mit diesen Präferenzen. Die kirchlichen Anweisungen von Papst Benedikt und Papst Franziskus Menschen mit tiefsitzender homosexueller Neigung nicht zu weihen, werden unter dieser Hinsicht mehr als einsichtig

Für den Umgang mit statistisch so erfasster Homosexualität ist folgendes anzufügen: Jede Statistik pauschalisiert mehr oder weniger bei oberflächlichem Lesen. Der konkrete Homosexuelle, dem ich begegne, kann jemand sein, auf den der pauschale Trend gerade nicht zutrifft. Das zeigt, wie problematisch das Auswahlverfahren für das Priesteramt ist. Bischöfe und andere Verantwortliche sind also nicht zu beneiden, diese Kriterien anzuwenden. Wenn jetzt hin und wieder Laien gegen Bischöfe mobilisiert werden, sollte das beachtet werden.

Abschließend noch ein Wort zum fehlenden Sündenbewusstsein als Zünder des o. g. Zweikomponentensprengstoffs. Schon der in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag feiernde Johann Baptist Metz hat 1971 im Synodenpapier „Unsere Hoffnung“ einen „unheimlichen Unschuldswahn“ beklagt. Das gilt heute umso mehr, auch wenn in einem anderen Sinne, als Metz es damals gemeint hatte. In der Gegenwart ist es weithin gelungen eine fast synonyme Vergangenheit von Sünde und Sexualität inhaltlich und begrifflich voneinander zu trennen. Aber sie so meilenweit voneinander zu trennen wie in der Gegenwart, hat zu einer Banalisierung und Verharmlosung von Sexualität geführt. Nicht nur die #Metoo-Debatte lässt grüßen. Wenn man auch noch wie Helmut Kentler und in seinem Gefolge die Sexualpädagogik der Vielfalt die Komponenten menschlicher Sexualität Natur und Person auf Kosten der letzteren voneinander trennt, legt man den Grundstein neuen Missbrauchs. Die Tatsache, dass o. g. Pädagogik in immer mehr Schulpläne gefiltert oder ungefiltert Einzug hält, ist ein schlimmes Beispiel eines neuen immer mehr um sich greifenden „unheimlichen Unschuldswahns“.

kath.net-Buchtipp:
Zeitgerecht statt zeitgemäß
Spurensuche nach dem Geist der Zeit im Zeitgeist
Von Helmut Müller
Hardcover, 244 Seiten
2018 Bonifatius-Verlag
ISBN 978-3-89710-790-8
Preis Österreich: 15.40 EUR

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