30 Oktober 2018, 09:30
Auch ein weiterer US-EX-Nuntius hörte von McCarricks Untaten
 
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„Catholic News Service“: Kardinal Cacciavillan, 1990-98 Apostolischer Pro-Nuntius in den USA, hatte 1995 einen besorgten Anruf einer Frau erhalten und Kardinal O´Connor wegen McCarrick informiert, aber angeblich nicht den Vatikan. Von Petra Lorleberg

Washington DC (kath.net/pl) Kardinal Agostino Cacciavillan, als Apostolischer Pro-Nuntius in Washington DC 1990-98 der Vorvorgänger des früheren US-Nuntius Carlo Viganò, räumte gegenüber „Catholic News Service“ gestern ein, dass er 1994 Gerüchte über das sexuelle Fehlverhalten des damaligen Erzbischofs von Newark, Theodore McCarrick, gehört habe. Er habe in der Apostolischen Nuntiatur den Telefonanruf einer Frau erhalten, die ihn warnte, dass der damals bevorstehende US-Besuch von Papst Johannes Paul II. einen „Medienskandal“ auslösen könnte, falls der Papst auch Newark besuchen werde, „denn es gebe Stimmen und Gerüchte über das Verhalten von McCarrick gegenüber Priesteramtskandidaten“. Der 93-jährige Kardinal Cacciavillan, der inzwischen im Ruhestand lebt, erläuterte gegenüber CNS weiter, es habe sich bei dem Anruf „nicht um eine formelle Beschwerde“ gehandelt, „sondern um einen Ausdruck der Sorge“. Er habe das trotzdem ernst genommen und den damaligen Erzbischof von New York, Kardinal John J. O'Connor, informiert, da dieser der Bischof gewesen sei, der am nächsten dran gewesen war, „niemand könnte genauer als der Erzbischof von New York wissen, was in der Erzdiözese Newark vor sich geht“. O´Connor startete eine Untersuchung und sagte dann dem Nuntius, dass es kein Hindernis für einen Papstbesuch in Newark gebe. Cacciavillan beschrieb den 2000 verstorbenen O´Connor als eine „sehr kompetente Person“, er habe keinen Grund zum Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Untersuchung gehabt. Der Papstbesuch in Newark erfolgte dann tatsächlich im Jahr 1995.

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Auf die Frage, warum Cacciavillan nach dem Telefonanruf überhaupt für eine Untersuchung gesorgt habe, antwortete der frühere Pro-Nuntius, dass er den Anruf „für etwas Wichtiges“ gehalten habe.

Außerdem sagte der frühere Pro-Nuntius gegenüber CNS, dass er Erzbischof McCarrick nicht auf diese Gerüchte angesprochen habe, obwohl er ihn in seinen acht Jahren als Nuntius häufig traf. Auch habe er dem Vatikan nicht über die Gerüchte berichtet. Tatsächlich habe er erstmals am 7. Oktober 2018 darüber geredet, und zwar bei einem Treffen mit dem Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet.

Außerdem verneinte Cacciavillan die Frage, ob er McCarrick befohlen habe, sein berüchtigtes Strandhaus zu verkaufen. McCarrick hat Berichten zufolge regelmäßig Gruppen von Seminaristen in das Strandhaus eingeladen, immer eine Person mehr als Betten vorhanden gewesen waren. Einer der Seminaristen musste dann das Bett mit McCarrick teilen und sah zunächst den Erzbischof nackt, während er sich zur Nacht auszog. Wer willig mitmachte und/oder über sein belastendes Wissen schwieg, dem winkten durch McCarrick vermittelte kirchliche Karrieren. McCarrick verkaufte das Strandhaus im Jahr 1997, damals war Cacciavillan noch der Pro-Nuntius.

Der Vatikan hat Anfang Oktober mögliche Fehler im Umgang mit McCarrick eingeräumt. Im Sommer hatte der Vatikan McCarrick aus dem Kardinalsstand entlassen wegen eines als „glaubwürdig und substanziell“ eingestuften Missbrauchsvorwurfs gegen ihn (McCarrick war 2000 von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben worden). Außerdem hat der Vatikan dem emeritierten Erzbischof verboten, öffentlich aufzutreten und ihm einen Ort zugewiesen, wo er sich bis zum Abschluss des kanonischen Verfahrens gegen ihn in einem Leben des Gebetes und der Buße aufhalten muss.

Weitere kirchliche Sanktionen gegen McCarrick (etwa Exkommunikation oder Laisierung) sind bisher allerdings nicht erfolgt, obwohl die Vorwürfe gegen ihn von viele Seiten kommen und glaubwürdig sein können. Insider äußern den Verdacht, dass man im Vatikan angesichts des fortgeschrittenen Alters von McCarrick darauf hoffe, dass sich das Problem von allein erledige. McCarrick ist inzwischen 88 Jahre alt.

Nicht zuletzt der Skandal um Ex-Kardinal McCarrick hat die US-amerikanische katholische Kirche in eine heftige Krise gestürzt, die noch lange nicht vorbei ist.

Weiterhin (Stand 30.10.2018) ist in der in keiner Weise erkennbar, Vita McCarricks auf der Homepage des Bistums Newark welche Vorwürfe sich gegen den früheren Erzbischof Newarks aufhäufen. Einzig der Hinweis auf sein Kardinalat wurde unterlassen und es war das Foto ausgetauscht worden, das McCarrick im Kardinalsornat zeigte, kath.net hat berichtet.

Die zuständige Staatanwaltschaft hat mit Ermittlungen gegen das Erzbistum Newark wegen Verdacht auf sexuellen Missbrauch Jugendlicher und sexueller Belästigung abhängiger Erwachsener sowie wegen Verdachts auf Vertuschung aufgenommen.

Weiterführender Link: kath.net-Beiträge über Ex-Kardinal McCarrick

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