31 Januar 2019, 16:00
Venezolanischer Kardinal Urosa fordert Rückzug Maduros
 
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Alterzbischof von Caracas: Sozialistischer Staatspräsident soll Worten von Papst Franziskus zur Lage in Venezuela Gehör schenken und Platz an der Macht aufgeben

Caracas (kath.net/KAP) Der venezolanische Kardinal Jorge Urosa Savino hat Präsident Nicolas Maduro zum Rücktritt aufgefordert. Maduro solle den Worten von Papst Franziskus zur Lage in Venezuela Gehör schenken und seinen Platz an der Macht aufgeben, sagte der 76-jährige Alterzbischof von Caracas gegenüber dem Agenturverbund "Aci Prensa/CNA Deutsch". Die schwere politische und humanitäre Krise der Menschen und des Landes werde durch das derzeitige Regime verursacht, führte der Kardinal demnach aus. Die venezolanischen Bischöfe seien versichert, "dass der Heilige Vater unsere kritische Haltung gegenüber der Regierung unterstützt", fügte Urosa hinzu.

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Papst Franziskus hatte sich am Montag bestürzt über den eskalierenden Machtkampf in Venezuela geäußert. "Ich leide darunter", sagte er auf dem Rückflug vom katholischen Weltjugendtag in Panama nach Rom vor mitreisenden Journalisten. "Ich habe Angst vor einem Blutvergießen." Das venezolanische Volk leide. Darum bitte er alle Beteiligten um eine gerechte und friedliche Lösung. Er selbst wolle sich in dem anhaltenden Konflikt nicht auf die Seite einer Partei schlagen, fügte der Papst hinzu. "Das wäre eine pastorale Fahrlässigkeit, die Schaden anrichten könnte."

Schon zuvor hatte Vatikansprecher Alessandro Gisotti erklärt, dass der Papst für die Bevölkerung Venezuelas sowie alle Opfer der Auseinandersetzung bete und "sämtliche Anstrengungen, die der Bevölkerung weiteres Leid ersparen" unterstütze.

Derzeit kein Dialog mit Regime

Die venezolanischen Bischöfe hätten aktuell keinen Kontakt zum Machthaber, schilderte Kardinal Urosa im Gespräch mit "Aci Prensa". "Wir sind offen für diese Kontakte, aber da wir der Regierung kritisch gegenüberstehen, weil sie Venezuela zerstört und so vielen Menschen so viel Schaden zugefügt hat, kommen sie nicht in unsere Nähe", wurde Urosa zitiert.

Die venezolanische Bischofskonferenz hatte zuletzt die erneute Präsidentschaft Nicolas Maduros als "illegitim" kritisiert. In einer Erklärung zur Amtseinführung des sozialistischen Staatschefs machten sie "eine Politik des Hungers, politische Verfolgung, Unterdrückung durch Polizei und Militär, politische Gefangene, Folter, Korruption und Ineffizienz der öffentlichen Verwaltung" für die "überaus schwierige Lage" in ihrer Heimat verantwortlich.

Proteste setzen sich fort

Am Mittwoch hatten erneut Tausende Menschen in Venezuela für einen friedlichen Regierungswechsel demonstriert. Laut Medienberichten wurden mehrere ausländische Journalisten vor Ort festgenommen. Der bürgerliche Parlamentspräsident Juan Guaido hatte sich vor wenigen Tagen zum Interimspräsidenten ausgerufen. Die Opposition sieht die jüngste Wiederwahl von Präsident Maduro als illegal an. Guaido wollte am Donnerstag seinen Fahrplan vorstellen, um Venezuela aus der Krise zu führen.

Unterdessen flüchten nach wie vor Tausende Venezolaner täglich aus ihrem Heimatland. Im Zuge der "größten Fluchtbewegung in der modernen Geschichte Lateinamerikas" würden täglich rund 5.000 Menschen Venezuela verlassen, teilte die UNO-Flüchtlingshilfe laut einem Bericht der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Bonn mit Die Menschen flüchteten wegen der mangelhaften Versorgungslage und des politischen Chaos, hieß es. Viele seien zu Fuß unterwegs; es fehle an Nahrung, Unterkünften und medizinischer Versorgung.

Bislang seien die Nachbarländer von Venezuela sehr hilfsbereit gewesen, sagte der Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer. "Doch ihre Aufnahmekapazitäten reichen bei Weitem nicht mehr aus." Die betroffenen Länder bräuchten schnelle und umfangreiche Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, damit die Stimmung "nicht auf Kosten der Flüchtlinge kippt". Laut Berichten des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), dessen nationaler Partner die UNO-Flüchtlingshilfe ist, kommt es in den Nachbarländern bereits zu erster Gewalt und Gewaltandrohungen.

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