Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan untersagt jährlicher Wallfahrt im Rahmen der überlieferten lateinischen Liturgie den Zutritt
  2. Wenn die Falschbehauptung einer evangelischen Sängerin zum Eklat bei einer Musiksendung führt
  3. AfD-Gemeinderat muss Katholische Landjugendbewegung verlassen
  4. Warum bei dem hohen Aufkommen an Bischöfen in Deutschland eine solch vehemente Entchristlichung?
  5. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  6. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  7. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  8. Papst Leo sagt die Assisi-Reise ab!
  9. Chick-fil-A-Chef stellt klar: Keine Öffnung an Sonntagen – das wird sich nicht ändern
  10. Eine katholische Fake-Priesterin möchte das Töten kleiner Kinder
  11. Nordische Bischöfe: Europa sucht bei der Migration „nach einem neuen Gleichgewicht“
  12. Wir machen da was mit Medien
  13. Zisterzienserpater Isaak Maria Käfferlein aus Neuzelle: „Getauft sein reicht nicht!“
  14. Neuerlich umstrittene Ehrung durch Kardinal Cupich
  15. Blutiger Anschlag auf orthodoxe Kirche in Jordanien – Mindestens sechs Tote bei Trauerfeier

"Welches Sakramentenverständnis enthält die neueste Corona-Regelung der Österreichischen Bischöfe?"

9. November 2020 in Kommentar, 25 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Sie ist mit dem katholischen Verständnis dieser Sakramente nur schwer vereinbar. Für die einen kann diese Regelung eine weitere Schwächung des Glaubens bedeuten, für die anderen ein Ärgernis." - Gastkommentar von Christian Spaemann


Wien (kath.net)

In der neuen Corona-Regelung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 3. November 2020 heißt es lapidar, dass Taufen und Trauungen „auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben“ sind. Ist eine solche Verordnung mit der katholischen Auffassung dieser Sakramente vereinbar?

In einer Erzählung von Nikolai Leskow nimmt eine Frau am Tag nach der Geburt ihr Patenkind und stapft bei Eis und Kälte im Schneesturm beherzt alleine in das Nachbardorf um das Kind taufen zu lassen. Wer hat mehr von dem Sakrament der Taufe begriffen, die Menschen in diesem armen russischen Dorf oder wir, die wir die Taufe oft monatelang hinausschieben, um ein Fest mit Verwandten und Freunden zu ermöglichen? Nach der Lehre der katholischen Kirche ist die Taufe für jeden Menschen „heilsnotwendig“ (vgl. KKK 1257). Es geht hier nicht um Ängstlichkeit, sondern darum, dass der Akt der Taufe und die dadurch vollzogene Übergabe des Kindes an Gott und seine Aufnahme in die Kirche aus sich heraus etwas Drängendes hat.


In dem italienischen Nationalroman "Die Verlobten" von Alessandro Manzoni taucht das junge Pärchen Renzo und Lucia plötzlich vor ihrem Pfarrer auf und erklären ihre Eheschließung. Der Pfarrer hatte sich aus Feigheit gegenüber dem örtlichen Feudalherrn der Trauung entzogen. Wer hat mehr von dem Sakrament der Ehe verstanden, Renzo und Lucia aus einfachem Hause oder wir, die wir oft Jahre unverheiratet zusammenleben, bis wir das Geld für eine große Hochzeit gespart haben? Kann das Sakrament der Ehe nicht auch etwas Drängendes haben? „Der Geschlechtsakt […] außerhalb der Ehe ist stets eine schwere Sünde und schließt vom Empfang der heiligen Kommunion aus“ (KKK 2390) heißt es im Katechismus der katholischen Kirche.

Dieses Sakramentenverständnis ist bei uns nur noch die Ausnahme. Das muss man zunächst einmal so nehmen wie es ist. Niemand soll abgewertet oder verurteilt werden, jeder hat Anspruch darauf, da wo er spirituell steht, verstanden und abgeholt zu werden. Die Kirche hat das Recht, bei der Taufe und Eheschließung eine Vorbereitungsphase zu verlangen. Dennoch sollte man sich überlegen, welche Botschaft man den Gläubigen, nah- oder fernstehend, mit der neuen Corona-Regelung gibt.

Das Coronavirus ist nicht Ebola, kein Killervirus, kein Kriegszustand, keine Naturkatastrophe. Die Menschen gehen weiter zur Arbeit, gehen einkaufen, dürfen sich nach wie vor in kleinen Gruppen draußen und in ihren Wohnungen treffen. Kirchlicherseits ist es möglich weiter täglich an der Eucharistiefeier teilzunehmen. Es ist für die Gläubigen nicht nachvollziehbar, warum Gottesdienste besucht werden können und standesamtliche Trauungen möglich sind, die Kirche es aber nicht ermöglichen kann, unter gewissen Auflagen, die meist bereits geplanten Taufen und Eheschließungen zuzulassen. Gläubige, die nicht bereit sind, die Bedingungen zu akzeptieren, könnten ja dann von sich aus diese Termine verschieben. Für etwaige familiäre Feiern im Anschluss an Taufen oder Trauungen, ist die Kirche genauso wenig verantwortlich wie Standesämter für das, was nach der standesamtlichen Verheiratung geschieht. Die Gläubigen sind schließlich Staatsbürger, die sich außerhalb der Kirchengebäude in Eigenverantwortung an die allgemeinen Bestimmungen halten müssen.

Die in der Bischöflichen Corona-Regelung enthaltene, implizite Botschaft über die Bedeutung der Taufe und sakramentalen Eheschließung ist zumindest problematisch. Sie ist mit dem katholischen Verständnis dieser Sakramente nur schwer vereinbar. Für die einen kann diese Regelung eine weitere Schwächung des Glaubens bedeuten, für die anderen ein Ärgernis. Vielleicht hilft es uns auch, in diesem Zusammenhang einmal an die Umstände zu denken, in denen unsere Brüder und Schwestern im Nahen Osten bereit sind, die Sakramente zu empfangen.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Steigende Zahl erwachsener Taufbewerber in ostdeutschen Städten, aber...
  2. Im Licht der Liebe
  3. Gott inmitten von Töpfen und Geschirr
  4. Künstlerin Akiane Kramarik erzählt von Vision des Himmels in ihrer Kindheit
  5. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  6. Bravo! Erbprinz Alois legt Veto gegen Abtreibungsgesetz in Liechtenstein ein
  7. Eine katholische Fake-Priesterin möchte das Töten kleiner Kinder
  8. Blutiger Anschlag auf orthodoxe Kirche in Jordanien – Mindestens sechs Tote bei Trauerfeier
  9. 'Rita hat das Herz eines Engels! Gott segne sie!“
  10. Filmstar Evangeline Lilly verließ Hollywood vor sechs Jahren: ‚Gott hat einen Plan‘
  11. Papst Leo sagt die Assisi-Reise ab!
  12. AfD-Gemeinderat muss Katholische Landjugendbewegung verlassen
  13. Papst Leo lädt zum Weltjugendtag ein: „Ich freue mich darauf, euch in Seoul zu sehen!“
  14. USA: Kontenschließungen von Banken bei Lebensschutz- und konservativen Gruppen
  15. Krakauer Regens: Johannes Paul II. war Hotspot für Verbindung mit Gott

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz