Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  3. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  4. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  5. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  6. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  7. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  8. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  9. Fatales Gerichtsurteil in Deutschland: Chefarzt siegt gegen katholisches Klinik-Verbot
  10. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  11. Medienkrise verschärft sich: Dramatische Auflagenverluste für Tageszeitungen in Deutschland
  12. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  13. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  14. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  15. Die große Täuschung

"Welches Sakramentenverständnis enthält die neueste Corona-Regelung der Österreichischen Bischöfe?"

9. November 2020 in Kommentar, 25 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Sie ist mit dem katholischen Verständnis dieser Sakramente nur schwer vereinbar. Für die einen kann diese Regelung eine weitere Schwächung des Glaubens bedeuten, für die anderen ein Ärgernis." - Gastkommentar von Christian Spaemann


Wien (kath.net)

In der neuen Corona-Regelung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 3. November 2020 heißt es lapidar, dass Taufen und Trauungen „auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben“ sind. Ist eine solche Verordnung mit der katholischen Auffassung dieser Sakramente vereinbar?

In einer Erzählung von Nikolai Leskow nimmt eine Frau am Tag nach der Geburt ihr Patenkind und stapft bei Eis und Kälte im Schneesturm beherzt alleine in das Nachbardorf um das Kind taufen zu lassen. Wer hat mehr von dem Sakrament der Taufe begriffen, die Menschen in diesem armen russischen Dorf oder wir, die wir die Taufe oft monatelang hinausschieben, um ein Fest mit Verwandten und Freunden zu ermöglichen? Nach der Lehre der katholischen Kirche ist die Taufe für jeden Menschen „heilsnotwendig“ (vgl. KKK 1257). Es geht hier nicht um Ängstlichkeit, sondern darum, dass der Akt der Taufe und die dadurch vollzogene Übergabe des Kindes an Gott und seine Aufnahme in die Kirche aus sich heraus etwas Drängendes hat.


In dem italienischen Nationalroman "Die Verlobten" von Alessandro Manzoni taucht das junge Pärchen Renzo und Lucia plötzlich vor ihrem Pfarrer auf und erklären ihre Eheschließung. Der Pfarrer hatte sich aus Feigheit gegenüber dem örtlichen Feudalherrn der Trauung entzogen. Wer hat mehr von dem Sakrament der Ehe verstanden, Renzo und Lucia aus einfachem Hause oder wir, die wir oft Jahre unverheiratet zusammenleben, bis wir das Geld für eine große Hochzeit gespart haben? Kann das Sakrament der Ehe nicht auch etwas Drängendes haben? „Der Geschlechtsakt […] außerhalb der Ehe ist stets eine schwere Sünde und schließt vom Empfang der heiligen Kommunion aus“ (KKK 2390) heißt es im Katechismus der katholischen Kirche.

Dieses Sakramentenverständnis ist bei uns nur noch die Ausnahme. Das muss man zunächst einmal so nehmen wie es ist. Niemand soll abgewertet oder verurteilt werden, jeder hat Anspruch darauf, da wo er spirituell steht, verstanden und abgeholt zu werden. Die Kirche hat das Recht, bei der Taufe und Eheschließung eine Vorbereitungsphase zu verlangen. Dennoch sollte man sich überlegen, welche Botschaft man den Gläubigen, nah- oder fernstehend, mit der neuen Corona-Regelung gibt.

Das Coronavirus ist nicht Ebola, kein Killervirus, kein Kriegszustand, keine Naturkatastrophe. Die Menschen gehen weiter zur Arbeit, gehen einkaufen, dürfen sich nach wie vor in kleinen Gruppen draußen und in ihren Wohnungen treffen. Kirchlicherseits ist es möglich weiter täglich an der Eucharistiefeier teilzunehmen. Es ist für die Gläubigen nicht nachvollziehbar, warum Gottesdienste besucht werden können und standesamtliche Trauungen möglich sind, die Kirche es aber nicht ermöglichen kann, unter gewissen Auflagen, die meist bereits geplanten Taufen und Eheschließungen zuzulassen. Gläubige, die nicht bereit sind, die Bedingungen zu akzeptieren, könnten ja dann von sich aus diese Termine verschieben. Für etwaige familiäre Feiern im Anschluss an Taufen oder Trauungen, ist die Kirche genauso wenig verantwortlich wie Standesämter für das, was nach der standesamtlichen Verheiratung geschieht. Die Gläubigen sind schließlich Staatsbürger, die sich außerhalb der Kirchengebäude in Eigenverantwortung an die allgemeinen Bestimmungen halten müssen.

Die in der Bischöflichen Corona-Regelung enthaltene, implizite Botschaft über die Bedeutung der Taufe und sakramentalen Eheschließung ist zumindest problematisch. Sie ist mit dem katholischen Verständnis dieser Sakramente nur schwer vereinbar. Für die einen kann diese Regelung eine weitere Schwächung des Glaubens bedeuten, für die anderen ein Ärgernis. Vielleicht hilft es uns auch, in diesem Zusammenhang einmal an die Umstände zu denken, in denen unsere Brüder und Schwestern im Nahen Osten bereit sind, die Sakramente zu empfangen.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  8. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  9. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  10. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  11. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  12. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  13. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  14. Ist Jesus der Herr?
  15. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz