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| ![]() 'Wir möchten nicht den zölibatären Priester verlieren'26. November 2009 in Interview, 11 Lesermeinungen Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg wollten so wenige Männer in den 27 deutschen Diözesen Priester werden wie 2009. Der Münchner Regens Baur plädiert trotz des Priestermangels für Glaubensmut und Glaubensfreude - Von Christoph Renzikowski (KNA) München (kath.net/KNA) KNA: Herr Regens, in den deutschen Priesterseminaren gibt es immer mehr leere Zimmer. Wie erklären Sie sich das? Baur: Das kommt nicht überraschend, sondern entspricht einem Trend, den wir seit Jahren verzeichnen. Die Entwicklung verläuft parallel zu der bei den Gottesdienstbesuchen, kirchlichen Trauungen oder der sinkenden Katholikenzahl insgesamt. KNA: Pfarrer müssen sich heute um immer mehr Gemeinden kümmern. Schmälert das die Attraktivität dieses Berufs? Baur: Eigentlich sind die Reformen der Seelsorgestrukturen so konzipiert, dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird. In einer großen Einheit gibt es immer mehrere Priester, so dass nicht jeder alles allein machen muss. Dabei kann nach Fähigkeiten differenziert werden, bei den Kaplänen, die noch lernen, aber auch bei den Ruhestandsgeistlichen, die etwas abgeben können und nicht mehr die volle Last tragen müssen. KNA: Trotzdem scheinen Resignation und Überlastungssymptome im Klerus zuzunehmen. Oder täuscht der Eindruck? Baur: Da gibt es verschiedene Stimmen. Was ich wahrnehme: Wer bei den Umstrukturierungen beherzt mit anpackt und sie nicht nur über sich kommen lässt, der ist guten Mutes. KNA: Wer heute einen Seelsorgeverband managen muss, hat allein schon mit den ehrenamtlichen Stützen dieser Gemeinden alle Hände voll zu tun. Wo bleibt da noch Zeit für die Laufkundschaft? Baur: Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Ich rate meinen Studenten: Sie sollten sich dieses Feld nicht ganz wegnehmen lassen, sondern dort das eine oder andere exemplarisch tun, also die Firmvorbereitung delegieren, aber vielleicht eine Firmgruppe leiten, sich auch mal Zeit für ein Seelsorgegespräch nehmen, anstatt an jeder Sitzung teilzunehmen. Selbst der Papst hält einmal im Jahr eine Taufe und sitzt im Beichtstuhl. Man muss delegieren können, auf allen Ebenen. So entgeht man der Gefahr, nur noch weg zu sein. KNA: Erhöht sich durch den Priestermangel der Druck, bei der Kandidatenauswahl auch mal ein Auge zuzudrücken? Baur: Nein. In unserer Konferenz höre ich, dass die Bischöfe sogar eher dazu anhalten, keine faulen Kompromisse zu schließen. Wer heute diesen Dienst antritt, muss wirklich dafür geeignet sein, gerade weil man sehr exponiert dasteht, und manche frühere Nische nicht mehr existiert. KNA: Im deutschen Katholizismus mehren sich die Stimmen, die die Zulassungsbedingungen zum Amt hinterfragen - Stichwort Zölibat. Baur: Diese Diskussion flackert immer wieder auf. Ich sehe aber nicht, dass es heute mehr Unterstützung und Plausibilität gibt, etwa für die Weihe sogenannter viri probati. Wir haben heute Seelsorgeberufe, die verheirateten Frauen und Männern offenstehen. Es gibt Pastoral- und Gemeindereferenten, die alle gebraucht werden. Das ist eine positive Weiterentwicklung, weil dadurch verschiedene Erfahrungshintergründe einfließen. Wir möchten aber nicht den KNA: Was ist mit dem Problem der Vereinsamung? Seelsorgeorden wie die Prämonstratenser mit ihrem ausgeprägten Gemeinschaftsleben haben auch in Deutschland keinerlei Nachwuchssorgen. Baur: Die Frage des Zusammenarbeitens und Zusammenlebens steht im Klerus ganz oben auf der Tagesordnung. Allerdings sind auch Priester Kinder ihrer Zeit, die heute unter dem Vorzeichen der Individualisierung steht. Man will sich nicht festlegen, unabhängig bleiben, ein eigenes Leben führen. Das steht manchen Formen des Gemeinschaftslebens und menschlicher Nähe im Weg. Dabei wäre es von den größeren Seelsorgestrukturen her möglich und erwünscht, wenn sich Priester öfter zusammentäten. KNA: Was muss sich ändern, damit die Seminare wieder voller werden? Baur: Glaubensmut und Glaubensfreude, etwas um des Reiches Gottes willen aufzugeben und zu riskieren, müssten wieder wachsen. Das gilt nicht nur für die Kandidaten selbst, sondern im Prinzip für alle Gläubigen. Zum Glück hat das Konkurrenzdenken von früher abgenommen. Heute ist man froh über jeden anderen, der da ist. Wir haben in unserem Priesterseminar zurzeit den Sohn eines Ständigen Diakons und den eines Pastoralreferenten. Aus diesen Berufsgruppen werden immer wieder junge Männer auf das Seminar hingewiesen. Das höre ich auch von Kollegen - und das freut mich. (C) 2009 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Foto: (c) Priesterseminar München Ihnen hat der Artikel gefallen? 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