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‚Jeder Mensch besitzt eine spirituelle Dimension‘

21. Oktober 2012 in Interview, 4 Lesermeinungen
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Interview mit Donald Kardinal Wuerl – Erzbischof von Washington und Generalrelator der Bischofssynode.


Rom (www.kath.net)
Im Rahmen der Bischofssynode in Rom, konnte die Kommunikationsverantwortliche des Bistums Basel, Frau Adrienne Suvada, mit dem Erzbischof von Washington, Donald Kardinal Wuerl, sprechen.

Eminenz, das Thema dieser Bischofssynode ist die Neuevangelisierung. Was erwarten Sie von dieser Synode?

Kardinal Wuerl: Meine Hoffnung für diese Synode ist, dass jeder von uns sich mehr bewusst wird, wie ernst die Herausforderung ist, die der Glaube heutzutage ausgesetzt ist. Wir leben in einer äusserst säkularisierten Welt und das Leben der Menschen ist sehr hektisch. Die Menschen müssen sich mit einer hohen Geschwindigkeit durch das Leben bewegen. Heutzutage zu leben ist eine Erfahrung, die sehr herausfordernd ist.

Nun, in diesem Kontext von Materialismus und Säkularismus, muss die Kirche Jesus Christus hochhalten. Die Kirche muss die Frohe Botschaft des Evangeliums hochhalten. Es gibt einen wunderschönen Weg Christus’ Weg zu leben. Er bietet uns einen Weg durch das Leben an, der fröhlich ist, weil er ein Ziel, einen Sinn und eine Vision hat. Das ist das, was die Kirche der Kultur bietet. Das ist das, was die Kirche der Welt bietet. Ich hoffe, dass es dieser Synode gelingt, die Menschen, die diese Botschaft predigen müssen, zu beleben – das heisst es betrifft uns alle.

Eines der Dinge, dass sehr klar ist in dieser Synode ist, dass wir erkennen, dass jeder ein Evangelist sein muss – jeder Mann, jede Frau, jeder Ordensmann, jede Ordensfrau und jeder Priester. Jeder muss ein Evangelist sein.

Welche Schwierigkeiten gibt es in der Neuevangelisierung?

Der einzige wirklich schwierige Aspekt bei der Neuevangelisierung, ist die Tatsache, dass wir die Menschen dazu bringen, die Frohe Botschaft zu teilen. Die Menschen von heute, von diesem Jahrhundert, dieser Kultur und dieser Gesellschaft sind so fokussiert auf andere Dinge. Der Säkularismus unseres Jahrhunderts hat viel ausgetrocknet, zum Beispiel eine normale Erfahrung eines Familienlebens, eine normale Erfahrung eines religiösen Lebens, eine normale Erfahrung eines spirituellen Lebens. Dies alles, weil wir so fokussiert sind auf diesen Tag, dieses Jahrhundert, diesen Moment. Deshalb glaube ich, dass die wirkliche Schwierigkeit darin besteht, den Menschen zu helfen, damit sie realisieren, dass jeder von uns eine spirituelle Dimension besitzt. Wir sind nicht nur Körper, wir sind auch Geist. Dies wird eine Herausforderung sein.


Wie kann man eine Neuevangelisierung tun, und gleichzeitig die verschiedenen Traditionen in den jeweiligen Ländern respektieren?

Eine der Tatsachen unseres Glaubens ist, dass wir glauben und wissen, dass das was wir bekommen haben, die Wahrheit ist. Gleichzeitig müssen wir aber den anderen gegenüber respektvoll sein. Dies ist die heutige Herausforderung und das ist der Grund, warum wir die Religionsfreiheit so unterstützen. Überall auf der Welt sollte Religionsfreiheit herrschen. Jeder ist frei zu glauben, jeder ist frei seinen Glauben zu behalten und jeder ist frei seinen Glauben zu verkünden. Jeder ist frei seinen Glauben zu teilen.

Der Glaube sollte eine Überzeugung, eine persönliche Überzeugung von jedem von uns sein. Wir sollten nicht gezwungen werden, entweder etwas zu glauben oder etwas nicht zu hören. Ich glaube deshalb, dass die weltweite Herausforderung in der Religionsfreiheit besteht. Überall auf der Welt sollte eine Gewissensfreiheit herrschen, es muss eine Religionsfreiheit sein. Dies ist in weiten Teilen der Welt nicht der Fall. Die Katholische Kirche ist sehr deutlich in ihrem Glauben, weil sie weiss, dass er wahr ist. Gleichzeitig ist die Katholische Kirche aber auch extreme tolerant. Alles was man zu tun braucht, ist auf Rom zu schauen. Dort findet man verschiedene Glaubenstraditionen und alle haben ihre Kultstätten hier. So sollte es überall auf der Welt sein.

Wie können wir den Glauben besser vermitteln?

Es ist sehr wichtig, dass wir in der Lage sind in der Sprache von heute zu sprechen. Unser katholischer Glaube, der uns von den Aposteln überliefert wurde, die Offenbarung wer Jesus ist, das alles muss in der Sprache von heute gesprochen werden. Ich meine nicht unbedingt die Übersetzung. Ich meine die Art und Weise wie wir heute kommunizieren. Wir müssen in der Lage sein die sozialen Kommunikationsmittel zu nutzen. Wir müssen in der Lage sein mit allen heutigen kulturellen und sozialen Mechanismen zu kommunizieren. Ich denke da an die elektronischen Medien, die heute für die soziale Kommunikation genutzt werden. All das wird im Rahmen der Jugendlichen genutzt. Wir müssen Teil davon sein. Die Kirche muss Teil davon sein, und muss zu den Leuten von heute sprechen und zwar dort wo sie sind und mit Worten, die sie verstehen.

Wie sieht die Situation in den Vereinigten Staaten aus?

In den Vereinigten Staaten gibt es, da es ja so viel Industrie gibt, einen Kampf, es ist die Herausforderung des Säkularismus. Aber die Kirche, Glaubensgemeinschaften, das religiöse Leben in den Vereinigten Staaten – und ich spreche nicht nur von der Katholischen Kirche – das Glaubensleben in der Welt, ist stark. Es gibt viele, viele, viele Menschen, die Glauben, die anbeten, die zur Kirche gehen und diese Stimme wird in unserer Gesellschaft immer noch gehört. Auch wenn es eine sehr sehr starke säkularisierte Strömung gibt, die meint sie müsse die einzige Stimme, die dominante Stimme sein. Es ist auch hier wieder eine Herausforderung, die uns zurückbringt zum Thema des Kampfes, um die religiöse Freiheit. Sogar in den Vereinigten Staaten müssen wir für die religiöse Freiheit kämpfen. Nur so sind wir in der Lage, unsere Aktivitäten, unsere Arbeit, unser Priestertum in die säkularisierte Welt hinauszutragen.

Was wünschen Sie für die Zukunft und was wünschen Sie den Bischöfen für ihre Zukunft?

Ich hoffe, dass eines der Resultate dieser Synode sein wird, dass wir ermutigt werden drei Dinge zu tun:
- Regelmässig unseren persönlichen Glauben zu erneuern, weil das der Anfang ist der ganzen Evangelisierung. Unseren Glauben zu erneuern.
- Der zweite Punkt, Vertrauen in das Wort Gottes haben. Ich hoffe, dass dies aus dieser Synode herauskommt. Eine neue Stufe des Vertrauens, dass das Wort Gottes wahr ist.
- Und drittens, den Wunsch zu teilen. Ganz einfach dieses Wort zu nehmen und mit anderen Menschen zu teilen.

Das ist mein Wunsch für diese Synode und ich hoffe, dass dies auch die Frucht sein wird, von diesem Monat an Arbeit, die wir hier leisten.

Foto: © Adrienne Suvada


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