23 Mai 2013, 16:00
Qui tacet, consentire videtur?
 
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ZdK-Vizepräsidentin Lücking-Michel hat sich zwar für ihre Aussage zur Fußwaschung Benedikts XVI. entschuldigt. Die Deutsche Bischofskonferenz schweigt zu der Entgleisung aber. Ein Kommentar von Johannes Graf.

Bonn (kath.net/jg)
Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken), hat sich für ihre wahrheitswidrige Aussage, Papst Benedikt XVI. habe Priestern die Füße „mit angezogenen Socken“ gewaschen, entschuldigt. Kath.net hat berichtet. Der deutschen Bischofskonferenz war diese Entgleisung einer Spitzenvertreterin des ZdK trotz mehrmaliger Anfrage keine offizielle Stellungnahme wert.

Hinter der Aussage der ZdK-Vizepräsidentin steckt mehr. Sie wollte damit einen von ihr konstruierten Gegensatz zwischen Benedikt XVI. und seinem Nachfolger illustrieren, der über die liturgische Praxis hinausgeht. Und nur auf letztere bezieht sich die Entschuldigung von Frau Lücking-Michel. „Nacktes Fleisch, und sei es der Fuß, ein unverkrampfter Umgang mit dem anderen Geschlecht, Berührung, Sinnlichkeit, Sexualität – da ist noch viel Stoff für viele, viele Debatten…“, fuhr sie fort. Was sie damit sagen wollte, wird deutlicher, wenn man ein Interview berücksichtigt, das Frau Lücking-Michel dem deutschen Fernsehsender Phoenix am 12. Februar gegeben hat, einen Tag nachdem Benedikt XVI. bekannt gegeben hatte, auf sein Amt verzichten zu wollen.

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In diesem Interview wurde sie gefragt, was sie sich vom Nachfolger des Papstes aus Deutschland erhoffe. „Eine klare, menschenfreundliche und verständliche Haltung in der Sexualmoral“, antwortete die ZdK-Vizepräsidentin. Diese Hoffnung projizierte sie offenbar in die Fußwaschungszeremonie am Gründonnerstag. Ist die geltende Sexualmoral der Kirche also unklar, menschenunfreundlich und unverständlich, weil sie nicht dem gerade herrschenden Zeitgeist entspricht? Kritik am bisherigen Amtsinhaber wird bekanntlich gerne als Erwartung an den Nachfolger formuliert. Martin Lohmann hat der promovierten Theologin Lücking-Michel in diesem Zusammenhang das Studium der „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. empfohlen.

Lieblingsthema der ZdK-Vizepräsidentin ist aber die Stellung der Frau in der katholischen Kirche. Sie hält diese Frage sogar für eine „Überlebensfrage der Kirche“. Denn wenn sich da nicht bald etwas ändert, haben wir die jungen Frauen verloren, meint sie. Und wenn die Frauen weg sind, dann lässt sich der kirchliche Betrieb, wie ihn Frau Lücking-Michel kennt, nicht mehr aufrechterhalten. Überall in der Gesellschaft würden Frauen erleben, dass es in Richtung Gleichberechtigung gehe. Nur in der Kirche herrsche „Stillstand“, sagte sie etwa gegenüber dem Bayrischen Rundfunk am 18. Februar.

Aus diesem Grund müsse das sakramentale Diakonat auch für die Frauen geöffnet werden. Dies werde das Amt und damit auch die Kirche stärken, ist sie überzeugt. Schließlich werde ein großer Teil der diakonischen Arbeit ohnehin von Frauen erledigt, heißt es in einer Pressemitteilung des ZdK vom 30. April. Der Wunsch nach Frauen in Weiheämtern sei weit verbreitet, dessen Ablehnung werde von niemand verstanden, sagte sie im bereits erwähnten Interview mit dem Bayrischen Rundfunk. Das ZdK hat deshalb den 29. April, den Gedenktag der heiligen Katharina von Siena, zum „Tag der Diakonin“ erklärt. Mit der Frage ob Katharina von Siena die richtige Heilige für dieses Anliegen ist, hat sich Bernhard Luthe von „Deutschland pro Papa“ in diesem Beitrag beschäftigt.

Papst Johannes Paul II. habe versucht, die Debatte mit einem „Schlag auf den Tisch“ zu beenden, sagte sie gegenüber dem BR. Damit ist wohl das Apostolische Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ gemeint, in dem der heilige Vater „kraft meines Amtes“ erklärt, „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ (OS 4). Lücking-Michel interpretiert das so, dass die Kirche die Frauenweihe zu einem „Tabuthema“ gemacht habe und hier „die Nerven blank“ liegen würden. Wie sie aus ihrer eigenen Erfahrung wisse, könne man eine Diskussion aber nicht mit einem Schlag auf den Tisch beenden, fuhr sie fort. Auch hier sei ihr das Studium des entsprechenden Materials, des Schreibens „Ordinatio Sacerdotalis“ und der dort angegebenen Quellen, ans Herz gelegt.

Eine weitere konkrete Forderung von Frau Lücking-Michel ist eine Frauenquote für Leitungsfunktionen in der Kirche. Diese hat sie unter anderem bei der ZdK-Vollversammlung am 23./24. November 2012 verlangt. Die öffentliche Debatte um Frauenquoten bei DAX-Unternehmen machten sie als Kirchenfrau neidisch, bekannte sie in ihrer Stellungnahme. Eine Frauenquote in der Kirche sei nicht nur „ein wichtiger Schritt im Dialogprozess der Kirche, sondern auch ein starkes Zeichen in unserer Gesellschaft“, ist sie überzeugt.

Kein Wunder, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl antritt, und zwar für die CDU.

Abschließend nochmals zurück zum Interview von Frau Lücking-Michel mit dem Fernsehsender Phoenix. Sie erinnerte sich an Aussagen, die Benedikt XVI. bei seinen Besuchen in München 2006 und Freiburg 2011 über die deutschen Katholiken gemacht hatte. „Ihr seid aktiv, macht viel, seid gut organisiert, spendet viel Geld, aber euch fehlt der wahre Glaube“, habe der Papst – vereinfacht formuliert – gesagt. Diese Aussagen hätten sie „getroffen“ und „geärgert“, sagte sie wörtlich.

Fazit: Papst Benedikt XVI. hat Recht. Und: Wenn man, wie Frau Lücking-Michel, die Kirche an die Gesellschaft anpassen will, ist man in einer Leitungsposition in der Kirche fehl am Platz, egal ob als Frau oder Mann.

Anmerkung: Qui tacet, consentire videtur. (= Wer schweigt, scheint zuzustimmen.)









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