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Familien-Fragebogen: Die Sonderwege der Schweizer Bischofskonferenz

17. Jänner 2014 in Kommentar, 5 Lesermeinungen
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Die Schweizer Bischofskonferenz geht eigene Wege in der Bearbeitung des Fragebogens zur Synode zu Ehe und Familie. Diese führen nicht nur an Rom, sondern auch an den Bischöfen vorbei. Ein Kommentar von Johannes Graf


Freiburg i. Ü. (kath.net/jg)
Die Posse um den von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) herausgegebenen Fragebogen zu Ehe und Familie geht weiter. Die SBK und das mit der Durchführung der Befragung beauftragte Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) laden zu einer Medienkonferenz ein, bei der die ersten Ergebnisse der Umfrage präsentiert werden sollen.

Das SPI hat den vom Vatikan ausgesandten Fragebogen deutlich verändert. Kath.net hat die damit verbundenen Probleme bereits analysiert. Wie berechtigt die dabei zutage getretenen kritischen Anfragen waren, wird nun bestätigt.

In der Einladung zur Medienkonferenz wird behauptet, der Papst wolle „mit Hilfe einer weltweiten Umfrage erfahren, wie die Katholikinnen und Katholiken über Themen rund um Partnerschafts-, Ehe- und Familienpastoral denken und in welcher Lebenssituation sie sich selber befinden“. Das erweckt den Eindruck, der Papst selbst habe eine weltweite Meinungsumfrage in Auftrag gegeben, um zu erfahren, wie die Katholiken über die angegebenen Themen denken.


Der Fragebogen des Vatikan hat aber eine andere Zielrichtung. Die Lehre der Kirche steht im Fragebogen nicht zur Diskussion. Sie wird als gegeben vorausgesetzt. Er will erheben, wie die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie verkündet wird, ob sie bekannt ist und gelebt wird, wie Menschen in irregulären Situationen damit umgehen, dass sie von den Sakramenten ausgeschlossen sind, welche pastoralen Angebote es für sie gibt, welche Schwierigkeiten in den einzelnen Diözesen in diesem Bereich auftreten.

In der Einladung heißt es weiter, die Bischöfe seien „sehr froh über den intensiven Diskussionsprozess, den diese Umfrage in der Kirche ausgelöst hat. Alle Stellungnahmen werden sehr ernsthaft in die Überlegungen einbezogen, welche die Bischöfe in die weltweite Bischofssynode zu Familienfragen im Oktober einbringen werden“. Mit dieser Wortwahl, die im Zusammenhang mit den Fragestellungen der Umfrage des SPI zu sehen ist, erweckt die SBK erneut den Eindruck, dass Inhalte der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie zur Disposition stünden. Wer sich das Vorbereitungsdokument zur Synode ansieht, dem wird klar, dass das gar nicht zur Debatte steht. Es geht darum, wie die kirchliche Lehre, wie sie sich in der Heiligen Schrift und der Tradition entfaltet, angesichts der heutigen pastoralen Herausforderungen zu verkünden ist. Das Vorbereitungsdokument nimmt ausdrücklich auf den Katechismus und Enzykliken wie „Humanae vitae“ und „Familiaris consortio“ Bezug.

Die SBK scheint im Zuge ihrer Umfrage auch der Unterschied zum Originalfragebogen des Vatikan nicht mehr bewusst zu sein. In der Einladung zur Medienkonferenz wird behauptet, der Papst habe Fragen zur „Segnung von geschiedenen wiederverheirateten Paaren oder homosexuellen Partnerschaften“ gestellt sowie zur Verhütung. Fragen zu diesen Themen sind zwar in der Umfrage der SBK enthalten, kommen aber nicht aus dem Vatikan. In diesem Beispiel wird deutlich, wie sehr der vom SPI erarbeitete Fragebogen vom Original abweicht. Man fragt sich unwillkürlich, warum gerade diese Fragen in die Umfrage hinein kommen. Es ist anzunehmen, dass sich eine Mehrheit für die Segnung wiederverheirateter Geschiedener aussprechen wird. Soll hier über einen zur Meinungsumfrage umfunktionierten Fragebogen Druck auf Rom ausgeübt werden?

Laut kath.net vorliegenden Informationen ist das Vorgehen der SBK nicht mit den Schweizer Bischöfen abgestimmt. Das galt schon für die Umfrage selbst und trifft nun auf die Veröffentlichung der Ergebnisse im Rahmen der Medienkonferenz zu. Auch das geht an der Intention des vatikanischen Fragebogens vorbei. Dieser richtet sich ausdrücklich an die Teilkirchen, denen er „eine aktive Teilnahme an der Vorbereitung der Außerordentlichen Synode“ ermöglichen will. Unter den Teilkirchen sind die Bistümer zu verstehen, nicht die Bischofskonferenzen.

Will hier die Schweizer Bischofskonferenz, oder deren Sekretariat an den Bischöfen vorbei ihre eigene Politik machen?


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