10 August 2014, 10:31
US-Zeitung: Vatikan und Evangelikale planen gemeinsame Erklärung
 
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Medienberichten zufolge haben US-amerikanische evangelikale Christen Papst Franziskus um eine gemeinsame Erklärung im Jahr 2017 gebeten. Von Petra Lorleberg

Vatikan (kath.net/pl) Nach einem Bericht des „Boston Globe“ planen der Vatikan und einige evangelikale Gemeinschaften eine gemeinsame Erklärung. Der episkopale Bischof Tony Palmer habe vor wenigen Wochen eine entsprechende Vorlage für eine solche Erklärung dem Papst übergeben. Darin schlägt die evangelikale Gemeinschaft um Palmer vor, dass dieses Positionspapier sowohl vom Vatikan wie auch von den Leitern der führenden protestantischen Gemeinschaften im Jahr 2017 in Rom unterzeichnet werden soll. 2017 jährt sich die Reformation zum 500. Mal. Der Artikel im „Boston Globe“ wurde vom katholischen Papstbiographen Austen Ivereigh verfasst, der erwähnte, er habe diese Information direkt von Palmer erhalten. Eine Reaktion aus dem Vatikan wurde bisher noch nicht bekannt.

Ivereigh berichtete im „Boston Globe“ weiter, Palmer habe ihm über den Entwurf der Erklärung erläutert, dass sie drei Themenbereiche aufzeigen soll, welche den Katholiken und den Evangelikalen gemeinsam seien. Palmer habe ihm diese drei Punkte erläutert: das nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis; die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999 unterzeichnet vom Vatikan und dem Lutherischen Weltbund) sowie eine Schlusserklärung, dass Katholiken und Evangelikale nun „in der Mission vereint sind, denn wir verkünden dasselbe Evangelium“. Ein Schlussteil soll den Wert der Gewissensfreiheit erklären und die Notwendigkeit des gegenseitigen Respekts zwischen Katholiken und Evangelikalen in ihren Missionsbereichen. Man solle sich gegenseitig mit Achtung behandeln, nicht als Rivalen.

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Nach Angaben von Bischof Palmer habe Papst Franziskus diesen Entwurf entgegengenommen und gesagt, er werde darüber nachdenken. Ivereigh berichtete weiter, er habe mit Palmer ausgemacht, dass dieser ihn über die Reaktion des Papstes informieren werde, doch dazu kann es nun nicht mehr kommen, da Palmer tragischerweise vor drei Wochen bei einem Motoradunfall tödlich verunglückte.

Palmer zählte seit Jahren zu den Freunden von Papst Franziskus, der Kontakt entstand in der Zeit, als der jetzige Papst noch Erzbischof von Buenos Aires war. Er bezeichnete den Papst als seinen geistlichen Leiter. Die spontane Botschaft, die Franziskus an einen Kongress von Leitern einer pfingstlerischen Gemeinschaft gesandt hatte (siehe auch Video unten), war von Palmer auf seinem eigenen iPhone aufgenommen worden.

Diese Nachricht ist in ihrer Wichtigkeit für die Ökumene mit Evangelikalen und Pfingstlern kaum zu unterschätzen. Würde sich die Information bestätigen und käme tatsächlich eine gemeinsame Erklärung zustande, wäre dies als ein großer Schritt in der Ökumene zu werten. Denn bis vor kurzem gestalteten sich die Beziehungen zwischen Evangelikalen bzw. Pfingstlern einerseits und Katholiken andererseits oft ausgesprochen schwierig, auch Katholiken neigten gelegentlich dazu, zu vergessen, dass die Theologie von Evangelikalen und Pfingstlern auf dem nizänisch-konstantinopolische Glaubensbekenntnis basiert und damit als innerchristlich ernstzunehmen ist. Stattdessen wurden die Evangelikalen gelegentlich fast als Sekte auf derselben Ebene wie Zeugen Jehovas eingestuft - Zeugen Jehovas sind eine echte Sekte und haben den gemeinsamen christlichen Glauben verlassen. Umgekehrt soll nicht verschwiegen werden, dass auch die Bezeichnungen mancher Pfingstler für Katholiken und für manche Aspekte der katholischen Lehre (etwa dem Papsttum und der Marienverehrung) nicht unbedingt vertrauens- und freundschaftsfördernd gewesen waren. Die – durchaus nicht wegzuredenden – Unterschiede zwischen der evangelikalen und der katholischen Lehre betreffen aber nicht das gemeinsame christliche Fundament.

In den letzten Jahren hat sich immer wieder eine stärkere Öffnung von evangelikalen und pfingstlerischen Christen zur katholischen Kirche und Lehre beobachten lassen. Es kam zu einigen Aufnahmen in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, hier sei das Ehepaar Ulf und Birgitta Ekmann erwähnt. Der schwedische Pastor Ekman, Autor vieler Bücher und langjähriger Leiter einer pfingstlerischen Gemeinde, wurde inzwischen katholisch und promoviert derzeit in katholischer Theologie. Doch auch unter jenen Evangelikalen, die nicht konvertieren, werden beispielsweise die Bücher des inzwischen emeritierten Papstes Benedikt XVI. oft mit großer Zustimmung gelesen und wird teilweise die ethische Lehre der katholischen Kirche als eine Art „Bollwerk“ gegen aktuelle gesellschaftliche Strömung ausdrücklich begrüßt. Ebenso hat sich die katholische Kirche für evangelikale und pfingstlerische Aspekte geöffnet, genannt sei als Beispiel die Katholische Charismatische Bewegung. Auch lässt sich in der katholischen Kirche bereits seit längerem und in vielen Bereichen eine stärkere Hinwendung zur Pflege der Kenntnis biblischer Texte beobachten, wie dies auch vom II. Vatikanischen Konzil gewünscht wurde.

Unter Papst Franziskus, der als Lateinamerikaner die dort aktiven Gruppen persönlich kennt und als Christen wertschätzt, scheint sich diese Tendenz fortzusetzen. Gelegentlich wird auch der Wunsch geäußert, dass die katholische Kirche für diese Christen auch die Möglichkeit zu eigenen Personalordinariaten einrichten möge, analog zu den Personalordinariaten für die früheren Anglikaner.

Wenn im Pontifikat von Papst Franziskus tatsächlich eine Annäherung zwischen den nicht zuletzt in Lateinamerika stark wachsenden Pfingstgemeinden und der katholischen Kirche stattfinden könnte, wäre dies unbedingt zu begrüßen. Auch eine zukünftig stärker sachorientierte statt polemische Diskussion der faktisch vorhandenen lehrmäßigen Unterschiede würde dadurch erleichtert werden.

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Videobotschaft von Papst Franziskus über die Einheit der Christen an eine pfingstlerische Leiterkonferenz (englische Untertitel)




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