09 Februar 2015, 09:00
Bremer Predigtstreit: Gemeinde steht geschlossen hinter Pastor Latzel
 
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Gemeinde: Medien berichteten kaum über Latzel-Aussage: „Und wenn sie (die Muslime) verfolgt werden, dann haben wir uns vor sie zu stellen. Das ist unsere Aufgabe als Christen“ - Olaf Latzel: Der Gott der Bibel kann nicht der Gott des Korans sein

Bremen (kath.net/idea) Die Bremer St. Martini-Gemeinde hat sich im Gottesdienst am 8. Februar hinter ihren in die Kritik geratenen Pastor Olaf Latzel gestellt. Mit starkem Beifall und Ovationen im Stehen quittierten die über 500 Besucher eine nach dem Gottesdienst verlesene Erklärung, mit der der Gemeindevorstand Latzel uneingeschränkt unterstützt. Darin unterstreicht die Gemeindeleitung Latzels Abgrenzung von anderen Religionen in seiner Predigt, die ihm scharfe Kritik von Kollegen und anderen Kirchenvertretern eingetragen hatte. Der Gemeindevorstand: „Wie aus der Bibel, den altkirchlichen Bekenntnissen und den Schriften der Reformation hervorgeht, kann der Gott der Bibel nicht der Gott des Korans sein. Das Feiern gemeinsamer Gottesdienste oder Gebete mit Imamen oder Vertretern anderer Religionen ist daher nicht möglich.“ Auch Glücksbringer, Buddha-Statuen oder Reliquienverehrung gehörten nicht zum evangelischen Christsein: „Der Weg zum Heil führt allein über den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der in die Welt gekommen und für uns Sünder am Kreuz gestorben ist.“

„Für ein buntes und vielfältiges Bremen“

Latzel habe in der umstrittenen Predigt darauf hingewiesen, dass es die Pflicht von Christen sei, für ein gutes Zusammenleben mit Mitbürgern anderer Religionen zu sorgen. Es sei nicht seine Absicht gewesen, Menschen anderen Glaubens zu verunglimpfen. Der Gemeindevorstand: „Sollten einige seiner Formulierungen die religiösen Gefühle anderer verletzt haben, so tut uns dieses leid, und wir bitten auch im Namen von Pastor Latzel hierfür um Entschuldigung.“ Die St. Martini Gemeinde stehe „für ein buntes und vielfältiges Bremen“. Sie habe tausende Zuschriften aus dem In- und Ausland erhalten; bis auf wenige Ausnahmen beurteilten diese den Predigttext positiv.

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Anfragen an das Bekenntnis der Kritiker

Hingegen nähmen diese Reaktionen mit Unverständnis und Ablehnung die „verunglimpfende Wortwahl“ zur Kenntnis, „die einige Vertreter der Bremischen Evangelischen Kirche für ihre Stellungnahmen gegen unseren Pastor gewählt haben“. Die Geistlichen in der Bremischen Evangelischen Kirche, die sich gegen die Latzels Predigt und gegen die St. Martini-Gemeinde gestellt hätten, müssten sich fragen lassen, ob sie sich der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 noch verbunden fühlten und in ihrer Lehre und ihrem Leben allein dem Dreieinigen Gott die Ehre gäben. Vorstand und Gemeinde seien dankbar für „die klare, bibelorientierte Wortverkündigung ihres Pastors“ und stünden geschlossen hinter Latzel.

Evangelische Allianz rückt von Latzels Wortwahl ab

Der Vorstand der Evangelischen Allianz Bremen war zuvor in seiner Erklärung von Latzels Wortwahl abgerückt. Die Allianz gründe sich in der biblischen Botschaft von Jesus Christus und definiere sich nicht über die Abgrenzung zu anderen Konfessionen und Religionen, heißt es darin. „Daher bedauern wir einige der in der Predigt des St. Martini-Pastors Olaf Latzel am 18. Januar 2015 gemachten Äußerungen zur Glaubenspraxis in anderen Religionen und Denominationen“, so die Erklärung weiter. Sie entsprächen nicht der Art der Diskussion und dem Stil eines notwendigen Dialogs, wie ihn die Allianz Bremen schätze und fördere.

Vorwurf: Latzel predigt Hass“

Latzel hatte sich in der Predigt unter anderem gegen das gemeinsame Gebet von Christen und Muslimen gewandt: „Das ist Sünde, und das darf nicht sein. Davon müssen wir uns reinigen.“ Zur Frage, ob Christen mitmachen müssten, wenn Muslime sie einladen „zu ihrem Zuckerfest und all diesem Blödsinn“, sagte Latzel: „Nein, da müssen wir ganz sauber bleiben.“ Er mahnte Christen auch, keine Buddha-Statuen in ihren Häusern aufzustellen: „Das ist Götzendienst. Das gehört nicht zum Christen dazu.“ Vertreter aus Politik, Kirche und Medien warfen Latzel daraufhin vor, Hass zu predigen. Die Staatanwaltschaft Bremen prüft derzeit, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen den Pastor einleitet.

Die Stellungnahme des Vorstandes der Evangelischen St. Martini-Gemeinde zu Bremen in voller Länge:

Liebe Martini-Gemeinde, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Sie haben sicherlich alle den Sturm der Entrüstung wahrgenommen, der in den letzten beiden Wochen über unseren Gemeindepastor und über unsere Gemeinde hinweggefegt ist. Ursache für diese Empörungswelle ist die Predigt unseres Pastors vom 18. Januar 2015. Diese Predigt über den alttestamentlichen Text aus dem Buch Richter 6, 25 – 32 ist überschrieben „An Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen“. Der Vorstand der St. Martini-Gemeinde gibt zu den Vorgängen, die diese Predigt ausgelöst hat, die folgende Stellungnahme ab:

Für ein buntes und vielfältiges Bremen

1. Die Predigt vom 18. Januar 2015 richtet sich nicht gegen andere Religionen, sondern spricht ausschließlich uns Christen und unseren Umgang mit anderen Religionen an. Die Predigt steht in keinem Zusammenhang mit der Kundgebung „Bremen ist bunt“ vom 26. Januar 2015, sondern entsprang innergemeindlichen Anfragen. Der Vorstand wie der Pastor halten fest, dass die St. Martini-Gemeinde für ein buntes und vielfältiges Bremen steht.

Kritisiert wird in der Predigt die sich in Kirche und Gesellschaft ausbreitende Religionsvermischung, bei der uns Christen ein anderer Gott präsentiert wird als der in der Bibel bezeugte Dreieinige Gott. Den Vorwurf, wir würden andere Religionen verhöhnen, weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. Vielmehr wenden wir uns als Gemeinde gegen jede Form der Verfolgung oder Einschränkung des Glaubens gleich welcher Religion.

Pastor Latzel hält seine Predigten überwiegend in freier Rede. Es war nicht seine Absicht, Menschen anderen Glaubens zu verunglimpfen. Sollten einige seiner Formulierungen die religiösen Gefühle anderer verletzt haben, so tut uns dieses leid und wir bitten auch im Namen von Pastor Latzel hierfür um Entschuldigung.

Allein Christus, allein die Schrift, allein der Glaube, allein durch Gnade

2. Die Predigt weist in großer Klarheit auf die Grundlage des christlichen Glaubens hin. Grundlage des christlichen Glaubens ist das Bekenntnis zu dem Dreieinigen Gott, dem Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, wie er in der Bibel bezeugt wird, als dem einen wahren Gott. Der Weg zum Heil führt allein über den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der in die Welt gekommen und für uns Sünder am Kreuz gestorben ist. Dies ist die christliche Botschaft, die durch die Bibel verkündet, in den altkirchlichen Bekenntnissen bezeugt und von der Reformation neu erschlossen wurde. Allein Christus, allein die Schrift, allein der Glaube, allein durch Gnade: Dies sind die Kernpositionen der Reformation.

Muslimen in Liebe und Barmherzigkeit begegnen

3. Wie aus der Bibel, den altkirchlichen Bekenntnissen und den Schriften der Reformation hervorgeht, kann der Gott der Bibel nicht der Gott des Korans sein. Das Feiern gemeinsamer Gottesdienste oder Gebete mit Imamen oder Vertretern anderer Religionen ist daher nicht möglich. Auch Glücksbringer, Buddha-Statuen oder Reliquienverehrung gehören nicht zum evangelischen Christsein.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir Menschen anderer Religionen nicht respektvoll begegnen. Ganz im Gegenteil! Pastor Latzel weist in seiner Predigt darauf hin, dass es die Pflicht der Christen ist, für ein gutes Zusammenleben mit Mitbürgern anderer Religionen zu sorgen. Er ruft in der Predigt dazu auf, dass wir Christen „…den Menschen muslimischen Glaubens in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen“ haben. „Und wenn sie (die Muslime) verfolgt werden, dann haben wir uns vor sie zu stellen. Das ist unsere Aufgabe als Christen“. Diese wichtigen Passagen der Predigt wurden von den Medien in Bremen fast vollständig ausgeblendet.

Gegen Missbrauch der Predigt für Fremdenfeindlichkeit

4. In den vergangenen Tagen haben uns tausende Zuschriften aus ganz Deutschland, unseren europäischen Nachbarländern, aus Afrika, Asien und Amerika erreicht. Bis auf wenige Ausnahmen unterstützen die Absender die klaren Aussagen der Predigt. Viele, die die Predigt im Internet nachgehört haben, bringen ihre Erschütterung über die sinnentstellende Darstellung in den Medien zum Ausdruck. Auch die verunglimpfende Wortwahl, die einige Vertreter der Bremischen Evangelischen Kirche für ihre Stellungnahmen gegen unseren Pastor gewählt haben, wird mit Unverständnis und Ablehnung zur Kenntnis genommen. Wir bedanken uns herzlich für allen Zuspruch und alle Gebete. Gleichzeitig distanzieren wir uns von allen Stellungnahmen, in denen die Predigt für fremdenfeindliche Zwecke missbraucht wird. Vorstand und Gemeinde sind dankbar für die klare, bibelorientierte Wortverkündigung ihres Pastors. Der Vorstand steht geschlossen hinter dem Pastor der Gemeinde.

Der Barmer Theologischen Erklärung verpflichtet

5. Nach der altbewährten Gemeindeordnung bekennt sich St. Martini in Lehre und Ordnung zur ganzen, unverfälschten Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes, dem einzig wahren und unfehlbaren Gotteswort. Als bekennende Gemeinde weiß sich St. Martini neben den altkirchlichen Bekenntnissen und den Bekenntnissen der Reformation auch der Barmer Theologischen Erklärung verpflichtet. Daher sagt unser Pastor auch nichts Neues. Wir lesen in der These I: „Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14,6) Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh. 10,1.9) Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen“ (These I, BTE).

Wir fragen die Pastorinnen und Pastoren in der Bremischen Evangelischen Kirche, die sich gegen die Predigt unseres Pastors und gegen die St. Martini-Gemeinde gestellt haben, ob sie sich diesem Bekenntnis noch verbunden fühlen und in ihrer Lehre und ihrem Leben allein dem Dreieinigen Gott die Ehre geben.

Wir als St. Martini-Gemeinde halten an Bibel und Bekenntnis fest! „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebr. 13,8).

Der Vorstand der St. Martini-Gemeinde Bremen
8. Februar 2015

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