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Barmherzigkeit geht gar nicht. Wie soll man das leisten?

26. Juli 2016 in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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So etwas muss jeden Menschen heillos überfordern. Gastkommentar von Peter Winnemöller


Krakau (kath.net/Blog katholon)
Dennoch ist Barmherzigkeit in aller Munde. Im Mainstream Speech ist damit allerdings etwas gemeint, was man am ehesten mit Heile-Heile-Gänschen umschreiben könnte. Egal was die Menschen tun, wie sie leben, es ist alles gleich gültig, gleich gut und wir müssen es alles so hinnehmen und gut heißen. Das ist alles andere als Barmherzigkeit. Das ist vielleicht ein politisch korrektes Gutmenschentum, das den Menschen am Ende doch nur schadet.

Barmherzigkeit gibt es weder ohne Wahrheit noch ohne Klarheit und erst recht nicht ohne Gerechtigkeit. Es geht also nicht darum, das Falsche, die Sünde, die Fehlhaltung der Menschen wegzureden, sie mit einer Barmherzigkeitstünche anzumalen und davon auszugehen, dass schon alles gut gehen wird.

Rechts und links der Pforte der Barmherzigkeit am Sanktuarium der Göttlichen Barmherzigkeit in Krakau sind Tafeln angebracht, auf denen die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit und die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit aufgeführt sind. Wer ehrlich zu sich selber ist, muss sich eingestehen: Das ist was für Profis. Amateure kommen da nicht mit. Dabei ist es ja noch leicht, mal einem Hungrigen ein Brötchen zu geben oder ein paar alte Klamotten in die Kleiderkammer zu bringen. Die leiblichen Werke mögen ja noch angehen. Bei den geistigen wird es für Menschen unserer Tage schon schwerer. Irrende belehren? Wie Irrtum? Das setzt ja die Existenz absoluter Wahrheiten voraus. Wer sowas behauptet kegelt sich doch heute gleich aus dem Diskurs. Sünder zurecht weisen. Boah! Sünder! Kaloriensünder, das mag noch gehen, aber sonst? Völlig ausgeschlossen.


Die Welt braucht aber die Barmherzigkeit, gerade weil die Irrungen und Verwirrungen unserer Tage so groß sind. Es braucht gerade diese enorme geistliche Klarheit und Wahrheit, auf denen die Barmherzigkeit aufsetzt und ohne die sie nicht zu denken ist.

Es war eine Nonne aus Krakau, der es Gott zugemutet hat, in Visionen zu schauen, was die Welt nötiger braucht als alles andere. Es war ein Papst, aus Polen, der erkannte, dass es diese Barmherzigkeit für die ganze Welt braucht. So hat dieser Heilige Papst nicht nur Sr. Faustyna heilig gesprochen, er hat sogar der Kirche den Sonntag der Barmherzigkeit geschenkt. Und als wäre es ein Siegel, das der Himmel diesem Werk aufgedrückt hätte, ist Papst Johannes Paul II. am Vorabend des Sonntags der Barmherzigkeit im Jahr 2005 gestorben.

Papst Franziskus hat dieses Jahr zu einen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Damit bekräftigt er das Werk seines Vorgängers Johannes Paul II. Und wo sonst als in Krakau, der Heimatstadt der Göttlichen Barmherzigkeit könnte in diesem Jahr der Weltjugendtag stattfinden.

Das ist die Botschaft von zwei Päpsten, einem Heiligen und einen amtierenden, an die Jugend der Welt: Barmherzigkeit. Doch wie soll das gelingen?

Im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit ist über dem Grab der Hl. Sr. Faustyna das Gnadenbild der Göttlichen Barmherzigkeit zu sehen. Glaubt dem, was erzählt wird, soll Sr. Faustyna geweint haben, weil das Bild so kitschig geworden ist. Das ist es wirklich. Dennoch wird es weltweit tief verehrt und viele Menschen beten die Barmherzigkeitsandachten und den Barmherzigkeitsrosenkranz.

Ganz gleich wie kitschig das Bild sein mag, es zeigt etwas ganz wesentliches. Es zeigt den Quell und Ursprung der Göttlichen Barmherzigkeit: Das geöffnete Herz Jesu. Wie Strahlen, ja vielleicht wirklich wie Laserstrahlen entströmt die Barmherzigkeit dem menschgewordenen Sohn Gottes.

Da ist die Botschaft: Wir können Barmherzigkeit nicht „machen“. Die Barmherzigkeit und damit auch die Werke der Barmherzigkeit sind Gnade. Und weil nun einmal die Gnade mit der Natur wirkt, ist es kein Zaubertrick Gottes, wenn Barmherzigkeit wirkt, sondern sie wirkt wenn Menschen sich ihr öffenen.

Dabei verbietet sich jeglich romantisch-verkitschte Übertreibung ebenso wie eine verflachte-moralisch entkernte Verfälschung von Barmherzigkeit. Es ist und bleibt ein Geheimnis Gottes, wie und wo seine Barmherzigkeit wirkt, und es bleibt dem Menschen überlassen, sich für die Göttliche Barmherzigkeit bereit zu machen.

Das ist es, was der Auftrag der jungen Menschen hier in Krakau auf dem WJT2016 ist. Sie sollen selber ihr Herz öffnen für das Geheimnis der Göttlichen Barmherzigkeit und sie sollen die Botschaft in die Welt tragen. Dazu versammeln sie sich zu Gebet, Beichte, Katechese und Feier der Hl. Messe.

Einer der wichtigsten geistlichen Orte dieses WJT ist demzufolge auch das Kloster, in dem Sr. Fauystyna gelebt hat, wo ihr Grab ist und wo das Gnadenbild zu sehen ist. Viele Jugendliche werden den Ort in diesen Tagen aufsuchen und dort beten. Beten wir darum, dass sie das Geheimnis der Göttlichen Barmherzigkeit tief in ihr Herz lassen und in ihre Heimatländer tragen.





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