07 Januar 2017, 15:20
'Ein König, der uns die Krone aufsetzt'
 
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„Gott ist die Beziehung zu dir wichtiger, als dass du alles richtig machst“, sagte Johannes Hartl bei seinem Vortrag am Samstagvormittag. kath.net-Bericht direkt von der #MEHR von Petra Knapp-Biermeier

Augsburg (kath.net/pkb) Über die Waisenkind-Mentalität und die Sohnschaft sprach der Leiter des Gebetshauses Augsburg am Samstagvormittag auf der MEHR-Konferenz. Er zitierte in seinem Vortrag den bekannten Hirnforscher Gerhard Hüther, der junge Männer untersucht hatte, die straffällig geworden waren: Sie hätten einen guten Vater gebraucht, lautete sein Ergebnis.

Das Wort „Vater“ sei ein sehr belasteter Begriff für viele Menschen. Jedoch: „Der schnellste Weg zum Herz des Menschen ist immer durch eine Wunde.“ Es gebe „keinen Menschen der Welt, der aus einer perfekten Familie stammt, denn deine Eltern waren Sünder“. Über die Sohnschaft Gottes könne niemand nachdenken, „ohne über seine eigene Geschichte nachzudenken“.

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Viele Menschen hätten von Kindesbeinen an Strategien entwickelt, um Aufmerksamkeit zu bekommen, etwa durch „Gut-Sein“, Helfen, Rebellion, Aggression oder Selbstauslöschung; viele definierten sich durch „Selbstversorgung“ oder „das schuftende Dasein“, ein Ausdruck einer „Waisen-Mentalität“. Hartl: „Sie haben nie gelernt, dass es genug gibt.“

Darum vergleichen sie ständig. Das Vergleichen sei eine Wurzel für zwei berühmte Sünden, nämlich „Stolz und Minderwertigkeitskomplex“. Wir verhalten uns oft nach dem Prinzip: „Wenn du viel hast, muss das heißen, dass ich weniger habe, denn es gibt ja nicht genug für alle. Eine Waisenmentalität sei „automatisch getrieben von Angst“. Grundverdacht sei, dass es „keinen gibt, der für mich sorgt“.

Das habe negative Folgen, etwa: „Ich kann mich nicht freuen, wenn jemand anderer viel hat oder Erfolg hat.“ Entweder missbrauche ich diesen dann für meine Zwecke „oder ich muss der Chef sein“. Auf jeden Fall „muss ich meine Position verteidigen“. Ein Waisenkind führe durch Manipulation und Kontrolle, erläuterte der Gebetshaus-Leiter: „Das sind zwei Strategien, die verhindern, dass jemand frei ist.“

Kontrolle sei ein Geist, der sagt „Es geschehe mein Wille. Amen.“ Hartl entlarvte in diesem Kontext auch „Abhängigkeitsbeziehungen“, wo einer sage: „Ohne diese Beziehung kann ich nicht leben.“ Solche Beziehungen „saugen dich aus“.
„Waisen bringen Waisen hervor“, erklärte der Gebetshaus-Leiter: „Eine Familie reproduziert immer das Klima in die nächste Generation.“ Merkmal von solchen „Waisenkindern“ sei außerdem, dass es seine Herkunft hasse. „Sie verachten das Eigene und lieben das Fremde.“

Umgelegt auf die Welt passt hierzu der Slogan: „Es ist nicht genug für alle!“ Die Mentalität hinter einem solchen Denken sei jedoch „tödlich“. Hartl: „Die Meinung, es sei nur gerecht, wenn jeder das Gleiche habe, ist die Denkweise eines Waisenkindes.“ Der barmherzige Vater im biblischen Gleichnis hingegen handle ganz anders, nämlich nach der Reich-Gottes-Mentalität: „Der Vater gibt jedem die Versorgung, die er braucht, aber sie schaut ganz verschieden aus.“
Unterschiedlichkeit bedeute nicht, dass eine Seite abgewertet werde. Wesentlich sei es, sich mit der Vielfalt auszusöhnen. Heute gebe es eine Tendenz zur Verachtung des eigenen.

Wie schaut nun die Reich-Gottes-Mentalität aus? Gott ist „kein König, der andere kleinhält, sondern ein König, der seine Freunde krönt“, betonte Hartl. Und es gebe eine Haltung im Gegensatz zur Selbstversorgung, nämlich „das verdankte Sein“. Das bedeutet: „Ich verdiene überhaupt nichts.“ „Alles ist die Gabe von einem guten Vater, alles, was ich tun muss, ist dafür zu danken.“ Und: „Es gibt jemanden, bei dem es genug gibt!“

Reich-Gottes-Mentalität sei auch geprägt von der Priorität der Beziehung. „Der höchste Wert im Reich Gottes ist Beziehung“, sagte der Gebetshaus-Leiter. „Gott ist die Beziehung zu dir wichtiger, als dass du alles richtig machst.“
Das Reich Gottes funktioniere außerdem nicht nach den Prinzipien der Wegwerfgesellschaft sondern nach dem Motto „Multiplikation statt Ersatz“. Es bringe Leute hervor, die wieder andere Leute hervorbringen.
Teil der Sohnschaftskultur sei außerdem das Fest: „Wir leben nicht in dem schuftenden Sein, das nie Ruhe im Hier und Jetzt hat.“ Es sei eine zutiefst geistliche Frage, ob wir „Ruhe im Sein“ haben oder ob mein Sein immer das „Schuftende“, das „Selbstversorgende“ sei.

Jeder sei außerdem von unschätzbarem Wert, unterstrich Hartl. „Du darfst etwas kosten!“, appellierte er daran, jeglichen Geiz abzulegen. „Was sprichst du über den Porsche-Fahrer, wenn er dich überholt?“, sagte Hartl. „Die Tatsache, dass er einen Porsche fährt, macht dich nicht ärmer.“ Er kritisierte die Neid-Kultur, die auch oft unter Christen herrsche. „Sie ist das Gegenteil vom Vaterherz.“

Dr. Johannes Hartl - Katechese auf der #MEHR2017 / Gebetshaus Augsburg










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