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Prag: Zeman schiebt staatlicher Ehrung Kardinal Vlks Riegel vor

7. Juni 2017 in Weltkirche, 3 Lesermeinungen
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Präsident begründete dies damit, dass er wiederholt von Vlk kritisiert worden sei


Prag (kath.net/KAP) Tschechiens Staatspräsident Milos Zeman lehnt trotz einer Empfehlung des Prager Abgeordnetenhauses eine staatliche Ehrung für den verstorbenen Kardinal Miloslav Vlk ab. Das geht aus einem Bericht der Tageszeitung "Pravo" (Mittwoch) hervor. Zeman hatte bereits im März abgelehnt, an der Trauerfeier für den Kardinal im Prager Veitsdom teilzunehmen. Er begründete dies damit, dass er wiederholt von Vlk kritisiert worden sei. Unterdessen mischt der Vlk-Vertraute Daniel Herman die tschechische Politik auf.

Das Parlament hatte am Dienstag der Prager Burg eine Reihe von Personen für die traditionelle Ehrung am Staatsgründungstag der Tschechoslowakei, dem 28. Oktober, vorgeschlagen, darunter auch Vlk. Die Abgeordneten haben laut der Verfassung ein Vorschlagsrecht, das aber für den Präsidenten nicht bindend ist.

In einem TV-Interview in der vergangenen Woche erinnerte Zeman daran, dass er 2016 den derzeitigen Erzbischof, Kardinal Dominik Duka, ausgezeichnet habe. "Duka hat sich um eine Annäherung von Staat und Kirche verdient gemacht. Kardinal Vlk hat dagegen alles getan, um die Streitigkeiten von Kirche und Staat eskalieren zu lassen." Zeman verwies ausdrücklich auf die Rolle Vlks in der Frage der Restitution des von den Kommunisten verstaatlichten Kirchenvermögens.


Vlk hatte in den Jahren seines Wirkens für die Rückgabe des ehemaligen Kircheneigentums gekämpft und dabei auch den Gang vor Gerichte nicht gescheut. Vom damaligen Präsidenten Vaclav Havel wurde der Kardinal 2002 mit dem Masaryk-Orden geehrt, einer der höchsten Auszeichnungen des Landes.

Zeman soll Berichten zufolge auch wegen der Polit-Karriere eines Vlk-Vertrauten. Daniel Herman, verärgert sein. Herman, aktuell tschchischer Kulturminister, ist laisierter Priester. Sein öffentliches Wirken begann mit seiner Priesterweihe im Wendejahr 1989. Im Jahr darauf machte ihn Vlk, Bischof von Hermans Heimatstadt Budweis, zu seinem Sekretär. Als Vlk zum Erzbischof von Prag avancierte, blieb Daniel Herman als Sekretär der Tschechischen Bischofskonferenz von 1996 bis 2006 sein enger Mitarbeiter.

Vlk habe ihn schon vor 20 Jahren gefragt, ob er nicht "eines Tages irgendwo kandidieren" wolle, so Herman in seinem Nachruf an den Kardinal. Auch den Verzicht auf die Ausübung des Priesteramts habe er mit Vlk abgesprochen, der ihm dabei "überaus hilfreich" gewesen sei.

Nach Zwischenstationen im Prager Polizeipräsidium und als Leiter des "Instituts für das Studium totalitärer Regine" legte Daniel Hermans Karriere im Jahr 2013 rasant zu: Ab dem 1. Juli war er Sprecher der Christdemokraten, am 26. Oktober wurde er auf deren Liste in den tschechischen Nationalrat gewählt und am 29. Jänner 2014 zum Kulturminister ernannt.

Einer breitesten Öffentlichkeit wurde Herman bekannt, als sich Präsident Zeman im vergangenen Herbst weigerte, einen Onkel Hermans, den Holocaust-Überlebenden Jiri Brady, mit dem Masaryk-Preis auszuzeichnen.

Bei den tschechischen Nationalratswahlen am 20. und 21. Oktober tritt Herman im Wahlkreis Prag für das Wahlbündnis von Christdemokraten (KDU-LS) und Bürgermeistern (STAN) an zweiter Stelle hinter dem Kandidaten der "Bürgermeister und Unabhängigen" an. Der sichere Listenplatz belegt den Aufstieg des "Sterns der Volkspartei" (so die Tageszeitung "Lidove noviny") ebenso wie seine kürzlich erfolgte Wahl zu einem der fünf Stellvertretenden Vorsitzenden der KDU-LS (Christdemokratische Union/Volkspartei).

Auch international wird das kompromisslose proeuropäische und menschenrechtliche Engagement des 54-Jährigen gewürdigt: Am 23. Mai vertrat Herman die Tschechische Republik bei deren Übernahme des Vorsitzes im Europarat, den sie bis zum 17. November innehaben wird. Ein besonderes Anliegen ist dem überzeugten Europäer, der fließend Deutsch, Englisch und Italienisch spricht, der Sprachunterricht in den 47 Ländern des Europarats.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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