26 Mai 2018, 11:00
Warum das Sprachengebet immer schön klingt
 
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Charismatische Erneuerung und Nightfever sind wichtige Bestandteile der Kirche, spürbar vom Heiligen Geist bewegt und erfüllt - Die monatliche Kolumne von Claudia Sperlich

Berlin (kath.net)
Die Katholische Charismatische Erneuerung (CE) ist, wie die freikirchliche Pfingstbewegung, besonders auf den Heiligen Geist ausgerichtet. Das gibt ihren Lobpreisgottesdiensten und ihren Messen ein eigenes Gepräge.

Ich fühle mich selten wirklich „zu Hause“. Grundsätzlich ist die Kirche mir eher „zu Hause“ als meine gemütliche Wohnung – aber etwas fremd fühle ich mich fast immer. Vielleicht ist das eine gute Ausgangsposition, um die CE zu beschreiben – als wohlwollend aufgenommener Fremdling. Seit einigen Jahren gehe ich gern zu Lobpreisgottesdiensten der CE. In Berlin finden sie unter dem lustigen Namen „Praystation“ in der Kapelle des Gertrauden-Krankenhauses einmal im Monat statt.

Schon das Wort und die Sache „Lobpreisgottesdienst“! Was in der CE üblich ist, habe ich im katholischen Pfarrgemeindeleben noch nicht gefunden: In einem zweistündigen Gottesdienst wird erst einmal Gott gepriesen mit Liedern (in der Regel eng an der Bibel orientierten modernen Liedern, fast immer zudem die mit einer fetzigen modernen Melodie unterlegte Pfingstsequenz), von einer kleinen Band begleitet.

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Dann ruft der Priester zum persönlichen Lobpreis auf, jeder, der mag, kann Gott etwas sagen, wofür er Ihn gerade besonders preisen will, und die Gemeinde antwortet „Lob und Preis sei Dir“. Später werden auch Fürbitten frei vorgetragen. Dazwischen wird wieder gesungen, manchmal tritt auch jemand vor und legt Zeugnis ab über ein besonderes Erleben von Gottes Güte oder Eingreifen. Der Priester liest das Tagesevangelium. Nach einem Segensgebet schickt er ein oder zwei „Segnungsteams“ in den Altarraum, zum Tabernakel – je zwei Gläubige, in der Regel solche, die damit Erfahrung haben, jedenfalls bewährte Leute. Man kann dort hingehen und um den Segen in irgendeiner Angelegenheit bitten, während die Gemeinde Lobpreislieder singt. (Dadurch ist man getragen vom Gebet der Gemeinde und zugleich vor versehentlicher Indiskretion geschützt – was hier am Tabernakel gesprochen wird, kann man in der Gemeinde nicht hören.)

Zwischen den beiden vom Segnungsteam steht ein Hocker, ich ziehe es aber vor, vor dem Tabernakel zu knien. Ich sage, wofür ich den Segen erbitte. Jeder legt mir eine Hand auf die Schulter, und sie beten für mich um Gottes Segen. Oft empfängt dabei wenigstens einer einen bildlichen Eindruck, den er mir mitteilt. Solche Bilder können mir helfen, meine eigene Situation zu verstehen, oder sie sind Hoffnungszeichen – manchmal kann ich auch nichts mit ihnen anfangen, aber das ist für niemanden ein Problem. Einer bezeichnet meine Stirn mit dem Kreuz im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Die unmittelbare Nähe zum Tabernakel, zum Leib des Herrn, ist in besonderer Weise segensreich, zuweilen spürbar. Ich gehe gestärkt zurück.

Es ist allen ganz klar, dass diese Form, um den Segen zu bitten, nicht sakramental ist, und auch, dass ein Lobpreisgottesdienst nicht die Messe ersetzt. Die Laien der CE sind fromme Leute, die sich nichts anmaßen wollen.

Ein Bestandteil des Lobpreisgottesdienstes ist auch das Sprachengebet. Das ist ein Charisma, das bei vielen (anfangs auch bei mir) Befremden auslöst. Menschen reden etwas, das sie selbst nicht verstehen. P. Adrian Kunert SJ schreibt dazu auf seiner Homepage: „Man bekommt geschenkt, dass man Worte auspricht oder Lieder singt, die man selber starten und stoppen kann, wo man aber im Moment nicht weiß, was das bedeutet. Man stellt sich sozusagen dem Heiligen Geist zur Verfügung, dass Er in uns bete (Röm 8, 26). Es ist ein persönliches Gebet, das vor allem dann angebracht ist, wenn wir nicht wissen, worum wir in rechter Weise beten können (Röm 8,26).“ Ich habe dies Charisma nicht. Aber ich merke, dass das Sprachengebet immer schön klingt. Übrigens wird es nie in störender Weise gebetet; nie unterbricht das Sprachengebet die Lieder oder die Lesung oder andere Teile des Gottesdienstes.

Die Gottesdienste werden auch von nicht im katholischen Sinne Frommen besucht, und ich habe beim anschließenden Zusammensein im Gespräch einiges an esoterischem Unfug gehört – aber das ist ja leider bei einem normalen kirchlichen Kaffeekränzchen kaum anders. Vor allem liegt das nicht in der Verantwortung der CE oder des Priesters. Man kann für andere beten, aber nicht an ihrer Stelle denken.

Eine CE-Messe ist eine katholische Messe, der Ablauf ist klar. Was sie von den üblichen Messen unterscheidet, sind nicht nur die Lieder – wie oben beschrieben – und die freien Fürbitten. Es ist eine gewisse Frische, ein besonderes Engagement aller Gläubigen. Man hat den Eindruck, niemand kommt nur „weil das üblich ist“. Bei den CE-Messen herrscht eine besondere tiefe eucharistische Frömmigkeit vor (anschließende Eucharistische Anbetung ist üblich). Nach der Messe ist Beichtgelegenheit. Hier habe ich zum ersten Mal begriffen, dass die Gemeinschaft der Gläubigen auch die mitträgt, die gerade nicht die Eucharistie empfangen können. Ich war etwas traurig zur Messe gekommen, weil ich vorher nicht hatte beichten können. Ich empfing also nicht den Leib des Herrn, aber den Segen, und mir wurde zum ersten Mal wirklich klar, was geistige Kommunion bedeutet.

Die Beichte findet in einer Kirchenbank statt, weit genug von den anderen entfernt, um diskret zu sein. Man darf sich auf Wartezeiten einstellen – es wird viel gebeichtet.

Die Nightfever-Gottesdienste stehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der CE, sie sind ein Ergebnis des Weltjugendtages 2005. Aber tatsächlich sind viele, die in der CE aktiv sind, auch bei Nightfever aktiv. Eucharistische Anbetung und Beichtgelegenheit in der nur von Kerzen erhellten Kirche, abschließend Komplet – das ist alles, und es sorgt für am späten Abend gut besuchte Kirchen. Junge Leute sprechen Passanten an, ob sie hereinkommen wollen. Man kann Gebetsanliegen auf einen Zettel schreiben, man kann eine Kerze anzünden, man kann einfach nur da sitzen oder knien, sich vom Herrn anschauen lassen, Ihn anschauen. Auch hier ist eine Band, die Musik ist ruhiger als beim Lobpreisgottesdienst, mit Zeiten der Stille dazwischen.

Ein Priester sitzt etwas abseits auf einem Stuhl, neben ihm ein zweiter Stuhl, vor sich ein Schild „Beichtgelegenheit“. Man kann ihn auch um den Segen bitten oder sich ihm ohne sakramentale Beichte anvertrauen; Nightfever ist ja zur Neuevangelisierung gedacht.

Die Sichtbarkeit der Beichte bei CE-Gottesdiensten und Nightfever hat mich nur anfangs irritiert. Die Diskretion ist gewährleistet, der Abstand zu den anderen Gläubigen ist groß genug. Der Beichtende ist dadurch sichtbarer, aber nicht hörbarer Teil der Gemeinde, ge- und ertragen. Noch wichtiger finde ich, dass die Beichte auf diese Weise ganz „normal“ wirkt. In einer Zeit, in der das Wissen um kirchliche Vollzüge schwindet, ist es gut, zu zeigen: Das hier haben wir auch, und es ist nichts Finsteres, Unheimliches, sondern etwas Schönes, Befreiendes. Und wenn man mit Scham und Angst zur Beichte geht, ist diese „halböffentliche“ Beichte auch ein Akt der Selbstüberwindung und Demut.

Charismatische Erneuerung und Nightfever sind wichtige Bestandteile der Kirche, spürbar vom Heiligen Geist bewegt und erfüllt – und stehen trotz oder wegen ihrer jugendlichen Ausstrahlung allen Altersgruppen offen.

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