01 Dezember 2016, 09:30
Theologieprofessorin: Die Pfingstbewegung wächst rasant
 
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Katholische Theologieprofessorin: Keine „Religion der Armen“ – Für die katholische Kirche ist die Pfingstbewegung laut Eckholt „eine Herausforderung“

Sankt Augustin (kath.net/idea/red) Die Pfingstbewegung wächst rasant. Mittlerweile fühlen sich weltweit rund eine halbe Milliarde Menschen ihr zugehörig. Diese Einschätzung äußerte die katholische Theologieprofessorin Margit Eckholt (Osnabrück) in einem Vortrag in Sankt Augustin (bei Bonn). In Brasilien beispielsweise liege der Anteil von Pfingstlern an der Gesamtbevölkerung bei etwa 25 Prozent. Sie kämen aus allen Gesellschaftsschichten. Man könne die Pfingstbewegung deswegen nicht mehr als „Religion der Armen“ bezeichnen. Eckholt: „Sie ist in der oberen Mittelschicht und der Oberschicht angekommen.“ Vor allem Frauen fühlten sich angesprochen und würden deswegen katholische Gemeinden verlassen. Denn in den Pfingstkirchen könnten sie oftmals eine größere Verantwortung übernehmen. Der „religiöse Stil“ dieser Bewegung zeichnet sich laut Eckholt etwa durch Betonung von emotionalen Glaubenserfahrungen, von „Heil und Heilung“ und einem großen Einfluss des Glaubens auf familiäre sowie berufliche Entscheidungen aus. Allerdings ließen sich solche Kennzeichen nicht verallgemeinern. Denn die Pfingstbewegung bilde keine Einheit. So legten etwa manche Kirchen den Schwerpunkt auf die Verkündigung eines „Wohlstandsevangelium“. Dort werde ein Gott gepredigt, „der den mit Wohlstand belohnt, der ein guter Christ ist“.

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Wachstum der Pfingstbewegung fordert die katholische Kirche heraus

Für die katholische Kirche ist die Pfingstbewegung laut Eckholt „eine Herausforderung“. Sie müsse sich mit dem Phänomen auseinandersetzen und könne auch davon lernen. Heute sei vielen Menschen eine „religiöse Erfahrung“ wichtig. Man müsse ernst nehmen, dass der neue religiöse Stil der Pfingstgemeinden auch viele Katholiken anspreche. Darauf müsse die Kirche reagieren. Wichtig seien „lebendige Glaubensgemeinschaften, die Anerkennung der Fähigkeiten aller – vor allem der Frauen – und auch eine neue Reflexion auf die Autorität und amtlichen Strukturen der Kirche“. Eckholt beobachtet ferner einen anderen Umgang ihrer Kirche mit der Bewegung als noch vor zwei Jahrzehnten. Im Gegensatz zu den 1990er Jahren bezeichneten lateinamerikanische Bischöfe die Pfingstgemeinden nun nicht mehr als „Sekten“, sondern als „andere religiöse Gruppen“.

Lateinamerikanische Pfingstkirchen sind keine von den USA gesteuerten „Sekten“

Eckholt zufolge verändert die Bewegung die katholische Kirche aber nicht nur dadurch, dass sie Mitglieder an die Pfingstkirchen verliert, sondern auch nach innen. Denn die Bewegung erfasse in Lateinamerika auch die katholischen Gemeinden selbst. Prognosen zufolge sollen im Jahr 2025 44 Prozent aller lateinamerikanischen christlichen Gemeinden „pfingstlerisch geprägt“ sein. Darunter fallen nicht nur junge und neu gegründete Pfingstgemeinden, sondern auch „in diesem charismatischen Stil praktizierende evangelische und katholische Gemeinden“. Laut Eckholt haben Studien mittlerweile die These der 1970er Jahre widerlegt, dass die lateinamerikanischen Pfingstkirchen von den USA gesteuerte „Sekten“ zur Untergrabung sozialistisch-marxistischer Befreiungsbewegungen gewesen seien.

Religionswissenschaftler seien heute der Auffassung, dass es sich um eine „autonome und in die Realitäten Lateinamerikas inkulturierte Bewegung von unten“ handle. Als Geburtsstunde der Pfingstbewegung gilt eine Erweckung in der US-Metropole Los Angeles (Bundesstaat Kalifornien) im Jahr 1906. Pfingstler betonen übernatürliche Wirkungen des Heiligen Geistes wie Prophetie, Krankenheilung sowie das Beten und Reden in fremden Sprachen („Zungen“), also in menschlich unverständlichen Lauten.

Hintergrund
Auch in der katholischen Kirche gibt es Gläubige, die Elemente der Pfingstbewegung aufgegriffen haben. Die Katholische Charismatische Erneuerung, die einige Aspekte aus pfingstlerischen Frömmigkeitsformen adaptiert und unter katholischen Standpunkten reflektiert und modifiziert hat, ist in der katholischen Kirche eine voll anerkannte und keineswegs kleine geistliche Bewegung. So gehört ihr beispielsweise der Prediger des Päpstlichen Hauses, Pater Raniero Cantalamessa, an. Alle letzten Päpste hatte positiven Kontakt zur Katholischen Charismatischen Erneuerung.







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